Handball Philipp Weber: Der EM-Regisseur zurück auf der Bundesliga-Bühne

Er gehörte zu den Gewinnern der Handball-EM - Philipp Weber. Im Laufe des Turnieres mauserte er sich zum Regisseur. Am kommenden Sonntag steht schon die nächste Aufgabe mit seinem SC DHfK Leipzig an.

Rückraumspieler Philipp Weber (SC DHfK Leipzig)
Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener

Mit einem versöhnlichen fünften Platz verabschiedete sich die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der EM. Dabei spielte sich ein Leipziger in den Vordergrund: Philipp Weber. Der zu Beginn noch unauffällige 27-jährige Rückraumakteur spielte sich in die Mannschaft und entwickelte sich mehr und mehr zu einer der prägenden Persönlichkeiten des deutschen Spiels. Dabei begann seine Nationalmannschaftskarriere alles andere als rosig.

Aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt

Bereits vor zwei Jahren bei der EM in Kroatien war Weber von Bundestrainer Prokop als Regisseur des deutschen Spiels auserkoren wurden. Dieser Aufgabe konnte der damals 25-jährige allerdings kaum gerecht werden. Er habe sich damals selber hohem Druck ausgesetzt und sei mit hohen Erwartungen in das Turnier gestartet, sagte Weber im Gespräch mit dem MDR. Ein Fehler, den er dieses Mal vermied. "Ich habe gesehen, wenn man sich zu viel Druck macht, wird man meist bitter enttäuscht. Dieses Jahr bin ich zwei Jahre älter und ein bisschen gereifter hingefahren. Ich sehe viele Sachen etwas entspannter als damals", sagte der Rückraumspieler. Vor zwei Jahren sei er "auf die Schnauze geflogen". Deshalb habe er diesmal die Erwartungen niedrig halten wollen.

Ein Schachzug, der Wunder bewirkte. Die EM begann für Weber zwar unspektakulär. Doch schnell entwickelte sich der wendige Tempospieler zur zentralen Figur des deutschen Offensivspiels. Weber wurde zum Regisseur. Beeindruckend dabei seine Torquote. 69 Prozent seiner Abschlüsse fanden den Weg ins gegnerische Tor, 21 Mal traf er und zählt damit zu den erfolgreichsten deutschen Torschützen des Turniers. Eine Leistung, mit der der 1,94 Meter große Recke zufrieden scheint: "Es freut mich für die Mannschaft, dass ich schnell Fuß fassen und in vielen Phasen sehr gut helfen konnte."

 Weber: Man sollte mehr an die Sportler denken

Ein anderes Thema treibt Weber um: die Belastungsintensität im Profihandball. Durch die jährliche Ansetzung eines internationalen Turniers in der Winterpause einer Saison bleibt kaum Zeit zur Regeneration. Eine Gefahr für die Sportler, die mit der Dauerbelastung zu kämpfen haben. Zur sportlichen Belastung gesellen sich Reisestrapazen. Weber habe gespürt, wie sein Körper phasenweise an seine Grenzen gelangt. Die Sportler seien Profis, der Handball ihr Beruf. Dennoch: "Ich glaube nicht, dass es von Vorteil, ist jedes Jahr ein Großturnier zu spielen. Man sollte mehr an die Sportler denken, nicht nur an das große Event und das große Geld. Am Ende halten wir unsere Körper dafür hin. Man sollte mehr Rücksicht nehmen und uns mehr schützen."

Am Sonntag wartet der HC Erlangen

Am kommenden Sonntag steht Weber mit seinem SC DHfK Leipzig wieder auf der Platte. Das letzte EM-Spiel liegt dann gerade acht Tage zurück. Ausruhen konnte er nur drei Tage, ab Donnerstag startete das Mannschaftstraining. Mit dem HC Erlangen wartet eine harte Aufgabe auf die Leipziger. Im Hinterkopf dürfte vielen die schmerzhafte Auswärtsniederlage (22:25) im vergangenen Dezember sein. Weber brennt auf Wiedergutmachung: "Wenn wir unsere Tugenden auf die Platte bringen, mit unseren Zuschauern im Rücken, ist es für jede Mannschaft schwer, bei uns zu gewinnen. Das sollte auch gegen Erlangen unser Ziel sein."

Max Beuthner

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 02. Februar 2020 | 16:30 Uhr

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