Handball | European League "Wohltuende Außenseiterrolle" – Thüringer HC im Doppelpack gegen Storhamar

Dem Thüringer HC bleibt keine Zeit, den jüngsten Überraschungserfolg über Bietigheim zu genießen. Das Team von Trainer Herbert Müller steht vor dem Mammutwochenende gegen Storhamar. Wir streamen den Doppelspieltag im Europapokal am Samstag (6. Februar, 14 Uhr) und Sonntag (7. Februar, 12 Uhr) live.

Thüringer HC - Team mit Trainer Herbert Müller
THC-Trainer Herbert Müller inmitten seines Teams während einer Auszeit am Mittwoch gegen Bietigheim. Bildrechte: IMAGO / Christian Heilwagen

Trotz aller Terminhatz, die der Thüringer HC aktuell erlebt, kann man davon ausgehen, dass Herbert Müller nahezu durchweg auf Empfang ist. Am Freitagvormittag vor dem anstehenden Doppelspieltag in der European League gegen das norwegische Spitzenteam Storhamar HE an diesem Wochenende ruft der 58-Jährige während der Autofahrt zum Training zurück.

Gegen Bietigheim "endlich die Schlüsselsituationen gerissen"

Thüringer HC
Siegerinnenlächeln – das THC-Team nach dem Überraschungserfolg gegen Bietigheim. Bildrechte: IMAGO / Christian Heilwagen

Noch immer ist die Erleichterung in seiner Stimme unüberhörbar – Erleichterung darüber, wie sein Team kaum eineinhalb Tage zuvor in der heimischen Salza-Halle den langjährigen Titelkontrahenten Bietigheim mit 33:30 in die Knie gezwungen hatte.

"Wir haben unfassbar gut gekämpft", blickt Müller zurück, aber "vom Fleiß und Willen her konnte ich meiner Mannschaft auch davor nie einen Vorwurf machen." Diesmal jedoch "waren wir gegen ein absolutes Spitzenteam endlich über 60 Minuten konstant, endlich haben wir die zwei, drei entscheidenden Schlüsselsituationen gerissen, die Nerven bewahrt und dadurch auch das Glück ein bisschen erzwungen."

Sinnbildlich dafür stand jene Szene, als der Ball in THC-Unterzahl bei einem verunglückten Bietigheimer Konterabschluss auf geharztem Boden unmittelbar vor dem leeren THC-Tor kleben blieb, anstatt zum 31:30-Anschluss über die Linie zu kullern.

THC im Leistungstal: "Vielleicht vom guten Start blenden lassen"

Marie Skurtveit Davidsen (Thüringer HC) und Asli Iskit (Thüringer HC) schauen enttäuscht.
Torfrau Marie Davidsen und Asli Iskit gehen nach der Auswärtsniederlage in Neckarsulm Ende Januar enttäuscht vom Feld. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Hinter den Thüringerinnen liegen dreieinhalb schwierige, von Tief- und Rückschlägen gezeichnete, "wenig erfolgsverwöhnte" Monate, wie es Müller nennt. Mitte Oktober standen für die Bad Langensalzaerinnen in der Liga noch 11:1 Punkte zu Buche. Anschließend gerieten sie in ein Leistungstal, während sich Herbert Müller zu allem Übel einer schweren Knie-OP unterziehen musste. Allein sechs der nächsten zehn Bundesligapartien gingen verloren.

Auf beiden Seiten des Feldes lief teilweise wenig zusammen. "In der Abwehr haben wir sehr viele einfache Situationen zugelassen, Eins-gegen-Eins-Duelle verloren, ständig über 30 Tore bekommen und vorne klarste Chancen vergeben", zählt Müller auf. Ganz zu schweigen vom fehlenden Einfluss der eigenen Fans – gerade in den engen Spielen. Dennoch gesteht er: "Vielleicht haben wir uns vom guten Saisonstart etwas blenden lassen."

Der Umbruch braucht Zeit

Iveta Koresova (Thüringer HC)
"Brillante Kapitänin" und schmerzlich vermisst – Iveta Korešová ist noch in der Babypause. Bildrechte: imago images/Karina Hessland

Der massive Kaderumbruch im vergangenen Sommer braucht Zeit. Mehr als zehn Akteurinnen verließen den Verein, darunter die deutschen Nationalspielerinnen Emily Bölk und Alicia Stolle. Zudem ist Iveta Korešová, die sich aktuell in der Babypause befindende "brillante Kapitänin" (O-Ton Müller), kaum zu ersetzen.

Ein Titelkontrahent wird der THC in dieser Saison aller Voraussicht nach nicht mehr sein. In der Liga muss sich der siebenmalige Deutsche Meister derzeit mit einem Mittelfeldplatz zufriedengeben – 13 Zähler hinter dem noch verlustpunktfreien Spitzenreiter Dortmund. Im DHB-Pokal schied der immer noch amtierende Titelverteidiger von 2019 vor wenigen Tagen vorzeitig gegen Metzingen aus.

Storhamar wartet: "Typisch skandinavischer Handball"

Maja Jakobsen (Storhamar Handball Elite)
Rückraumspielerin Maja Jakobsen ist Storhamars beste Werferin im aktuellen Wettbewerb. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Bliebe noch die European League? "Da wollen wir uns vollkommen ergebnisunabhängig und mit viel Freude präsentieren. Die Ergebnisse brauchen wir in der Bundesliga, aber hier haben wir eine wohltuende Außenseiterrolle, in der wir nur überraschen können", betont Müller.

Nach der Auftaktniederlage in Gruppe C gegen Astrachan gastiert am Samstag (14 Uhr im "SpiO"-Livestream) und Sonntag (12 Uhr im "SpiO"-Livestream) nun Storhamar HE in der Salza-Halle. "Eine typische skandinavische Mannschaft, die sehr schnellen Handball spielt. Wenn du da nicht 60 Minuten dagegenhältst, können die einen auch mal schnell überrollen", warnt Herbert Müller.

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mhe

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Dieses Thema im Programm: MDR+ | Sport im Osten | 06. Februar 2021 | 14:00 Uhr

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