Handball | Bundesliga Handball-Spielerberater Göthel: Mit "Transparenz und Vertrauen" zurück in den Liga-Betrieb

Die Handball-Bundesliga (HBL) peilt ihren Saisonstart im September an. Das dazugehörige Konzept beinhaltet neben Geisterspielen auch einen Gehaltsverzicht der Profis. Nicht nur deshalb kommt es in der aktuelle Situation einmal mehr auf Solidarität, Offenheit und Transparenz an, meint der Spielerberater und frühere SCM-Profi Erik Göthel.

Erik Göthel im SpiO-Talk 24 min
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Sport im Osten Fr 05.06.2020 10:30Uhr 23:37 min

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Wie HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann am Donnerstag (4. Juni) im MDR-Gespräch verriet, könnte die Handball-Bundesliga bereits im September wieder starten. Zunächst mit Geisterspielen, einem Hygienekonzept sowie einem Gehaltsverzicht der Spieler. Doch auch wenn Letzterer aktuell alternativlos scheint, könnten ein solcher neue Probleme hervorbringen.

"Es geht um die Existenz des Profi-Handballs in Deutschland"

"Wenn einige Spieler auf 40 Prozent ihres Gehalts verzichten müssen, müssten sie sich vielleicht einen zweiten Job suchen", zeigte der Spielberater Erik Göthel im "SpiO"-Talk am Freitag (5. Juni) das Dilemma auf. Hinzu kommt, dass die Vereine keine finanzielle Planungssicherheit haben, da niemand weiß, wie sich die Corona-Lage in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird. "Alle sitzen in einem Boot. Es geht um die Existenz des Profi-Handballs in Deutschland", appellierte Göthel. Deshalb ist es aktuell vor allem wichtig, "Egoismen hinten anzustellen", es brauche nun "Transparenz".

Knackpunkt Föderalismus

Startet die Liga im Herbst in ihre neue Saison, könnte, laut Göthel, das föderalistische System in Deutschland die Bedingungen weiter erschweren. Lässt beispielsweise ein Bundesland Zuschauer in die Hallen, andere Länder hingegen nicht, würde ein "völliges Wirrwarr entstehen". Vor allem deshalb verlangt die aktuelle Situation "extrem viel Solidarität und Offenheit." Der 46-Jährige unterstreicht: "Es hat viel mit Vertrauen zu tun, weniger mit Kontrolle. Es braucht gemeinsame Lösungen." Ein pauschaler Gehaltsverzicht in der Liga sei in diesem Sinne nicht zielführend. Schließlich plane jeder Verein mit seinem eigenen Etat. Deshalb finden aktuell auch keine Transfergespräche statt. Die Klubs müssen vereinsintern individuelle Lösungen finden, um die Situation wirtschaftlich zu überstehen.

Unterschiede zwischen 1. und 2. Liga

Die Saisonvorbereitung sollte laut Göthel, der selbst als Profi für den SC Magdeburg und den SC DHfK Leipzig auf der Platte stand, behutsam angegangen werden. Die Spieler konnten sich nach solch einer langen Pause "zwar auskurieren, jedoch sollte in den ersten zwei bis drei Wochen erst einmal nur im Grundlagenbereich trainiert werden". Dabei müssen auch die unterschiedlichen finanziellen Rahmenbedingungen Bedingungen in der 1. und 2. Liga unterschieden werden. Steigen die Vereine ab Juli wieder in den Übungsbetrieb ein, "müssten die Spieler aus der Kurzarbeit raus", was wiederum mit finanziellen Sorgen verbunden sein kann, so Göthel.

Vorreiterrolle HBL?

Dass die HBL im internationalen Vergleich eine ähnliche Vorreiterrolle wie die Fußball-Bundesliga einnehmen wird, dessen ist sich der zweimalige deutsche Nationalspieler sicher. "Die HBL wird die Liga sein müssen, die vorweggeht. Spiele werden stattfinden, die Frage ist nur, wie viele Zuschauer reingelassen werden. Darüber kann man in der jetzigen Situation aber nur spekulieren." Länderübergreifende Wettbewerbe sollten dabei erst einmal außen vorgelassen werden. "Das Wichtigste ist, dass man zuerst den Plan für den nationalen Betrieb regelt. Der Rest ist erst einmal nebensächlich."

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jsc

Dieses Thema im Programm: MDR+ | "SpiO"-Talk | 05. Juni 2020 | 10:30 Uhr

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