Neuer Modus für die Präsidiumswahl Warum die neue HFC-Satzung nur teilweise die Mitgliederrechte stärkt

Oliver Leiste
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Der Hallesche FC will seine veraltete Satzung ändern. Derzeit werden die Mitglieder über das Vorhaben informiert. Professionalisierung und mehr Mitgliederrechte sind die Überschriften, mit denen der Vorstand für die Änderung wirbt. Doch gehalten werden die Versprechen nur teilweise. Eine Einschätzung.

Jens Rauschenbach (Vorstand HFC)
HFC-Präsident Jens Rauschenbach hat den Mitgliedern Satzungsänderungen vorgeschlagen. Bildrechte: IMAGO / VIADATA

Es ist schon einige Jahre her, da gab es reichlich Aufregung auf einer HFC-Mitgliederversammlung. Die Spieler der ersten Mannschaft hatten bei einer Abstimmung für die Position des damaligen Präsidiums gestimmt – und gegen einen Teil der Fans. Das sorgte auch deshalb für Aufruhr, weil die Spieler Angestellte des Vereins sind, und damit zumindest theoretisch weisungsgebunden.

Es war nur einer von mehreren Fällen in der Vergangenheit, bei denen klar wurde, die Satzung des Vereins – so etwas wie das "Grundgesetz" des Halleschen FC – ist überholt und muss überarbeitet werden. Dazu hat sich vor reichlich zwei Jahren eine Satzungskommission gegründet. Doch dann wurde es still um das Thema. Was auch an der Corona-Pandemie lag.

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Gewinn trotz Corona

Durch diese ist der HFC nach Angaben des Vorstands bislang fast schon sensationell gut durchgekommen. Trotz fehlender Zuschauereinnahmen konnte der Club dank Sparmaßnahmen und Fördergeldern die Saison mit einem kleinen Gewinn von 100.000 Euro abschließen. Und da die Fans nun wieder ins Stadion dürfen, scheint sich der Blick wieder für Dinge zu weiten, die über das reine Tagesgeschäft hinausgehen. Die Änderung der Satzung zum Beispiel.

In der vergangenen Woche bekamen die knapp 2.300 Mitglieder Post vom HFC. Darin enthalten war der Entwurf für die neue Satzung und eine Präsentation, die die angestrebten Änderungen erläutert. Bis 11. August soll nun ein Stimmungsbild dazu eingeholt werden. Die großen Schlagworte, die in dem Schreiben betont werden, sind Professionalisierung der Vereinsstrukturen und Stärkung der Mitgliederrechte. MDR SACHSEN-ANHALT erklärt, was der HFC vorhat

Wie sich der HFC professionalisieren will

Die Verantwortung für alles, was beim HFC passiert, trägt der Vorstand. Der besteht derzeit aus fünf Personen. Neben Präsident Jens Rauschenbach sind das Vizepräsident Jürgen Fox, Steffen Kluge, Oliver Kühr und Lutz Preußler. Jeder Spielertransfer, jede Ausgabe muss von diesem Gremium genehmigt werden. Das ist enorm zeitaufwändig. Insbesondere, weil alle fünf ehrenamtlich und im Alltag in ihren eigentlichen Berufen tätig sind. Insgesamt ist diese Regelung nicht mehr zeitgemäß. Wird die Satzung wie vorgeschlagen geändert, sollen künftig ein sportlicher und ein kaufmännischer Geschäftsführer die Geschicke leiten. So will der Hallesche FC schneller werden – und zugleich die Vorstände entlasten. Diese hätten zwar weiterhin die Oberhoheit, müssten aber nicht mehr bei jeder Entscheidung einbezogen werden.

Zudem ist in der neuen Satzung eine Trennung von Haupt- und Ehrenamt vorgesehen. Wer dem Vorstand oder dem Verwaltungsrat angehört, kann also nicht gleichzeitig beim HFC angestellt sein. Das war zuletzt bei den Präsidiumsmitgliedern Ralph Kühne und Jörg Sitte der Fall gewesen, die im Rahmen ihrer Vorstandstätigkeit irgendwann auch hauptamtliche Aufgaben übernommen hatten. Künftig wären solche Konstellationen, die leicht anfällig für Missbrauch sind, nicht mehr möglich

Neuer Mitgliederrat und neue Wahlregeln für das Präsidium

Zwei weitere wesentliche Punkte der neuen Satzung sind der Mitgliederrat und die Wahl künftiger Vorständer. Einen Mitgliederrat gab es bisher nicht. Er soll neu eingeführt werden und künftig unter anderem die Aufgaben des Wahlausschusses übernehmen. Sprich, die Kandidaten für Wahlen des Vorstandes und des Verwaltungsrates auswählen. Zudem soll der Mitgliederrat die jährliche Mitgliederversammlung vorbereiten, bei Streit zwischen Mitgliedern schlichten und bei Fehlverhalten einzelner Mitglieder auch Strafen aussprechen dürfen.

Geändert werden soll die Besetzung des neuen Präsidiums und der Wahlmodus. Bisher können drei bis fünf Personen in den HFC-Vorstand gewählt werden. Wie viele genau es in der jeweils nächsten Amtsperiode sein sollen, entscheidet die Mitgliederversammlung. Künftig soll die Zahl auf drei begrenzt werden. Und mögliche Bewerbende sollen in festen Listen antreten. Bislang haben sich Kandidatinnen und Kandidaten einzeln beworben. Die drei, vier oder fünf, die dann bei der Mitgliederversammlung die meisten Stimmen bekamen, waren gewählt und haben aus ihrer Mitte den Präsidenten bestimmt. Geht es nach den Vorstellungen des Vorstands, werden künftig feste Dreierteams gewählt. Dabei wird schon im Vorfeld festgelegt, wer Präsident und wer seine Stellvertretenden sein sollen. Will jemand außerhalb einer bestehenden Dreierkonstellation in den Vorstand, müsste er oder sie sich mit einem eigenen Team bewerben. Zudem will man auch notwendige Qualifikationen für Vorstände definieren.  

Warum die Mitgliederrechte nur bedingt gestärkt werden

Doch werden mit den Änderungen wie versprochen die Rechte der Mitglieder gestärkt? Darüber gibt es im Anhang sehr geteilte Auffassungen. Künftig dürften sich Mitglieder schon ab einem Alter von 16 Jahren an Wahlen und Abstimmungen beteiligen – statt wie bisher mit 18. Das ist zweifellos ein Zugewinn.

Doch gerade die Präsidiumswahl bereitet vielen Mitgliedern Bauchschmerzen. Nach fast zwei Jahrzehnten, bei denen mit Kühne, Sitte und Präsident Michael Schädlich nur drei Kandidaten zur Verfügung standen, gab es 2019 zum ersten Mal überhaupt eine richtige Wahl. Acht Menschen bewarben sich für fünf Positionen im Vorstand.

Kommt die vorgeschlagene Listenwahl, wäre so etwas nicht mehr möglich. Denn die Listenwahl verhindert, dass ein bei den Mitgliedern beliebter Einzelbewerber in das Gremium gelangt, obwohl er vielleicht andere Schwerpunkte setzten würde, als drei, die sich vor der Wahl einig sind. Bisher ist das möglich. Und gerade das mache Demokratie aus, ist aus der Mitgliederschaft zu hören. Dass der Verein verschiedene Strömungen auch im Vorstand abbildet. Und, dass Beschlüsse nicht immer einstimmig gefasst werden. "Natürlich kann es dann auch mal 4:1 oder 3:2 bei den Abstimmungen ausgehen. Für die Beteiligten mag das mühselig sein. Aber in so einem Verein müssen eben auch Kompromisse gefunden werden", heißt es von einem Mitglied, das nicht genannt werden möchte.

Der neugewählte Vorstand: Dr. Jürgen Fox , Oliver Kühr , Steffen Kluge , Lutz Preußler und Jens Rauschenbach (Neuer Präsident, HFC)
Aktuell umfasst der HFC-Vorstand fünf Mitglieder: Jürgen Fox, Oliver Kühr, Steffen Kluge, Lutz Preußler und Jens Rauschenbach (v.l.n.r) Bildrechte: IMAGO / VIADATA

In Sachen Mitbestimmung wird in der Vorstellung der neuen Satzung auf den Mitgliederbeirat verwiesen, der ebenfalls neu entstehen soll. Doch liest man genau, entdeckt man, dass der Beirat zwar zahlreiche Aufgaben übernehmen soll. Von der Entscheidungsfindung ist er im Zweifelsfall ausgeschlossen. Derzeit sitzen mit Steffen Kluge und Carsten Böhme zwei Fanvertreter im Vorstand und im Verwaltungsrat – und können so mitentscheiden. Der Mitgliederbeirat hätte dagegen nur beratende Funktion. An den Vorstandssitzungen würden dessen Vertretende laut Satzung nicht teilnehmen. Selbst eine Anhörungspflicht oder regelmäßige Treffen sind laut Satzung erstmal nicht zwingend vorgesehen. Im Zweifelsfall wären die Mitglieder also außen vor, wenn der Vorstand sie nicht einbeziehen möchte. Das sorgt in Teilen der Mitgliederschaft für Unverständnis und Verärgerung.

Wer über die neue Satzung entscheiden darf

Ob das alles so kommt, entscheidet die Mitgliederversammlung des Halleschen FC. Diese findet, sofern es die Coronabestimmungen zulassen, am 19. September statt. Die anwesenden Mitglieder müssen den Änderungsvorschlägen für die Satzung dann mit einer Dreiviertel-Mehrheit zustimmen. Tritt das ein, würde die Satzung dann auch bereits für die Vorstandswahl, die voraussichtlich im kommenden Jahr stattfindet, gelten. Stimmen weniger als 75 Prozent der Anwesenden dafür, bleibt die alte Satzung bestehen. Die derzeit laufende Befragung aller Mitglieder hat keinerlei bindende Wirkung für die Abstimmung.

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

MDR/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. Juli 2021 | 11:30 Uhr

5 Kommentare

MLink-Berlin vor 8 Wochen

Das der Mitgliederbeirat dann praktisch nichts zu melden hat, finde ich schon bedenklich!
Die darüber beschriebenen Punkte bedürfen der Änderung! Sportchef und Finanzguru haben wir auch und das ist auch gut so!

BWG

Thommi Tulpe vor 8 Wochen

Die 3. Liga ist eine Profiliga.
Möchte man mittelfristig Höheres anstreben, ist der Verein gezwungen, sich zu professionalisieren.
Das Problem stellt sich nicht nur in Halle.
Es stellt sich die Frage, welchen Weg man wählt, inwieweit Mitglieder und/ oder Fans Einfluss haben sollten.
Im FCM-Podcast sagte Blogger Alexander Schnarr: "Ich muss nicht auf Teufel komm raus zweite Liga spielen, wenn das bedeutet, dass der Verein so wird wie viele andere Profiklubs auch."
Ich denke: Wir Mitglieder und Fans werden uns entscheiden müssen:
Gehen wir diesen Weg der "totalen Professionalisierung" mit und unser Verein spielt so eventuell irgendwann in der 2. Bundesliga? Oder wollen wir weiter den familiären Kumpel-Verein und lehnen diese Professionalisierung im Grunde ab?
Ich bin mit meinen Blau-Weißen mittlerweile 42 Jahre sehr eng verbunden. Der Verein ist wesentlicher Bestandteil meines Lebens.
Bisher konnte ich für mich selbst diese entscheidende Frage auch noch nicht klar beantworten.

revolvere vor 8 Wochen

im september ist eine hohe hürde zu nehmen, 75% der anwesenden
stimm-berechtigten. ich finde das schon ok.