Handball | Bundesliga Trotz Niederlage gegen Kiel: SC Magdeburg stolz auf "außergewöhnliches" Comeback

In einem dramatischen Spiel gegen den THW Kiel kassiert der SC Magdeburg seine zweite Saisonniederlage. Für SCM-Trainer Bennet Wiegert kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Der Stolz über die Charakterstärke seiner Mannschaft überwog an diesem Abend.

Bennet Wiegert rang für einen Moment nach den Worten. "Es ist schwer, ein Fazit zu ziehen", erklärte der emotionale angefasste Trainer des SC Magdeburg nach einem bis zur Schlusssirene packenden Duell gegen den THW Kiel, das der amtierende Deutsche Meister vor der Kulisse von 6.600 frenetischen Zuschauern soeben denkbar knapp mit 33:34 (12:15) verloren hatte. "Wir wollen die Leute zum Wiederkommen überreden und das heißt, dass wir gewinnen und sie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Ich weiß nicht, wie gut die Gefühlslage der Zuschauer ist, meine ist nicht so gut", meinte Wiegert im Anschluss auf der Pressekonferenz nachdenklich.

Torwurf Nikola Bilyk Kiel, 53 1 min
Bildrechte: IMAGO/Franziska Gora/Jan Huebner

Wiegert zufrieden, "aber bei Kiel läuft es halt noch besser"

Dabei hatte der Magdeburger Erfolgscoach seiner Mannschaft eigentlich wenig vorzuwerfen. "In der ersten Halbzeit ist mein Statistiktablet im grünen Bereich, weil es in der Angriffseffektivität mit 70 Prozent eigentlich gut läuft - aber bei Kiel läuft es halt noch besser", analysierte Wiegert. Knackpunkt waren "zehn wirklich nicht gute Minuten" in der zweiten Hälfte, als Kiel zwischenzeitlich mit acht Treffern in Führung ging und so den Grundstein für den Erfolg legte.

Wie wir uns zurückkämpfen ist außergewöhnlich. Charaktertest bestanden

Bennet Wiegert, Trainer SC Magdeburg

Dass sein Team in den letzten 20 Minuten eine kaum noch für möglich gehaltene Aufholjagd hinlegte und diese kurz vor Schluss sogar noch mit dem Ausgleich hätte belohnen können, machte den 40-Jährigen stolz. "Wie wir uns zurückkämpfen ist außergewöhnlich. Charaktertest bestanden", sagte Wiegert und hob den Saisonbestwert von 19 Tempospieltoren hervor. "Es ist nicht alles schlecht gewesen. Aber zum Schluss steht auf dem Scoreboard ein Tor mehr für Kiel. Und das ist dann die Wahrheit."

SCM auf Rang vier mit zwei Spielen in der Hinterhand

Torwurf Nikola Bilyk Kiel, 53
Zum vierten Mal in Folge ging der SC Magdeburg gegen den THW Kiel am Samstag als Verlierer von der Platte. Bildrechte: IMAGO/Franziska Gora/Jan Huebner

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der SCM wettbewerbsübergreifend bereits zum vierten Mal in Folge gegen den THW den Kürzeren zog. Nach der zweiten Saisonniederlage verpasste es der Klubweltmeister zudem, Druck auf die Spitze auszuüben. Magdeburg steht nun mit 17:5 Punkten auf dem fünften Platz, nachdem die SG Flensburg-Handewitt ihre Partie am Sonntag gewann und vorbeigezogen ist. Kiel rangiert auf Rang zwei. Vorentscheidend ist die Niederlage im Kampf um die Meisterschaft aber nicht. Das hatte Wiegert bereits vor dem Spitzenspiel mantraartig betont - auch weil der SCM nach wie vor zwei Spiele in der Hinterhand hat.

Wegweisende Wochen bis zum Jahresende

Dennoch steigt der Druck in den kommenden Wochen. Bis zum Jahresende stehen für den SCM noch zehn Partien an. Darunter vier wegweisende Gruppenspiele in der Champions League und das nächste Bundesliga-Topduell gegen Tabellenführer Füchse Berlin am 11. Dezember. Gelingt den Magdeburgern ein ähnlich starker Endspurt wie im vergangenen Jahr, als man erst am 2. Weihnachtstag gegen Flensburg-Handewitt erstmals in der Saison als Verlierer von der Platte ging, dürfte auch Wiegerts Gefühlslage wieder anders aussehen. Die Einstellung stimmt in jedem Fall. Das hat der fantastische Handball-Abend gegen Kiel einmal mehr gezeigt.

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jsc

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 20. November 2022 | 19:30 Uhr

1 Kommentar

Gohlis vor 10 Wochen

Das knappe Ergebnis täuscht über den Spielverlauf hinweg. Bei aller Anerkennung der kämpferischen Leistung hat man grundsätzliche Defizite gesehen und das Trainerteam hat es zum vierten Mal nicht geschafft, Lösungen gegen Kiel zu finden. Bei allen Erfolgen der letzten Zeit, sollte doch das Ziel sein, NACHHALTIG zu Mannschaften wie Kiel aufzuschließen. Wiegerts System wird mittlerweile von vielen Teams dechiffriert und die körperlichen Defizite (zu kleine Spieler im Kader, siehe Innenblock) und das Fehlen von ein, zwei Shootern für die "einfachen" Tore hat Kiel einmal mehr offen gelegt, Ich hoffe, man redet sich das nicht schön.