Manager Wolf-Rüdiger Ziegenbalg (Lok)
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Fußball | Regionalliga "Hausverbot" für Lok-Manager Ziegenbalg

Paukenschlag beim ambitionierten Fußball-Regionallisten 1. FC Lok Leipzig: Wolf-Rüdiger Ziegenbalg, seit Ende vorigen Jahres Berater und erst am 9. Februar zum mächtigen Manager befördert, ist plötzlich bei der Vereinsspitze nicht mehr erwünscht. Der einstige Präsident von Dynamo Dresden erhielt praktisch Hausverbot. Eigentlich sollte der 69-Jährige den Traditonsverein in den nächsten zwei Jahren in die 3. Liga führen und den Stadionbau voranbringen.

Manager Wolf-Rüdiger Ziegenbalg (Lok)
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Herr Ziegenbalg, mit Ihnen hatte der 1. FC Lok Leipzig den Angriff auf die 3. Liga geplant. Nun soll das Geld fließen– um Sie ist es aber plötzlich ruhig geworden – was ist da los?

"Ich finde es gut, dass sich der Verein für das Konzept 3. Liga, das ich mit angestoßen habe, entschieden hat. Glückwunsch. Doch am Mittwoch voriger Woche, in der Halbzeit beim 7:0-Sieg gegen Neustrelitz, wurde mir von Schatzmeister Lang und Präsident Löwe mitgeteilt, dass ich mich von Mitarbeitern, Mannschaft, Verein, Geschäftsstelle, Stadion und besonders von Sponsor Wernze, zu dem ich ein gutes Verhältnis hatte, fernzuhalten habe. Und, dass es innerhalb von 14 Tagen ein Gespräch geben soll. In dem sollte die weitere Vorgehensweise besprochen werden. Dieses hat bisher nicht stattgefunden, denn Vizepräsident Kurt Geier ist noch im Urlaub."

Weshalb gab es denn dieses de facto Hausverbot?

"Aus meiner Sicht gibt es erhebliche unterschiedliche Auffassungen und Ansichten auf Dinge, die ich herausgefunden und angesprochen habe. Ich habe erheblichen Handlungsbedarf gesehen. Und teilweise auch gehandelt. Es geht darum, Fehler der Vergangenheit in allen Bereichen endgültig zu beseitigen oder zu beheben. Und keine neuen Fehler dieser Art zu machen. Ich denke, wir müssen in jeder Beziehung ehrlich sein. Besonders auch den Mitgliedern gegenüber – denen gehört der Verein. Und dieser ist hundertprozentiger Gesellschafter der GmbH."

Bestandteil ihrer Analysen und Ihres Konzeptes war doch auch der Nachwuchs? Was hatten Sie da vor?

"Der Nachwuchs war Bestandteil, wie auch das neue Stadion. Wenn man im professionellen Fußball Fuß fassen will, dann muss man seinen Nachwuchs fördern und heranbilden. Um Spieler für die Erste zu entwickeln. Oder Erlöse aus Transfers zu erwirtschaften. Dieses Modell habe ich in einer speziell einberufenen Versammlung mit allen Nachwuchstrainern, Co-Trainern und Mannschaftsleitern ausführlich besprochen. Dazu gehörten auch erhebliche personelle Veränderungen, die ich im Nachgang mit Nachwuchsleiter Seydler abgestimmt habe. Im Ergebnis waren wir uns beide einig. Und ich wollte einen neuen Jugendleiter sofort verpflichten. Der Vorstand hat im März aber alle Aktivitäten aus der Ferne zurückgepfiffen."

Weshalb zurückgepfiffen?

"Vielleicht zu viele Veränderungen auf einmal..."

Wie überrascht waren Sie nun eigentlich von den Vorfällen um die B-Jugend, die nach Zeigen des Hitlergrußes, animiert durch einen Ihrer Trainer, suspendiert wurde?

"Dieser Vorfall ist eine schlimme Sache. Ich wollte - wie gesagt - schon im März viele Veränderungen. Ich denke, dann wäre dem Verein dieser Skandal erspart geblieben. Es gibt aber mehrere Personen, die viel länger im Verein sind oder waren, die sicher mehr dazu sagen könnten."

Wie geht es für Sie nun mit Lok weiter?

"Die Vorgehensweise des Vorstandes mit mir und meiner Assistentin Frau Rentzsch, hat es erforderlich gemacht, dass wir Rechtsbeistände einschalten müssen."

Interview: mdr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2018, 15:49 Uhr

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15 Kommentare

11.05.2018 15:15 Brecher 15

Schon Klaus Sammer meinte über Z.: "Een rührischer Mann, aber ooch een Selbstdarsteller" (DER SPIEGEL - 40/1992). Das sagte der Lange in Zeiten, als Z. mächtiger Boß des "1. FC" Dynamo Dresden war.
Wenige Monate später ereilte Z. die Erkenntnis, "daß das Geld einfach fort war." (gemeint: die Millionen aus dem Verkauf von M. Sammer, U. Kirsten und anderen). Folgerichtig übergab Z. die Verfügungsgewalt über Dynamo jemandem (König Otto von D.), der noch viel mehr Ahnung hatte vom maximal intensivierten Verschleudern von Millionen. Dies kleidete Z. in die weisen Worte: "Ich war dumm" (Focus - 10/1993).
Aber er ließ sich nicht verdrießen und machte weiter epochale Vorschläge zu allem, freilich ohne jeden Realitätssinn - jahrelang!
Jetzt fand er aber Leute, die für ihn die Lauscher aufstellten; die Bosse des 2. FC Lok. Aber was soll man auch von denen erwarten, die sich schon dazu überreden ließen, daß ein Mario Basler seine Reklame-Show für E-Zigaretten auf der Holztribüne abzog.

11.05.2018 12:54 anna 14

Schon krass, wie viele Ewiggestrige sich hier tummeln, die immer noch nicht begriffen haben, dass in ihrem Verein einigen schief läuft.

11.05.2018 12:14 Immer Lok 13

Was ist nur aus diesen Verein geworden? Traurig und die Möchtegern Vereinsführung kann tun und lassen was sie will Kontrolle gibt es leider nicht.

11.05.2018 11:41 Alter Leipziger 12

Leider ist dies keine Überraschung, die da aus Probstheida zu hören ist.
In den letzten 25 Jahren waren doch irgendwelche Skandale, Insolvenzen und sportliches Kleinstniveau ,das einzige, was diesen "Verein" in die Schlagzeilen brachte.
Man sollte sich doch endlich mit dem Volkssport identifizieren und irgendwelche Hirngespinste vom Profi-Fußball schnell vergessen.

11.05.2018 09:41 Kalle 11

Hauptsache er kostet nicht erneut Geld das der Verein definitiv NICHT hat. (wäre ja leider nicht das erste Mal)
Ansonsten: erst mal das Statement des Vereins abwarten.
Zu einer Zusammenarbeit wie zu einem Missverständnis gehören immer noch zwei Verhandlungspartner.

11.05.2018 02:39 wolle1 10

@4 FTL, ich glaub nicht das Dynamo Leute in solchen Positionen sucht. Da ist jahrelang einer nach dem anderen auf -und wieder abgetaucht. Die meisten mit bescheidenen Erfolg. Die Koenner die wir aber jetzt haben, um die beneiden uns viele. Die haben den Verein eindeutig aus dem Dreck gefahren und nicht hinein.

11.05.2018 01:00 AufmerksamerBeobachter 9

Ich hatte 'Hausboot' für Ziegenbalg gelesen.. dachte, irgendein Geschenkt, ein Urlaub, Korruption.. naja, egal

10.05.2018 22:41 Sabrina 8

An anderer Stelle ist zu lesen, dass Herr Scholz das Engagement von Herrn Ziegenbalg eingefädelt hat. Herr Scholz will ja gern Profibedingungen.
Da wird es in Zukunft wohl noch weitere Personalentscheidungen geben.

10.05.2018 22:06 Schappio5 7

War ja nicht anders zu erwarten

10.05.2018 21:30 Sabrina 6

Ich war auch etwas verwundert, als plötzlich die Personalie Ziegenbalg bei Lok auftauchte. Hat der in Dresden was bewegt?
Auch aus dem Interview erfährt man nichts genaues. Er wollte halt mal was anders machen.

Kennen wir ja: Den Schutthaufen von einer Straßenseite auf die andere und wieder zurückschippen und feststellen: Man hat etwas bewegt. Hauptsache Arbeit.