Handball | Bundesliga Sachsen Zwickau, Thüringer HC und Halle-Neustadt vor der neuen Bundesliga-Saison

Nach Wochen des Testens, Trainierens und Wechselns geht es ab Mittwoch wieder los: Vor dem Bundesliga-Start werfen wir einen Blick auf die neue Saison im Frauen-Handball und haben dafür befragt: Norman Rentsch vom BSV Sachsen Zwickau, Herbert Müller vom Thüringer HC und Jan-Henning Himborn vom SV Union Halle-Neustadt.

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Am Mittwoch startet die Handball-Bundesliga der Frauen in die neue Saison. Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

BSV Sachsen Zwickau – Norman Rentsch will "nächsten Schritt gehen"

Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt in der vergangenen Saison, der erst in der Relegation perfekt gemacht wurde, geht es für den BSV Sachsen Zwickau in der höchsten deutschen Spielklasse der Frauen in die zweite Saison in Serie. Für das neu formierte Team ist die Bundesliga nach wie vor ein Abenteuer. Vor dem Liga-Eröffnungsspiel gegen den amtierenden Meister SG BBM Bietigheim am Mittwochabend (07.09.) schätzt Cheftrainer Norman Rentsch die Lage der Westsachsen ein:

Norman Rentsch Sachsen Zwickau
Norman Rentsch hofft auf den Klassenerhalt - dieses Mal ohne Relegation. (Archiv) Bildrechte: IMAGO/Eibner

  • Sport im Osten: Wie ist der Stand so kurz vor dem Saisonstart?

Norman Rentsch: "Mannschaftlich sind wir gut zusammengewachsen. Es ist eine homogene Truppe, die natürlich mit der Hälfte der Mannschaft neu besetzt ist. Und es gibt natürlich noch Potenziale im handballerischen Bereich. Da bedarf es noch Zeit."

  • Was haben Sie aus der Vorbereitung mitgenommen?

"Wir können punktuell tollen Handball spielen und auch erfolgreich sein. Nicht umsonst haben wir nach knapp 20 Minuten gegen den THC drei Tore herausgeworfen und sind dann auch nach Rückstand wieder stark herangekommen. Es steckt eine gute Moral in der Mannschaft, aber wir müssen die Leistungen konstant auf die Platte bekommen. Jede Spielerin muss ihre ein, zwei Stärken kennen und diese konstant anwenden. Das ist ein Prozess.

Uns muss klar sein, dass man ein Spiel in fünf schlechten Minuten verlieren kann. Man kann aber auch versuchen, aus den schlechten Minuten bestmöglich herauszukommen. Wir dürfen nicht hektisch werden und müssen noch mehr Ruhe reinbekommen."

  • Unterschiede im Vergleich zum letzten Jahr?

"Wir haben mehr Erfahrung und wissen jetzt, dass enormer Tempohandball in der ersten Liga gespielt wird. Jeder Fehler wird gnadenlos bestraft. In der Abwehr stehen wir schon nicht so schlecht. Vorne müssen wir aber noch konsequenter sein."

  • Wünsche für die Saison?

"Ich würde mir wünschen, dass wir uns handballerisch weiterentwickeln und mehr Tempo reinkriegen. Es wird wahrscheinlich wieder bis zum letzten Spieltag gehen, aber es wäre schön, wenn wir es dieses Jahr ohne Relegation lösen. Wir wollen den nächsten Schritt gehen. Dafür kämpfen wir."

  • Realistisches Ziel?

"Es ist unser Ziel, in der Liga zu bleiben. Das Potenzial ist in der Mannschaft, aber es wird hart."

  • Lage der Liga - Wer sind die Favoriten?

"Dortmund, der THC und Bietigheim werden sicherlich auf dem Treppchen stehen. Vor allem Bietigheim hat so eine enorme Qualität. Die haben 54 Spiele in Folge gewonnen und den Weg werden sie weitergehen.

Die untere Tabellenhälfte wird vermutlich dichter zusammenrücken. Ich kann mir vorstellen, dass Mannschaften auswärts mal Punkte lassen, die sie sicher eingeplant haben."

Thüringer HC – Herbert Müller setzt auf das "THC-Gen"

Herbert Müller hat den THC im Jahr 2010 übernommen. Der Trainer, der am vergangenen Wochenende seinen 60. Geburtstag feierte, geht also in sein 13. Jahr bei den Thüringerinnen. Erfolge gab es in der Zeit viele, der letzte von insgesamt sieben Meistertiteln liegt allerdings auch schon wieder vier Jahre zurück. Seitdem sind Borussia Dortmund und vor allem die SG BBM Bietigheim am Drücker. Ob der THC das Kräfteverhältnis aus seiner Sicht wieder offener gestalten kann, hat Müller "Sport im Osten" im Interview verraten:

Trainer Herbert Müller
Herbert Müller peilt mit seinem neu-formierten Team Platz drei an. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Kruczynski

  • Sport im Osten: Wie ist der Stand so kurz vor dem Saisonstart?

Herbert Müller: "Wir hatten eine anständige Vorbereitung. Die Mannschaft hat hart gearbeitet und auch abseits der Halle schnell zusammengefunden. Alle verstehen sich gut und geben alles, um die Automatismen aufs Parkett zu bekommen. Aber bei neun neuen Spielerinnen braucht man Zeit und Geduld."

  • Was haben Sie aus der Vorbereitung mitgenommen?

"Insgesamt konnten wir unser Programm fast zu 100 Prozent so absolvieren, wie ich es wollte. Die Mädels haben ihre Hausaufgaben, die sie von mir vor der eigentlichen Vorbereitung bekommen haben, erledigt. Wir konnten den athletischen Bereich gut gestalten, technisch-taktisch braucht es noch Zeit, um die Automatismen zu verinnerlichen. Aber alle geben sich viel Mühe, das zu schaffen. Die beiden Turniersiege in Most und Lubin mit starken Mannschaften waren natürlich auch sehr gut."

  • Unterschiede im Vergleich zum letzten Jahr?

"Wir haben uns taktisch verändert. Zum ersten Mal habe ich mir mehr Impulse aus dem Männerhandball geholt, weil Athletik und Dynamik auch bei den Frauen immer weiter voranschreiten und das Spiel insgesamt schneller wird. Außerdem ist die Mentalität in diesem Jahr anders. Die Mannschaft fightet und ist gewillt, alles zu geben. Die Spielerinnen bringen das THC-Gen mit."  

  • Wünsche für die Saison?

"Ich möchte die Mannschaft weiterentwickeln, sie schnell zu einer Einheit formen und ihr das nötige Selbstbewusstsein einflößen, um erfolgreich zu sein. Außerdem hoffe ich, dass wir weitgehend verletzungsfrei bleiben, weil unser Kader mit 15 Spielerinnen nicht sehr breit aufgestellt ist. Mit unserer Spielweise wollen wir die Fans begeistern und die Halle vollkriegen."

  • Realistisches Ziel?

"Platz drei wollen wir erreichen."

  • Lage der Liga - Wer sind die Favoriten?

"Bietigheim spielt in einer anderen Welt. Sie werden verlustfrei bleiben und die Titel in Deutschland holen. Auch in der Champions League werden sie weit kommen. Danach sehe ich Dortmund, die finanziell wie Bietigheim ganz andere Möglichkeiten haben als die anderen Teams. Für Halle und Zwickau hoffe ich, dass sie eine gute Rolle spielen. Mir sind die kurzen Wege dorthin lieber als weite Fahrten."

SV Union Halle-Neustadt – Jan-Henning Himborn erwartet Anlaufschwierigkeiten

Die Wildcats gehen mit gemischten Gefühlen in die neue Saison. Man hat zwar das letzte offizielle Testspiel vor dem Liga-Start am gewonnen, nach dem 29:24 gegen den Zweitligisten HC Leipzig gibt es trotzdem noch einige Sorgen - allen voran die Personaldecke, die durch großes Verletzungspech sehr dünn geworden ist. Wie gehen die Wildcats in die Saison? Sportdirektor Jan-Henning Himborn gibt Auskunft:

Jan-Henning Himborn (Sportlicher Leiter, SV Union Halle)
Um das Top-Level zu erreichen, wird es nach Angaben von Sportdirektor Himborn noch dauern. (Archiv) Bildrechte: imago images / VIADATA

  • Sport im Osten: Wie ist der Stand so kurz vor dem Saisonstart?

Jan-Henning Himborn: "Die Vorbereitung war nicht leicht aufgrund der Verletzungen und Blessuren. Wir konnten nie in voller Mannschaftsstärke trainieren, was es extrem schwer macht, eine eingespielte Truppe in die Liga zu schicken. Da werden wir sicher noch eine Weile brauchen. Das erste Spiel gegen Dortmund kommt uns aber gelegen, weil wir da nichts zu verlieren haben. Wir sind nicht bei 100 Prozent und werden sicher noch eine Weile brauchen, um auf Top-Level zu kommen."

  • Was haben Sie aus der Vorbereitung mitgenommen?

"Charakterlich haben wir eine gute Mannschaft und eine klare Einheit. Man muss natürlich sehen, wie wir die Abgänge der beiden Kapitäninnen kompensieren werden, aber die Atmosphäre in der Mannschaft stimmt. Trotzdem sind wir nicht auf dem Stand, auf dem wir sein wollen. Aber das liegt an der Situation mit den verletzten und angeschlagenen Spielerinnen."

  • Unterschiede im Vergleich zum letzten Jahr?

"Im vergangenen Jahr hatten wir auch keine gute Vorbereitung und wussten nicht genau, wo wir vor dem Saisonstart stehen. Dann kam aber das vielleicht überraschend starke Spiel gegen Zwickau zum Auftakt. Das wird in dieser Saison mit dem ersten Spiel gegen Dortmund natürlich schwieriger. Aber generell sind die Erwartungen nach der vergangenen Saison, als wir Achter waren, gestiegen. Das ist ganz klar."

  • Wünsche für die Saison?

"Ich wünsche mir viele Zuschauer in den Hallen, kaum Spielverlegungen und dass sich die angespannte Situation aus den vergangenen Jahren insgesamt entspannt. Und ich hoffe, dass meine Spielerinnen verletzungsfrei durch die Saison kommen. Wenn uns das gelingt, und wir die Zuschauer mit unserer Spielweise begeistern, wird es eine erfolgreiche Saison."

  • Realistisches Ziel?

"Ein einstelliger Tabellenplatz wäre schon gut. Vier Mannschaften hinter uns zu lassen, ist das Minimalziel."

  • Lage der Liga - Wer sind die Favoriten, wer könnte Probleme bekommen?

"Platz eins geht sicher an Bietigheim. Dahinter kommen dann Dortmund, der THC und Neckarsulm. Zwickau und Waiblingen werden es wahrscheinlich schwer haben. Aber auch andere können schnell unten reinrutschen, weil es hinter den ersten vier Teams sehr ausgeglichen ist."

(ten)

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 07. September 2022 | 21:45 Uhr

1 Kommentar

SGDHarzer66 vor 21 Wochen

Allen drei Vereinen maximale Erfolge!