Handball | 1. Bundesliga "SC DHfK"-Saisonfazit - Haber mit einem besseren Gespür in der Rückrunde

Nach 10:24 Punkten bis Mitte Dezember hat der SC DHfK Leipzig noch die Kurve bekommen. In der Bundesliga-Rückrunde war die Punkteausbeute mit 17:17 ausgeglichen. Nach der vierten Spielzeit im Handball-Oberhaus in Folge zieht Cheftrainer André Haber im Interview ein Fazit.

von Maria Köhler

André Haber
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André Haber, Tabellenrang 11, 27:41 Punkte - was war das für eine Saison?

André Haber: "Für uns war es eine Saison, in der wir viel Lehrgeld bezahlt haben, in der wir aber letztendlich auch gewachsen sind. Wir hatten über Wochen hinweg viel zu wenige Punkte. Wir hatten aber unsere bisher beste Rückrunde in der ersten Bundesliga. In der Summe war das leicht durchwachsen. Ich freue mich, dass der Trend in die richtige Richtung zeigt. Was man mitnehmen kann, ist das wir ganz viel gelernt haben - über uns selber. Wie wir mit Situationen umgehen, wenn es mal nicht läuft."

Was macht das Team jetzt anders, wenn es nicht so läuft?

"Es geht um die mentale Stärke. Das spielt eine Rolle. Die kann man sich über Erfolgserlebnisse erarbeiten. Ganz viele Spiele gingen in der Schlussphase gegen uns aus. Wir wollten nicht ständig an die Hinrunde erinnern. Wir haben uns damit nicht mehr beschäftigt und wieder Spiele gewonnen, auch knappe Spiele. Das war das Zünglein an der Waage."

Jubel bei Trainer Andre Haber (DHfK Leipzig) und dem Team auf der Bank.
André Haber und sein Team jubeln beim Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen Bildrechte: imago images / Beautiful Sports

Welche Highlights bleiben in Erinnerung? Der Sieg zum Saisonfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen?

"Ja, das war auf jeden Fall ein Highlight, auch weil es ein Heimsieg war. Es gab viele Emotionen, denn wir haben Spieler verabschiedet, die total verdiente Spielzeiten bei uns hatten. Es ist schön für die Spieler, wenn man so einen Abschied zu Hause haben kann. Außerdem war es unser erster Sieg überhaupt gegen die Rhein-Neckar Löwen."

Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass nur Ludwigshafen weniger Tempogegenstöße hatte. War vor allem die Abwehr das Problem?

"Die Statistik habe ich auch gesehen. Damit ist die erste Welle gemeint. Aber es gibt auch Tempotore mit der zweiten Welle. Auch über die schnelle Mitte geht das. Da sind wir nicht so schlecht. Trotzdem ist das ein Punkt, den wir intensivieren wollen. Da ist der SC Magdeburg ein absolutes Vorbild. Wir wollen uns da verbessern."

Der SC DHfK Leipzig in der Handball-Bundesliga – Fiberkurve
Bildrechte: MDR.DE/imago

Zudem fällt auf, dass es auswärts nur drei Siege (in Bietigheim, Stuttgart und Minden) und ein Unentschieden (bei den Rhein-Neckar Löwen) gab. Zufall?

"Zufall ist das mit Sicherheit nicht. Aber erst einmal ist das ein Lob an unsere Halle. Es wird oft gesagt, aber man kann es nur betonen: Ein Sieg wie gegen die Rhein-Neckar Löwen geht nur mit so einer Energieleistung, nur mit einem Publikum, das hinter uns steht. Die Fans haben ein gutes Gespür. Ich habe die Leute manchmal schon in der 20. Minute aufstehen sehen. Die Zuschauer sind für uns eine Macht. Es fällt uns leichter, zu Hause aufzutreten."

Milos Putera
Milos Putera und SC-DHfK-Fans nach dem Heimspiel gegen Gummersbach (28:18). Bildrechte: imago images / Picture Point LE

Leipzig liegt in der Zuschauertabelle auf Rang neun. Im Schnitt kamen pro Heimspiel 4.311 Zuschauer (Vorjahr 4.200).

"Wir hatten im Vergleich zu den Vorjahren die schwächste Punkte-Ausbeute. Dass die Leute trotzdem in die Arena strömen, gibt mir ein gutes Gefühl. Sie kommen in guten wie in schlechten Zeiten. Auch in so einem wichtigen Spiel wie gegen Gummersbach waren viele Leute da. Das war großartig."

Einer, der bald nicht mehr ganz so oft da ist, ist Stefan Kretzschmar. Laut Geschäftsführer Karsten Günther war er ein wichtiges Puzzleteil für den Erfolg. Nun zieht sich "Kretzsche" aus dem Aufsichtsrat zurück. Welche Bedeutung hatte er für Sie?

"Wir haben uns regelmäßig über Sportliches unterhalten. Das geht aber auch in Zukunft. Das ist eine Sache, die schade ist, weil wir Sachen offen und ehrlich diskutieren konnten. Ich sage gern 'danke' und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft."

Stefan Kretzschmar
Stefan Kretzschmar (Archiv) Bildrechte: imago/Picture Point LE

Wie haben Sie sich selbst entwickelt?

"Ich glaube, das passiert in der Nachschau. Ich werde mich erholen und dann werden ein paar Sachen klarer. Ich denke, dass ich in der Saison gewachsen bin und viel aus der Mannschaft aufgesaugt habe. Ich habe ein besseres Gespür bekommen, was die Mannschaft braucht, wenn es nicht so gut läuft. Ich möchte mich bei den Jungs bedanken, wie wir die Rückrunde bestritten haben. Wir haben nicht aufgehört, als der Klassenerhalt feststand. Die Jungs haben weiter durchgezogen, auch im Training. Dickes Lob an meine Mannschaft. Auch die Geschäftsstelle, die Geschäftsführung, der Verein und mein Staff verdienen ein großes Lob. Diese schwierige Phase und wie wir damit umgegangen sind, haben uns zusammengeschweißt."

Da Sie nicht mehr Junioren-Bundestrainer sind, haben Sie sogar Zeit für eine kleine Handball-Pause. Gönnen Sie sich eine Belohnung?

"Ja, ich fahre in den Urlaub. Jetzt brauche ich ein bisschen Abstand. Es geht ans Mittelmeer."

Vielen Dank für das Gespräch.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 10. Juni 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2019, 17:13 Uhr

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