Handball Positive Reaktionen nach Coming-Out von Handballer Lucas Krzikalla

Nach dem Coming-Out von Lucas Krzikalla hat der Leipziger Handball-Profi durchweg positive Reaktionen erfahren. "Sport im Osten" hat Meinungen aus Sport und Medien zusammengetragen.

Lucas Krzikalla
DHfK-Handballer Lucas Krzikalla hat den Mut gefunden und sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Bildrechte: IMAGO / Picture Point LE

Handballer Lucas Krzikalla hat das jahrelange Versteckspiel hinter sich gelassen und seine Homosexualität öffentlich gemacht. Es war ein mutiger Entschluss und einer der "wichtigsten Schritte in seinem Leben", sagte der Spieler des Bundesligisten SC DHfK Leipzig. Nach seinem Coming-Out erfuhr der 28-Jährige viel Zuspruch, die Reaktionen waren reinweg positiv.

Unterstützung aus der Handball-Szene

Große Unterstützung erfährt Lucas Krzikalla von seinem Klub. DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther sieht in ihm ein "absolutes Vorbild". Und auch DHB-Präsident Andreas Michelmann freute die Nachricht "für den Menschen Lucas Krzikalla und sein gesamtes Umfeld. Sein Outing zeugt im besten Sinne des Wortes von einem gesunden Selbstbewusstsein", sagte der Verbandschef.

Respekt zollten Krzikalla zudem einige Handball-Kollegen. Nationalmannschafts-Kapitän Johannes Golla von der SG Flensburg-Handewitt sprach von einem "sehr, sehr mutigen und bemerkenswerten Schritt", der so manchem Aktiven helfen werde, "befreiter leben zu können und sich nicht mehr verstellen zu müssen".

Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt 4) beim warm-up.
Johannes Golla: "Mutiger und bemerkenswerter Schritt" Bildrechte: IMAGO / Lobeca

Unterstützung erhielt Krzikalla auch von Patrick Zieker, der beim TVB 1898 Stuttgart spielt. "Ich ziehe meinen Hut davor. Und trotzdem erfordert es Mut und Respekt, was eigentlich traurig ist", meinte der Stuttgarter Linksaußen beim SWR. Schließlich sei es auch kein Thema, wenn einer der Kollegen eine neue Freundin habe. Er habe Respekt vor Krzikallas Entscheidung, der damit auch gesellschaftlich vorangehe. "Ich finde es toll", meinte er. "Ich hoffe, dass das ein starkes Statement ist und sich viele anschließen."

Einstimmige Reaktion bei Kommentaren

Ähnlich wie Zieker sieht es der User Thommi Tulpe in der Kommentierung bei Sport im Osten. "Erschreckend, dass im 21. Jahrhundert solche Berichte immer noch oft als 'Sensation' gelten. Noch erschreckender, wenn es immer noch Leute gibt, wo solche Meldungen negative Gefühle, oft auch noch verpönendes Geschrei auslösen." Die Meinung von ehrndorf unter dem Artikel ist folgendermaßen: "Es ist mir unbegreiflich, warum die sexuelle Orientierung eines Menschen für seinen beruflichen Erfolg eine Rolle spielt. Das geht keine andere Person etwas an und beeinflusst nicht die berufliche Leistung."

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Lukas Krzikalla - Aus der Deckung - Coming-Out in der Handball-Bundesliga 14 min
Profi-Handballer Lukas Krzikalla Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Twitter: "Voller Respekt und Solidarität!"

Bei Twitter äußerte Sven Liebert seinen Respekt vor Lucas Krzikalla: "Solange queer-feindliche Angriffe Alltag für viele Menschen in Deutschland sind, braucht es starke Vorbilder wie ihn! Danke Lucas!" Steffen Rülke schließt sich an: "Er ist natürlich nicht der einzige Schwule, aber der einzige, der darüber redet. Lucas Krzikalla verdient Respekt und alle Unterstützung." Und Christian Stein postete: "Starke Aktion von Lucas Krzikalla vom SC DHfK Leipzig – auch wenn er nicht der erste männliche Homosexuelle in der Bundesliga ist. Nur der erste, der darüber redet. Voller Respekt und Solidarität!“

Krzikallas Coming-Out ein Einzelfall im Profisport

Noch bleibt das Bekenntnis zum Schwulsein von aktiven Sportlern wie Krzikalla in den großen Ligen – Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey – jedoch ein Einzelfall. Eine Ausnahme machte im Vorjahr der US-Amerikaner Benjamin Patch, der bei den Berlin Recycling Volleys spielte.

In der MDR-Dokumentation "Aus der Deckung" äußerte Krzikalla seine große Hoffnung: "Vielleicht wird es den ein oder anderen ermutigen, offener damit umzugehen und kein Versteckspiel mehr zu betreiben." Allein von fünf Handballspielern in der ersten und zweiten Liga wisse er, "die es vielleicht innerhalb der Mannschaft erzählen, aber Angst haben, mit einem Coming-Out ihrer Karriere zu schaden“. Aber die Veränderung müsse "auch von innen kommen, aus dem Sport selbst".

red/sid/swr

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 08. Oktober 2022 | 14:00 Uhr

5 Kommentare

Dynamosteffen53 vor 16 Wochen

Moin....da geb ich Tommes Recht...jeder soll leben wie er will....und lieben wen er mag...da muß nicht so ein Tamm Tamm draus gemacht werden. Sollte heutzutage normal sein. Wir leben alle miteinander. Solange sich niemand belästigt fühlt oder belästigt wird ist doch alles ok. Und diejenigen die sich da queer stellen erreiche ich auch nicht mit nochmehr Fähnchen oder irgendwelchen Regenbogenaktionen. Die fühlen sich dadurch nur noch mehr provoziert nenn ich es mal.
Also....jeder wie er will immer aber mit dem Respekt dem anderen gegenüber das niemandem die Einstellung eines anderen aufgezwängt wird....
Bis denn...

Thommi Tulpe vor 16 Wochen

Andererseits sollte es im 21. Jahrhundert normal sein, seine sexuellen Vorlieben nicht der Öffentlichkeit preisgeben zu müssen, a) weil das niemanden etwas angeht, b) weil es keine "genormten" Menschen, folglich auch vielfältige Sexualität gibt.
Zum Thema habe ich jedoch schon meine Meinung geäußert. Vor ungefähr 50 Jahren erst wurde es in der "alten" Bundesrepublik Frauen gestattet, ohne das Einverständnis ihres Ehemannes einer Arbeit nachzugehen und ein Konto zu eröffnen. Gleichberechtigung hat die Frau in weiten Teilen immer noch nicht - selbst in unserer Gesellschaft nicht. Weil es immer noch "antik" denkende Menschen gibt. Diese Ewig-Gestrigen werden uns in vielerlei Hinsicht sicher noch sehr sehr lange beschäftigen!?

MDR-Team vor 16 Wochen

Hallo Tommes, danke für Ihren Kommentar. Tatsächlich wäre es ja wünschenswert, wenn solch ein Coming Out nichts "Besonderes" mehr wäre und queere Menschen ihre Sexualität genauso offen leben könnten wie die meisten Heterosexuellen es tun. Bis die Gesellschaft jedoch soweit ist, ist die Sichtbarkeit von Menschen aus der LGBTQIA+ Gemeinschaft umso wichtiger. Nur so können sie als Teil der Mitte der Gesellschaft anerkannt werden. Insbesondere im Profisport, wie es Lucas Krzikalla vorlebt, verlangt dies leider jedoch noch immer viel Mut. Viele Grüße die MDR.de-Redaktion