Sport | Jahresrückblick | Januar | Handball | WM in Deutschland und Dänemark Rückblick: Der Leipziger Prokop führt die "Bad Boys" ins WM-Halbfinale

Ein Monat - ein Ereignis. Für unseren Rückblick auf 2019 haben wir uns zwölf Sport-Themen des Jahres herausgesucht. Im Januar: Erst im WM-Halbfinale in Hamburg scheitern die deutschen Handballer von Bundestrainer Prokop.

Christian Prokop
Bildrechte: imago/Sven Simon

Leicht hatte es Handball-Bundestrainer Christian Prokop lange nicht: Das von Erstligist SC DHfK Leipzig 2017 für geschätzte 500.000 Euro los geeiste Trainer-Talent litt unter dem langen Schatten seines beliebten Vorgängers Dagur Sigurdsson und musste eine schwache EM 2018 überstehen. Der in Köthen geborene und in Leipzig lebende Prokop überstand den Sturm, auch mit Hilfe des mächtigen DHB-Vizepräsidenten Bob Hanning und von DHB-Präsident Andreas Michelmann, einem Politiker aus Aschersleben.

Christian Prokop und Bob Hanning
Bei der EM 2018 in Kroatien war die Stimmung noch bescheiden: Prokop (li.) und DHB-Vize Bob Hanning Bildrechte: imago/Agentur 54 Grad

"Erstaunlichste Wandlung, die je ein Bundestrainer vollzogen hat"

Ein Jahr später schrieb die "Süddeutsche Zeitung" über Prokop: "Die erstaunlichste Wandlung, die je ein Bundestrainer vollzogen hat". Nun will er nicht mehr sein System durchpeitschen, hört auf externe Berater - und vor allem: Er hört den Spielern zu. Prokop reist zu jedem Stammspieler persönlich. Dann verbringt er also ein paar Stunden in Paris bei Kapitän Uwe Gensheimer oder diskutiert nach einem Kieler Auftritt in der leer gefegten SAP-Arena von Mannheim mit Abwehrchef Hendrik Pekeler. Diese Maßnahmen kommen an, Internas werden nicht mehr ausgeplaudert, Team und Bundestrainer rücken zusammen.

Christian Prokop und Hendrik Pekeler
Nicht nur Anweisungen, sondern auch Zuhören. So fanden das Team, hier Abwehrchef Hendrik Pekeler (li.), und Christian Prokop zusammen. Bildrechte: imago/Sven Simon

"Bad Boys" in vollen Arenen lange auf den Spuren von 2007

Und so meistern sie die mit hohem Druck und ebenso hohen Erwartungen einher gehende Weltmeisterschaft, die im eigenen Land und in Dänemark stattfindet. Das Handball-Märchen 2007 mit dem Titel im eigenen Land ist immer noch in den Köpfen. Jeweils 13.500 kommen zu den fünf deutschen Vorrunden-Spielen nach Berlin, sogar 19.250 strömen nach Köln zu den drei Hauptrunden-Begegnungen, alle Partien sind ausverkauft: In Berlin gibt nur gegen Titelverteidiger Frankreich und Russland gibt es ein Remis, die Vorrunde ist überstanden. In der Hauptrunde gelingen weitere drei Siege, darunter dramatische mit 22:21 gegen Serbien und 31:30 gegen Spanien.

Schlussjubel der Deutschen bei der Handball WM.
Die deutschen Fans waren immer wieder aus dem Häuschen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Meisterprüfung von Christian Prokop

Diesen Nervenschlachten muss das DHB-Team dann im Halbfinale von Hamburg Tribut zollen: Beim 25:31 ist Norwegen einfach besser. Kaum zu glauben: Mit 11,9 Millionen Zuschauern im Schitt wurde diese Partie die meistgesehene Sportsendung in Deutschland 2019. Am Ende blieb zwar "nur" Platz vier nach einer knappen Niederlage im Spiel um Platz drei gegen den entthronten Weltmeister. Aber Christian Prokop, dessen Vertrag noch bis 2022 läuft, hat bei dieser WM gezeigt, dass er seine Meisterprüfung auf internationalem Parkett bestanden hat.

Bundestrainer Christian Prokop
Bundestrainer Christian Prokop hat mit dem DHB-Team noch einiges vor. Bildrechte: imago/wolf-sportfoto

cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 30. Januar 2019 | 16:30 Uhr

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