Handball | Bundesliga SC Magdeburg: Wiegerts Vision wird Wirklichkeit

31:26-Sieg gegen Balingen-Weilstetten: Der SC Magdeburg verwandelt den ersten Matchball und ist nach 21 Jahren wieder deutscher Meister. Die zweite gesamtdeutsche Meisterschaft ist die logische Konsequenz harter Arbeit - und zum großen Teil der Verdienst von Trainer Bennet Wiegert.

SCM jubelt 4 min
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Do 02.06.2022 23:32Uhr 03:30 min

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Als der SC Magdeburg 2001 die Meisterschale in die Höhe streckte, stand auch ein gewisser Bennet Wiegert in der Jubeltraube. Als damals 19-jähriger Spieler war er Teil der Erfolgsmannschaft, um Topstars wie Olafur Stefansson, Stefan Kretzschmar oder Joel Abati, die sich unter Trainer Alfred Gislason zum Deutschen Meister kürte.

21 Jahre später schließt sich der Kreis. Nach dem 31:26 (15:15 -Sieg gegen Balingen-Weilstätten am Donnerstagabend (02.06.2022), der am zweiten Meistertitel des SCM im wiedervereinigten Deutschland auch rechnerisch die letzten Zweifel beseitigte, fand sich Wiegert erneut inmitten einer Jubeltraube wieder - dieses Mal als Trainer, dessen Arbeit der vergangenen Jahre die verdienten Früchte trägt.

Wiegert: "Dafür habe ich jeden Tag gearbeitet"

"Der Gedanke an die Meisterschaft hat mich immer getrieben. Dafür habe ich jeden Tag gearbeitet", sagte der 40-Jährige Wiegert: "Als Spieler habe ich es nicht so wahrgenommen, jetzt fühlt es sich intensiver an. Es ist fantastisch."

Bennet Wiegert (SC Magdeburg) 2 min
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Do 02.06.2022 21:40Uhr 02:03 min

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Rückraum-Ass Weber: "Da bekomme ich Gänsehaut"

"Schon wenn ich das ausspreche: 'Deutscher Meister' - bekomme ich Gänsehaut. Wir werden eine der größten Magdeburger Partys feiern, die es jemals gab", ergänzte Philipp Weber, der erst vor der Saison nach Magdeburg gewechselt war und gleich in seinem ersten Jahr an der Elbe den großen Triumph feiern konnte.

SC Magdeburg rauscht durch die Bundesliga

Dass die Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr nach Magdeburg geht, hat niemanden mehr wirklich überrascht. Zu konstant agierten die "Grün-Roten", was die Zahlen eindrücklich belegen: Seit dem 4. Spieltag thronte die Mannschaft auf Platz eins. Die ersten 17 Spiele wurden allesamt gewonnen. Erst kurz vor Neujahr durchbrach die SG Flensburg-Handewitt die Dominanz des SCM - es sollte eine von nur zwei Bundesliga-Niederlagen auf dem Weg zum Meistertitel werden.

Schon zum Ausklang des vergangenen Jahres waren sich die Konkurrenten aus Kiel, Flensburg und Berlin einig: Die Meisterschaft führt in diesem Jahr nur über Magdeburg. Auch Nationaltrainer Gislason kam 20 Jahre nach seinen Erfolgen als SCM-Trainer aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Doch neben den zweifelsohne herausragenden Leistungen auf der Platte ebneten auch andere Aspekte den Weg zum zweiten Titel: Demut, Fleiß, eine clevere Transferpolitik sowie der Rückhalt einer ganzen Stadt.

Wiegert geht als Antreiber voran

Schon früh musste der SCM die Bürde des Titelanwärters stemmen. Doch anstatt sich auf den Lobeshymnen auszuruhen, die zu einem großen Teil auch ihm galten, hielt Wiegert seine Mannschaft auf dem Boden. Wieder und wieder schwor er sein Team ein. Gebetsmühlenartig sprach der 40-Jährige immer nur vom nächsten Spiel. In jeder Partie peitschte der gebürtige Magdeburger seine Schützlinge über 60 Minuten in den Hallen von Flensburg bis Balingen-Weilstetten nach vorne und sah das Ziel von Spieltag zu Spieltag näherkommen.

Die Spieler im Freudentaumel 2 min
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Die Konstanz, die der SCM in der Bundesliga an den Tag legte, ging nahtlos in andere Wettbewerbe über. Noch bis in den April hinein durfte in Magdeburg vom Quadrupel, bestehend aus der bereits im Oktober errungenen Klub-Weltmeisterschaft sowie den Titeln im DHB-Pokal, der European League und der Bundesliga, geträumt werden. Dabei markierte vor allem der Gewinn bei der Klub-WM den Startschuss für die Dominanz des SCM in der Liga. Man habe sich seitdem in einen "Flow" gespielt, meinte Magdeburgs Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt und bezeichnete den Auftritt im Finale gegen Barcelona als "Schlüsselspiel".

Wiegert selbst blieb im Moment des großen Triumphes bescheiden, die "Meistertrainer"-Rufe der Anhänger reichte er direkt weiter: "Ich glaube, dass ist eine Meistermannschaft, die braucht keinen Meistertrainer. Das Team hat Meisterliches geleistet. Ich freue mich so, dass sie sich endlich belohnen konnten."

SCM geht aus Niederlagen gestärkt hervor

Am Ende sind es zwar "nur" zwei von vier Trophäen geworden, die Art und Weise Niederlagen zu verdauen und überdies Nützliches aus ihnen zu ziehen, war aber eine der großen Stärken in dieser Saison. So fand der SCM nach der verdienten Niederlage im Finale des DHB-Pokals gegen den THW Kiel sofort zurück in die Spur.

Auch in der European League blieb die Konzentration - trotz Meisterschafts-Endspurt - bis zum Schluss hoch. Die geplatzte Titelverteidigung nach einem Herzschlagfinale gegen Lissabon stieß den Spielern und Vereinsverantwortlichen zwar bitter auf, die angestaute Wut konnte aber erfolgreich kanalisiert und in einen erneut souveränen Auftritt gegen Balingen-Weilstetten umgemünzt werden.

Wiegert: "Es wird enger werden an der Spitze"

Doch was kommt nach der Meisterschaft? Haben sich die Grenzen im deutschen Handball durch Magdeburgs Titelgewinn verschoben? Mitnichten, meint Wiegert. "Kiel und Flensburg werden oben immer dabei sein. Doch es wird enger werden an der Spitze, die Liga wird immer ausgeglichener." Von einem "One-Hit-Wonder" will er dennoch nichts wissen. "Mein Job ist es, dass wir die nächsten Jahre dranbleiben. Wir wecken mit unseren aktuellen Leistungen nicht bloß in Magdeburg Erwartungen, denen wir gerecht werden wollen."

Die Erwartungen an sich und seine Person konnte Wiegert in den vergangenen sechseinhalb Jahren als Trainer des SCM mehr als erfüllen. Und obendrein hat der Architekt des Erfolgs Begehrlichkeiten geweckt. Erste Stimmen wurden bereits laut, die Wiegert als Nachfolger von Bundestrainer Gislason ins Spiel bringen. Man wisse zwar nicht, "was die Zukunft bringt", dennoch kommt ein Abschied für das Herz und Hirn des SCM derzeit nicht in Frage. "Ich habe Visionen mit dem SC Magdeburg und nicht mit dem DHB", stellte Wiegert klar. Fest steht: Die erste Vision ist am 2. Juni 2022 Wirklichkeit geworden.

Jonas Schlott

SCM jubelt 2 min
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Stephanie Müller-Spirra im Gespräch mit Philipp Weber 5 min
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Mannschaft des SC Magdeburg im offenen Doppeldeckerbus bei der Ankunft von tausenden Fans umgeben.
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 03. Juni 2022 | 17:45 Uhr

3 Kommentare

Gohlis vor 10 Wochen

Erst einmal herzlichen Glückwunsch an den SC Magdeburg. Dieser traditionsreiche Standort, wo schon seit den 1920ern wettkampfmäßig erst Feld- dann Hallenhandball gespielt wird, hat es absolut verdient. Erst recht, wenn man die geduldige, langfristige Aufbauarbeit nach der Hildebrandt-Krise im Jahre 2007 bedenkt. Was ich nicht gut finde ist, wenn selbst der mdr (als "einheimischer Sender") vom zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte schreibt. Nein, es ist der 13.Meistertitel seit 1967. Keinem westdeutschen Verein würden die Medien die im geteilten Deutschland erreichten Titel streichen! Passiert auch bei anderen Ostvereinen häufig. Deutschland im Jahre 32 nach der deutschen Einheit - traurig sowas.

FuWoMD vor 9 Wochen

Ja, das stimmt! Schade, dass der MDR auch die alten Meisterschaften unterschlägt…

MiSt vor 10 Wochen

Gut gesprochen!