Handball | Bundesliga Haber und Müller sagen Ja zur Sieben-gegen-Sechs-Regel

"Sieben gegen Sechs" - das taktische Mittel stößt bei den meisten Handball-Trainern auf wenig Gegenliebe. Es gibt aber auch Argumente, die dafür sprechen. Wie bei SC-DHfK-Trainer Andre Haber und THC-Coach Herbert Müller. Wir hakten nach.

Ein Ball wird aus einem Tornetz geholt
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Die Handball-Regel "Sieben gegen Sechs" sorgt für Zündstoff und stößt bei vielen Trainern auf wenig Gegenliebe. In einer Umfrage des Fachmagazins "Handballwoche" sprachen sich rund drei Viertel von 39 Coaches für eine Abschaffung dieser Variante aus, die den Trainern seit Sommer 2016 die Möglichkeit gibt, den Torwart jederzeit durch einen Feldspieler zu ersetzen.

Bundestrainer scharfe Kritiker der Regel

Zwei-Minuten-Zeitstrafen bedeuten für die angreifenden Mannschaften kaum noch einen Nachteil. Zu den scharfen Kritikern gehören die Bundestrainer Alfred Gislason (Männer) und Henk Groener (Frauen). "Ich glaube nicht, dass der Handball attraktiver wurde. Im Gegenteil. Die Regel macht das Spiel viel langsamer. Trainer verlieren besonders in der Abwehr ihre taktischen Varianten", betonte Gislason.

Wie Gislason macht sich auch Groener dafür stark, die Uhr im Handball-Regelwerk zurückzudrehen. "Je schneller man diese Regel abschafft, desto besser ist es", sagte Groener. "Die Räume wurden enger, das Spiel wurde langsamer. Und: Die Treffer ins leere Tor sind sehr unattraktiv für die Fans."

Haber: "Wir wenden das System natürlich auch an"

Andre Haber
SC-DHfK-Trainer Andre Haber. (Archiv) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der MDR fragte nach und erfuhr auch gegenteilige Meinungen. Zum Beispiel würde André Haber, Trainer des SC DHfK Leipzig, bei der Sieben-gegen-Sechs-Regel bleiben. "Mir gefällt es, in Unterzahl aufschließen zu können. Wir wenden das System natürlich auch an, aber nicht in der Perfektion und der Häufigkeit. Wir greifen viel häufiger im Sechs-gegen-Sechs an."

Dennoch kann der 34-Jährige auch die "Kritikpunkte der Trainerkollegen nachvollziehen" und ergänzte: "Ob das noch einmal gekippt wird oder nicht, darüber habe ich keine Information."

Müller: "Ich nutze dieses taktische Mittel"

Herbert Müller
THC-Coach Herbert Müller. (Archiv) Bildrechte: imago images / Pressefoto Baumann

Ein großer Verfechter der Regel ist Herbert Müller, Coach der Handballerinnen des Thüringer HC. Wie er dem MDR sagte, besteht dadurch für "schwächere Mannschaften" die Chance, "gegen ein richtig gutes Team bestehen zu können". "Es eröffnet die Möglichkeit, noch einmal ein Spiel zu drehen oder zumindest aufzuholen. Und das macht es für den Zuschauer sehr attraktiv. Wer will schon ein 40:15 sehen?"

Schon deshalb würde Müller gern an der Variante festhalten. "Ich spiele es gern, ich nutze dieses taktische Mittel. Gerade in der Champions League gegen sehr, sehr starke Gegner", so der 57-jährige Erfolgstrainer des THC.

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jmd/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 08. Juli 2020 | 19:30 Uhr

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