Marc Esche ( 43, SC DHfK Leipzig)
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Handball | 1. Bundesliga Wird der SC DHfK zum Überraschungsteam der Saison?

Teamcheck

Die vergangene Spielzeit lief für den SC DHfK Leipzig sehr holprig, danach verstärkte man sich mit namhaften Zugängen. Wenn alles passt, könnten die Sachsen in der kommenden Saison schon nach Europa schielen.

Marc Esche ( 43, SC DHfK Leipzig)
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So lief die vergangene Saison

Nach dem Aufstieg in die Bundesliga 2015 war es für den SC DHfK bisher immer nach oben gegangen. In der vergangenen Saison erlebten die Leipziger dann die erste größere Delle in der Entwicklungskurve. Lange stand man in der Tabelle auf Platz 15 (siehe Grafik) und spielte gegen den Abstieg, der letztlich erst durch das 28:22 gegen die Eulen Ludwigshafen am 28. Spieltag gebannt war. Zum Saisonende konnten sich die "Grün-Weißen" noch sukzessive nach oben arbeiten und erreichten durch den ersten Erfolg gegen die Rhein-Neckar Löwen überhaupt Rang elf im Endklassement.

Fieberkurve DHfK
Die Fieberkurve zeigt's: Der SC DHfK krebste in der vergangenen Spielzeit lange im Tabellenkeller herum und konnte sich erst am Saisonende nach oben arbeiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Grund für die schwierige Spielzeit waren sicher auch die Querelen auf der Trainerposition. Nachdem der langjährige DHfK-Übungsleiter Christian Prokop nach der Saison 2016/17 Richtung Bundestrainerposten gewechselt war, sollte der erfahrene Michael Biegler ab dem 1. Januar 2018 übernehmen - der bisherige Co-Trainer André Haber wurde zwischenzeitlich Chefcoach. Schon in der Rückrunde 2017/18 zeigte dann die Formkurve unter Biegler nach unten, was sich auch zu Beginn der abgelaufen Saison fortsetzte. Erst nahm Biegler aus Krankheitsgründen eine Auszeit, dann wurde der Vertrag mit dem früheren Frauen-Bundestrainer aufgelöst und sein Vorgänger Haber sein Nachfolger. Unter dem mittlerweiel 33-Jährigen ging es schnell wieder bergauf und Haber wurde dafür mit einem langfristigen Vertrag belohnt. Mehr Kontinuität auf dem Trainersessel könnte ein Schlüssel für mehr Erfolg bei den Leipzigern in der anstehenden Saison sein.

Jubel bei Trainer Andre Haber (DHfK Leipzig) und dem Team auf der Bank.
Trainer André Haber bejubelt mit seinen Spielern den überraschenden Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen am letzten Spieltag der Saison 2018/19 (Archiv). Bildrechte: imago images / Beautiful Sports

Wer kommt, wer geht

Auch wenn man es beim SC DHfK nicht gerne hört - Marko Mamic dürfte der Königstransfer dieses Sommers sein. Der kroatische Nationalspieler stand mit seinem vorherigen Verein Vive Kielce noch im Mai im Final Four der Champions League, 2018 und 2019 wurde er mit Kielce polnischer Meister und Pokalsieger. Mit dem 2,03-Rückraumschützen stoßen die Leipziger in neue Transferdimensionen vor, die nur mit externen Sponsoren zu bewältigen waren.

Aber auch die anderen Zugänge sind sehr interessant. Joel Birlehm, der von TuS N-Lübbecke an die Pleiße wechselte, gilt als großes Talent auf der Torhüterposition. Der 22-Jährige war sowohl in der deutschen U19, als auch in der U20 und U21 aktiv und gewann 2016 bei Junioren-EM in Dänemark Silber. Luca Witzke gehört ebenfalls in die Kategorie "Talent", bei Zweitligist TUSEM Essen stellte er in den vergangenen beiden Spielzeiten schon seine Treffsicherheit unter Beweis.

Marko Mamic
Marko Mamic in der Sachsen-Cup-Partie gegen den EHV Aue. Bildrechte: imago images / Beautiful Sports

Am Ende seiner Karriere steht dagegen Philipp Müller, der im September 35 wird. Der Rückraummann war in den vergangenen sechs Jahren bei der MT Melsungen aktiv und soll dem SC DHfK vor allem mit seiner Erfahrung weiterhelfen. Im besten Handballeralter ist der fünfte Zugang Viggo Kristjansson. Der Isländer spielte zuletzt zwei Jahre bei der SG Handball West Wien in der österreichischen Bundesliga und wurde in der Vorsaison dort zum besten Ausländer gewählt.

Bei den Abgängen schmerzt die Leipziger höchstens der von Aivis Jurdzs ein wenig, da der Lette, der mit fast 36 in seine Heimat zurückkehrt, mit seiner integrativen Art auch außerhalb der Platte wichtig für den Verein war. Zumindest einiges an Erfahrung verliert der SC DHfK auch mit Andreas Rojewski, allerdings war der 33-Jährige zuletzt sehr verletzungsanfällig. Wohin es "Roje", der sowohl für die deutsche als auch die polnische Nationalmannschaft aktiv war, zieht, ist noch unklar. Der dritte Abgang schließlich war mit René Villadsen sowieso ein Ersatzspieler für den lange an einem Kreuzbandriss laborierenden Stammkeeper Jens Vortmann. Der 33-jährige Däne kehrt wie Jurdzs in sein Heimatland zurück. Torwart-Veteran Milos Putera beendete seine Karriere, bleibt aber als Habers neuer Co im Verein.

Trainer André Haber

Wie im Abschnitt "So lief die vergangene Saison" bereits erwähnt, kam mit André Haber als Chefcoach der Erfolg zurück nach Leipzig. Der gebürtige Bornaer war selbst nie ein Profi, scheint aber ein echtes Trainertalent zu sein. Schon in seinen ersten beiden Stationen als Chef von Mai bis Juni 2013 (Punkteschnitt 1,5) sowie von Juli bis Dezember 2017 (Punkteschnitt 1,3) deutete er seine Klasse an der Seitenlinie an. Nebenbei betreute Haber in dieser Zeit auch noch die deutsche U20-Nationalmannschaft und holte mit ihr bei der EM in Slowenien im Juli 2018 Bronze.

André Haber und Michael Biegler
Am 5. September übernahm André Haber (li.) das Amt von seinem bisherigen Chef Michael Biegler (re./Archiv). Bildrechte: IMAGO

Nach der Übernahme von Biegler machte Haber dann ab September 2018 sein Meisterstück beim SC DHfK, führte die Mannschaft aus einem spielerischen und mentalen Tief heraus und schaffte nach einer Durststrecke zu Beginn noch einen Punkteschnitt von 1,3. "Für uns war es eine Saison, in der wir viel Lehrgeld bezahlt haben, in der wir aber letztendlich auch gewachsen sind", resümierte Haber die Saison im Interview mit sport-im-osten.de. Vor allem mental könne man viel für die vergangene Saison mitnehmen.

Erwartungen an die Saison

Auch wenn es keiner beim SC DHfK so deutlich sagen will, ein bisschen denkt man wohl schon an Europa. Damit haben nicht nur die Zugänge zu tun, die alle klare Verstärkungen werden können. Auch ist bei den Abgängen kein Leistungsträger dabei, den man unbedingt halten wollte. Nationalspieler Franz Semper wechselt erst 2020 nach Flensburg und wird in seinem letzten Jahr bei den "Grün-Weißen" sicher noch einmal alles geben.

Alen Milosevic (Leipzig) jubelt und ballt die Fäuste.
Alen Milosevic verlängerte beim SC DHfK bis 2023 (Archiv). Bildrechte: imago images / Pressefoto Baumann

Außerdem verlängerten die Sachsen zuletzt mit dem umworbenen Kreisläufer Alen Milosevic um drei Jahre bis 2023. Der Schweizer Nationalspieler bekannte in einer Pressemitteilung dazu seine Ambitionen: "Die Vision Europa ist klar formuliert und ich stehe voll dahinter. Ich durfte auf internationaler Ebene schon viel Erfahrung sammeln und möchte das Ganze auch mit dem SC DHfK Leipzig erleben."

Die Vision Europa ist klar formuliert und ich stehe voll dahinter

Alen Milosevic Pressemitteilung SC DHfK

Und auch in der Vorbereitung ließen die Leipziger schon aufhorchen. Nachdem man sich nach Siegen gegen die Zweitligisten HC Elbflorenz und EHV Aue Ende Juli den Sachsen-Cup sichern konnte, setzte der SC DHfK mit dem klaren 44:26 gegen den polnischen Erstligisten Pogon Stettin am 3. August und vor allem mit dem 31:25 gegen den polnischen Champions-League-Teilnehmer Wisla Plock drei Tage später ein echtes Ausrufezeichen. Beim folgenden Spielothek-Cup war das Haber-Team dann aber weniger erfolgreich und landete nach Niederlagen gegen die Liga-Konkurrenten GWD Minden und TuS N-Lübbecke nur auf Rang vier. Besser lief es im DHB-Pokal, denn da steht der SC DHfK nach Siegen gegen den TSV Altenholz und HSG Nordhorn-Lingen im Achtelfinale.

cdi

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 18. August 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 09:00 Uhr

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