Handball | Bundesliga DHfK-Manager Günther: "Werden jeden Stein drei Mal umdrehen"

Die Konsequenzen der Corona-Krise sind für Vereine noch nicht absehbar. Handball-Bundesligist SC DHfK Leipzig wartet dennoch nicht ab, sondern sorgt vor und stellt intern einiges auf den Prüfstand.

Karsten Günther
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Dass Sportvereine den Gürtel in der Zukunft enger schnallen werden müssen, steht außer Frage. Daran zweifelt auch der Manager des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig, Karsten Günther, nicht. Er geht aktuell von einem Verlust von etwa zehn Prozent des Jahresetats aus. Das ist fast eine halbe Million Euro und betrifft nur die Zeit bis zum 30. Juni 2020. Was danach kommt, weiß noch keiner. "Wir haben von unseren Sponsoren ganz viele positive und liebe Reaktionen bekommen, die uns Mut machen", erzählt Günther auf MDR-Nachfrage, ergänzt aber: "Was das in Zahlen bedeutet, wissen wir nicht."

"Kredite helfen uns nicht weiter"

Karsten Günther, Geschäftsführer der SC-DHfK-Handballer
Geschäftsführer Karsten Günther Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schließlich verschärft die Krise die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen. Der Staat springt dabei mit Krediten ein, die später zurückgezahlt werden müssen. Eine solche Option allein sieht Günther beim SC DHfK nicht. "Nur Kredite helfen uns nicht weiter. Das würde bedeuten, wir müssten in den kommenden Jahren einen ordentlichen Überschuss erwirtschaften, um das Geld zurückzuzahlen", so Günther. Vereine seien Vorbilder, Ausbilder und hätten eine soziale Verantwortung, sie benötigten andere Hilfen. Wenn alles zurückgezahlt werden müsse, werde es schwer, ist der Handball-Manager überzeugt.

Einsparpotentiale gesucht

Unabhänig von externer Unterstützung sind die Verantwortlichen beim SC DHfK gerade dabei, Investitionen genau zu überprüfen. Günther: "Wir drehen jeden Stein drei Mal um und fragen uns: Was brauchen wir wirklich? Wo können wir sparen?" Gemeint ist damit nicht das Personal. "Wir setzen in der aktuellen Situation keinen vor die Tür", macht Günther klar. Es gehe eher in die Richtung der Spielvorbereitung. "Müssen wir ins Trainingslager reisen oder einen Tag vor dem Spiel zum Auswärtsspiel fahren?", nennt er Beispiele.

Bei den möglichen Einsparpotenzialen steht die Führungsriege im engen Austausch mit den Trainern. "Alles muss im Einklang erfolgen und auf Verständnis treffen. Wirtschaft und Sport müssen zusammenpassen", so Günther, der glaubt, dass die Zeit nach der Corona-Krise "brutal wird". Sollte er mit dieser Prognose danebenliegen, "wäre es umso schöner. Dann brauchen wir unsere Spar-Maßnahmen nicht - und das wäre umso besser."

Die Spieler sind bereits mit gutem Vorbild vorausgegangen. Sie haben sich darauf verständigt, auf Teile ihrer Gehälter zu verzichten, um ihren Club in dieser wirtschaftlich angespannten Situation zu entlasten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. März 2020 | 16:30 Uhr