Handball | Bundesliga So reagieren Politik und Vereine auf die Wutrede von DHfK-Chef Günther

Ausgereifte Konzepte, eine Inzidenz unter 50, aber dennoch keine Zuschauer: Dem Geschäftsführer des SC DHfK Leipzig, Karsten Günther, platzte deshalb vor dem Spiel am Donnerstag gegen den HC Erlangen (19 Uhr im Ticker in der SpiO-App) der Kragen. Wie geht's anderen mitteldeutschen Vereinen? "Sport im Osten" hörte sich um.

Der Frust saß tief bei Karsten Günther. Monatelang hatte der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig an Modellprojekten, die vom Verein initiiert wurden und viel Geld kosteten, mitgearbeitet. Jetzt, wo die Inzidenz sinkt, viele Menschen geimpft oder genesen sind, müsste es doch mit der Zuschauer-Rückkehr losgehen. Pustekuchen! Gegen den HC Erlangen werden definitiv keine Zuschauer in der Arena sein. 

In der sächsische Corona-Schutzverordnung, in der laut Paragraph 18 Zuschauer in Kulturstätten, Konzertveranstaltungsorte und ähnlichen Einrichtungen erlaubt sind, wenn die Inzidenz unter 100 liege, tauchen Regelungen für Sporteinrichtungen einfach nicht auf.

Stadtsprecher: "Vereinen wird Perspektive genommen"

Leipzigs Stadtsprecher Matthias Hasberg
Leipzigs Stadtsprecher Matthias Hasberg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das ist auch für Leipzigs Stadtsprecher Matthias Hasberg nicht nachzuvollziehen. "Es ist ärgerlich, dass der Freistaat den Punkt Zuschauer im Sport nicht beachtet hat. Damit wird den Vereinen die Perspektive genommen", so Hasberg auf "Sport-im-Osten"-Anfrage. Die Stadt habe darauf keinen Einfluss. Auch nicht auf das Go für das Pilotprojekt, das vor Wochen u.a. vom SC DHfK Leipzig und RB Leipzig initiiert wurde. Die Freigabe dafür muss der Freistaat erteilen, so Hasberg. Bis heute ist das nicht erfolgt.

Beim SC Magdeburg ist die Lage anders

So darf laut Verordnung in einer Halle gesungen, aber kein Handball gespielt werden. Das ist in Magdeburg anders. Dort untersagt die Verordnung generell Zuschauer. "In Magdeburg findet gar nichts statt", erklärte SCM-Manager Marc-Henrik Schmedt, der Günthers Enttäuschung insofern nachvollziehen kann, dass der SC DHfK Leipzig damit "augenscheinlich schlechter gestellt ist, als wir".

Marc-Henrik Schmedt
SCM-Manager Marc-Henrik Schmedt hofft auf Zuschauer im Juni. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Während Günther ohne Namen zu nennen, indirekt auch die langsam mahlenden Mühlen der Behörden anprangerte, kann sich Schmedt über die Kooperation mit Stadt und Land nicht beschweren. Die Zusammenarbeit funktioniert hier gut, erklärt er. Man habe Hoffnung, dass die drei Heimspiele im Juni vor Zuschauern stattfinden können. Ein entsprechendes Konzept und ein Antrag auf eine Rückkehr von Zuschauern werde von der Stadt Magdeburg unterstützt und liege dem Innenministerium vor. Mit Blick auf den Start der neuen Saison, die am zweiten September-Wochenende beginnt, "ist es umso wichtiger, dass wir jetzt ans Laufen kommen", so Schmedt. Jetzt könne geschaut werden, ob die Systematik funktioniere.

THC-Trainer Müller: "Hätten es locker in den Griff bekommen"

Herbert Müller (Thueringer HC, Cheftrainer) mit Krücken am Spielfeldrand
Herbert Müller ist sich sicher: "Wir hätten das in den Griff bekommen." Bildrechte: imago images / Eibner

Herbert Müller, Trainer des Thüringer HC, steht zu 100 Prozent zu dem, was Karsten Günther anprangerte: „Ich kann es voll und ganz nachvollziehen. Wir haben sehr gute Konzepte und hatten nur Probleme mit positiven Fällen, wenn es um internationale Spiele ging. Der THC weiß bereits, dass er seine beiden letzten Heimspiele ohne Zuschauer bestreiten muss. Das steht fest und ärgert Müller: „Ich hätte mir gewünscht, dass Fans in die Halle dürfen. Wir hätten Danke sagen können, an alle die ausgeharrt und sich mit der medialen Berichterstattung begnügt haben. Ich bin mir sicher, dass wir es locker in den Griff bekommen hätten."

MBC-Chef Geissler: "Zuschauer sind existenznotwendig"

Die Saison der Mitteldeutschen Basketballer ist bereits Geschichte, die Günther-Rede ist aber auch MBC-Chef Martin Geissler nicht vorbeigegangen: "Wir haben alle die Hoffnung, dass es wieder losgeht und wenn dann der Sport außen vor ist, kann ich absolut nachvollziehen, was Karsten sagt", so Geissler. Auf der anderen Seite müsse man aber auch sagen, dass wir unsere komplette Saison mit strengen Maßnahmen zum Glück durchziehen konnten.

Martin Geissler sichtlich erleichtert und freudig nach dem Spiel mit Fans waehrend der Begegnung in der 1. Bundesliga (Herren).
Bild aus vergangenen Zeiten: Martin Geissler klatscht mit den Fans ab und sagt: "Es ist existenznotwendig, dass Zuschauer in die Halle dürfen." Bildrechte: imago images / Hartmut Bösener

Geissler macht sich eher Sorgen um die neue Spielzeit. "Jetzt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen, gibt es aber keine Perspektive mit Zuschauern in der Halle, wird es verdammt schwer, den Profisport auf diesem Niveau zu halten. Es ist existenznotwendig, dass Zuschauer in die Halle dürfen." Der MBC durfte in dieser Saison in zwei von 20 Spielen Zuschauer begrüßen und zahlt den Dauerkartenbesitzern gerade das Geld zurück. Den neuen Verkauf hat man noch nicht begonnen…

Corona-Nothilfen für Zuschauerausfälle

Eine größere Pleitewelle der Profivereine verhinderten Corona-Hilfen vom Bund. Diese konnten für 2020 und 2021 beantragt werden. Laut dem Bundesministerium des Innern (BMI) galten die Einnahmen von 2019 als Berechnungsgrundlage. Heißt: Hatte der Verein beispielsweise 2019 100.000 Euro Einnahmen und 2021 null Einnahmen, dann gab es vom Bund 90 Prozent der Differenz als Hilfe. Bedeutet in dieser Modellrechnung: 90.000 Euro. Sollten 2021 doch noch Einnahmen folgen, muss die Summe zurückgezahlt werden. Die Obergrenze, die ein Verein erhalten kann, liegt bei 1,8 Millionen Euro und ist an Bedingungen geknüpft.

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Philipp Weber
Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. Mai 2021 | 17:45 Uhr

1 Kommentar

ZP-HB64 vor 17 Wochen

Und die Politiker? Die interessiert es nicht. Die Armen haben sich gerade in Sachsen ihre Diäten erhöht. Nach den vielen Nullrunden ist ja auch viel wichtiger.