Handball | Bundesliga Teamcheck SC Magdeburg: Gelingt mit dem "verlorenen Sohn" der Angriff auf die Meisterschaft?

Der SC Magdeburg wurde zuletzt dreimal Dritter in der Handball-Bundesliga. Gibt es nun die Meister-Attacke? Mit dem aus Leipzig zurückgekehrten Nationalspieler Philipp Weber und einem dänischen Weltmeister können sich die Neuen sehen lassen.

SC Magdeburg: Team-Foto für die Saison 2021/2022
Mit diesem Team will der SC Magdeburg in der neuen Saison angreifen. Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner

So verlief die vergangene Saison

Der SCM hat sich in der Bundesliga auf Rang drei eingenistet. Diese Position nahm man zum dritten Mal in Folge ein. Die Platzhirsche heißen Kiel und Flensburg. Gegen die kam Magdeburg vergangenes Jahr noch nicht an. Auch wenn es spektakuläre Serien gab, fehlte bis ganz oben der letzte Tick an absoluter Konstanz. Das Highlight der Saison war der Triumph in der neuen "European League"der erste internationale Triumph des Vereins seit 14 Jahren.

Trainer Bennet Wiegert (Magdeburg) mit dem Pokal
Großer Jubel: Das Team und Trainer Bennet Wiegert mit dem Pokal Bildrechte: IMAGO / wolf-sportfoto

Wer kam, wer ging?

Vier Neue kamen. Herausragend ist die Rückkehr von Philipp Weber. Der Nationalspieler kam rund zehn Kilometer entfernt von Magdeburg, in Schönebeck, zur Welt. In der Jugend spielte er zehn Jahre beim SCM, ehe es ihn nach Leipzig und Wetzlar zog. In seine alte Eigentumswohnung konnte er übrigens nicht zurück, da lebt gerade SCM-Mitspieler Marko Bezjak – und rauswerfen wollte er seinen neuen Teamkollegen nicht. Trainer Bennet Wiegert sagt über Weber: "Der verlorene Sohn kehrt zurück – das ist schon eine charmante Geschichte, die es so nicht mehr oft gibt. Es ist nicht unser Heilsbringer, aber er wird uns helfen in der gesamten Saison."

Philipp Weber
Wieder im SCM-Dress: Philipp Weber Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Zudem kam mit dem Dänen Magnus Saugstrup ein bereits hochdekorieter Akteur an die Elbe. Der Kreisläufer, der von Aalborg wechselte, ist bereits Weltmeister und holte Silber bei Olympia in Tokio. Wiegert sagt: "Wir sind froh, dass er hier ist, aber ich möchte die Erwartungen an ihm bremsen. Er ist erstmals in der Bundesliga und erst vor kurzem bei uns eingestiegen. Ich erwarte erst einmal nichts von ihm. Ich hoffe, die nächsten Jahre kann er uns dann tragen."

Magnus Saugstrup
Magnus Saugstrup kam von Aalborg Bildrechte: IMAGO / Ritzau Scanpix

Weitere Neue: Torwart Mike Jensen (HBW Balingen-Weilstetten) soll Tobias Thulin ersetzen und Rückraumspieler Kay Smits (Team Tvis Holstebro/DEN), der bereits ein halbes Jahr beim SCM war. Ein gefühlter Neuzugang ist Linksaußen Matthias Musche. Er ist im Training schon wieder dabei, wird nach seinem Kreuzbandriss aber wohl erst im neuen Jahre wieder eingreifen können.

Ein Quartett verließ den Klub: Am schmerzhaftesten ist der Abgang von Zeljko Musa auch für die Fans, bei denen er sehr gut ankam. Der 35-jährige Kroate war Bestandteil eines stabilen Innenblocks. Nach sechs langen Jahren kehrte er in die Heimat zurück (RK Zagreb). Schlussmann Tobias Thulin, der sich nicht etablieren konnte, wechselte zu Auftaktgegner Stuttgart. Auch der unauffällige Christoph Steinert (HC Erlangen) und Eigengewächs Justus Kluge, der sich mehr auf sein Medizinstudium konzentrieren will, gingen.

Der Trainer

Bennet Wiegert 12 min
Bennet Wiegert Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Di 07.09.2021 00:12Uhr 11:56 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bennet Wiegert 12 min
Bennet Wiegert Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Di 07.09.2021 00:12Uhr 11:56 min

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Video

Mehr Identifikationsfigur geht nicht. Bennet Wiegert lebt den SCM. Der Sohn von Spieler-Legende Ingolf Wiegert, Olympiasieger und Europacupgewinner der Landemeister mit Magdeburg, hat sich an der Elbe spätestens mit dem Europacup-Titel ein Denkmal gesetzt. An der Linie impulsiv und mit einer Ansprache, bei der das Publikum in der GETEC-Arena manchmal inne hält, repräsentiert er den Klub wie kaum ein anderer.

Wiegert betont: "Es gibt nur 18 Bundesliga-Vereine, ich bin sehr dankbar, das machen zu dürfen. Und ich darf es in meiner Heimatstadt machen, das ist ein großes Privileg." Er ist seit 2015 Cheftrainer und denkt nach eigener Aussage weit voraus. Selbst die Saison 2024/25 hat er schon im Blick. Die Fans beschreiben ihn als absolut volksnah: "Den kannst Du immer ansprechen." Vater Ingolf sitzt auch immer in der Halle, hält sich aber öffentlich sehr zurück.

Bennet Wiegert gestikuliert
SCM-Coach Bennet Wiegert Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner

Stimmen zur neuen Saison

Bennet Wiegert über das Saisonziel: "Wir wollen keine kleinen Brötchen backen, aber wir werden genug damit zu tun haben, den Kampf um Platz drei zu bestehen. Mit den Rhein-Neckar Löwen, Berlin und Melsungen wollen da die Klubs hinter uns auch unbedingt hin. Dass wir einen Titel holen, das bezweifle ich doch arg. Da gehe ich mit Demut heran."

Wiegert über seine seine Wünsche: "Ich hoffe darauf, dass wir unsere 17 Spieler annähernd gesund halten können. Und dass wir wieder Zuschauer begrüßen können. Jetzt soll das Ganze bitte ein Ende haben, denn ohne Fans sind die Spiele nicht einmal die Hälfte wert."

Marc-Henrik Schmedt (Geschäftsführer SC Magdeburg)
Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt: "Es ist jedes Jahr schwierig. Es gibt viele Mannschaften, die ambitioniert sind, wir haben zwei Spitzenteams im Norden. Natürlich wollen wir die Leistung bestätigen und gucken, dass wir so lange wie möglich vorne dran sind. Ganz klar also: Leistung bestätigen und gucken, was am Ende dabei heraus kommt."

So sieht der Saisonstart aus

Zunächst erwartet der SCM am Donnerstag (19:05 Uhr/Live-Ticker in der SpiO-App) den TVB Stuttgart. Anschließend geht es zu den Rhein-Neckar Löwen, dann gastiert Wetzlar in Magdeburg, bevor die Elbestädter nach Balingen reisen. Es folgt das Derby-Heimspiel gegen Leipzig (26.9., 14:00 Uhr/live im MDR-Fernsehen), ehe mit Melsungen, Vize Flensburg und Meister Kiel drei Hochkaräter in Serie warten.

Im DHB-Pokal geht es zu Bundesliga-Aufsteiger TuS N-Lübbecke. Am 5./6. Oktober wird die 2. Runde ausgetragen.

So viele Zuschauer können dabei sein

Bis zu 5.000 Zuschauer, immerhin 85 Prozent der Kapazität, sind für die ersten beiden SCM-Heimspiele gegen Stuttgart (9. September) und die HSG Wetzlar (16. September) zugelassen. Masken müssen keine getragen werden. Auch ist die Anzahl der Zuschauer an keine Inzidenz von 35 gekoppelt. Dauerkarten dürfen noch keine verkauft werden. 2.800 Tickets waren innerhalb der ersten beiden Tage weg. Fans, die sonst keine Karten für die begehrten Heimspiele ergattern konnten, haben aktuell bessere Chancen. Bennet Wiegert sagt ehrlich: "Es könnte da schon eine gewisse Anfangsproblematik geben, aber ich hoffe, dass sich das schnellstmöglich wieder legt." Denn: "Ich wünsche mir natürlich Zuschauer. Das Gefühl einer Pandemiesaison möchte ich nicht noch mal haben. Die Hallen waren kalt. Unser Sport ist ohne Emotionen, ohne Zuschauer nicht einmal die Hälfte wert."

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cke/red

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 09. September 2021 | 21:45 Uhr

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