Trainerwechsel HFC beurlaubt Schnorrenberg: Geschichten vom Scheitern

Oliver Leiste
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Der Hallesche FC zieht die Reißleine und beurlaubt Trainer Schnorrenberg. Es war ein Scheitern mit einer längeren Vorgeschichte. Zugleich endet mit dem Trainerwechsel ein Versuch des Clubs, endlich sein langweiliges Image loszuwerden. Es war bei weitem nicht der erste. Eine Einschätzung.

Terrence Boyd und Florian Schnorrenberg
Florian Schnorrenberg ist nicht länger Trainer des Halleschen FC. Bildrechte: imago images/Eibner

Seit Jahren versuchen sie beim Halleschen FC, das "graue-Maus-Image" loszuwerden. Und treten dabei auf der Stelle. Nun ist der nächste Versuch gescheitert, den HFC in eine bessere Zukunft zu führen. Cheftrainer Florian Schnorrenberg wurde beurlaubt. Das hat der Verein am Dienstagmittag mitgeteilt.*

Die Ergebnisse zuletzt sprachen eine deutliche Sprache. Sechs Mal in Folge hat der HFC nicht gewonnen, sammelte seit Anfang November gerade mal ein mickriges Pünktchen. Dass die Verantwortlichen nun reagiert haben, ist nachvollziehbar. Auf drängende Fragen hat Schnorrenberg mit seinem Team keine Antworten mehr gefunden. Zu groß ist die Sorge vor einem Absturz in die Regionalliga. Aktuell beträgt der Vorsprung auf die Abstiegsplätze drei Punkte.

Ein Trainerwechsel mit Ansage

Dabei ist der Rauswurf nicht nur der aktuellen Krise geschuldet. Viel mehr war es ein Scheitern mit Ansage. Über 66 Punktspiele hinweg beträgt der Punkteschnitt von Schnorrenberg etwa 1,3. Letzte Saison war er minimal höher, in der aktuellen ist er etwas niedriger. Mehr als tristes Mittelfeld ist mit dieser Bilanz nicht möglich. Schon im Frühjahr stand Florian Schnorrenberg vor dem Aus. Ein Last-Minute-Sieg gegen Uerdingen und ein toller Schlussspurt seiner Mannschaft retteten erst seinen Job und dann die Saison.

Stephan Weidling 1 min
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Alte Probleme nicht behoben

Der Vertrag des freundlichen Trainers wurde im Sommer verlängert. Hinter vorgehaltener Hand sahen manche Beobachter das Unheil da schon kommen. Zehn, vielleicht 15 Spiele, so der Tipp damals, würde sich Schnorrenberg noch halten können. Am Ende waren es 20. Denn die lange bekannten Probleme sind geblieben.

  • Schlechte Abwehr: Genau wie im Vorjahr gehört der HFC zu den Teams, die ligaweit die meisten Gegentore kassieren. Bei der Entstehung lassen sich oft ähnliche Muster erkennen.

  • Zu ausrechenbar: Das bevorzugte 4-2-3-1-Spielsystem von Florian Schnorrenberg wurde in den vergangenen anderthalb Jahren nur selten angepasst. Das ist kein Problem, solange es funktioniert. Doch richtig gut funktionierte es selten. Die Folge: Oft unansehnliches Gekicke und wenig Ideen im Spielaufbau.

  • Kaum Entwicklung bei jungen Spielern: Als Schnorrenberg kam, galt Julian Guttau als eines der heißesten Talente der 3. Liga. Aktuell reicht es für den Hallenser meist nur noch zum Einwechselspieler. Torbeteiligungen sind Mangelware. Die erhoffte positive Entwicklung ist ausgeblieben. Ähnliches lässt sich bei weiteren jungen Spielern feststellen. Und auch die erfahreneren haben in ihrer Zeit beim HFC nur selten über einen längeren Zeitraum konstant gut gespielt. Schnorrenberg hat es also offenbar nicht geschafft, Spieler in der 3. Liga besser zu machen.

Logo des Halleschen FC 71 min
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Seit 2016: Geschichten vom Scheitern

Dass der HFC mal wieder vor einem Neuanfang steht, ist aber nicht allein Schnorrenbergs Schuld. Schon seit 2016 versuchte der Club dem Gerede von der grauen Maus zu entkommen und sich der 2. Bundesliga anzunähern. Im ersten Anlauf verhoben sich die damals Verantwortlichen. Plötzlich klaffte ein finanzielles Loch von 1,4 Millionen Euro. Die heutigen Vorstände Jens Rauschenbach und Jürgen Fox eilten zur Hilfe und schlossen die Lücke.

Bald darauf übernahmen sie die Verantwortung im Verein. Mit Sportchef Ralf Heskamp und Trainer Torsten Ziegner sollte dem darbenden Fußball in Halle neues Leben eingehaucht werden. Das gelang zunächst erstaunlich gut, der HFC wurde 2019 Vierter. Mit Stürmer Terrence Boyd wollte der HFC den Abstand nach oben dann weiter verkürzen. Nach einem kurzen Rausch folgte der Kater, der HFC stürzte ab. Ziegner musste gehen, genau wie sein Nachfolger Ismail Atalan.

Florian Schnorrenberg rettete den Club im Sommer 2020. Doch das Tischtuch zwischen ihm und Ralf Heskamp war bald zerschnitten und der HFC kam wieder nicht vom Fleck. Der stets gutgelaunte Sportdirektor war einige Monate später Geschichte. An seine Stelle trat Ex-Dynamo-Haudegen Ralf Minge. Ein Signal für den ganzen Verein und das Umfeld sollte von seiner Verpflichtung ausgehen, hieß es bei seiner Vorstellung. Nach einem passablen Start ist von dieser Aufbruchsstimmung nicht viel geblieben. Vielmehr geht es zunächst darum, größeren Schaden zu verhindern. Mal wieder.

Tor für Meppen 19 min
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Die Suche nach der Zauberformel

HFC-Trainer damals, als es 2016 losging mit dem Streben nach Höherem, war übrigens Rico Schmitt. Der hat mit seinem SV Meppen den HFC gerade noch tiefer in die Krise geschossen. Und zeigt im Emsland, wie man auch wenig Mitteln eine ganze Region in Fußball-Ekstase versetzen kann. Beim HFC hatte er einen ähnlichen Punkteschnitt wie Schnorrenberg. Es liegt also nicht nur an den jeweiligen Trainern. Viel mehr zeigt es, dass die Verantwortlichen die Zauberformel, um aus dem hässlichen Entlein HFC einen strahlenden Schwan zu machen, bislang nicht gefunden haben.

*In einer ersten Variante des Textes hieß es, dass Co-Trainer Daniel Ziebig ebenfalls beurlaubt sei. Das war ein Fehler. Wir haben den Text entsprechend korrigiert.

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Florian Schnorrenberg mit Video
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MDR(Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

23 Kommentare

hettstedt vor 49 Wochen

Es ging ja auch nicht um Hettstedt.
Gegen die Stadt Halle sieht magdeburg einfach nur 0815 aus.
Deine Aufzählung von angeblchen Sehenswürdigkeiten bestätigt dies nur noch. Die Mogelei zur Landeshauptstadt, hat wie du schon so schön sagtest, "nüscht jebracht", magdeburg bleibt hässliches unbedeutendes Entlein.

Machdeburjer Kind vor 49 Wochen

Echt jetzt? Hettstedt? Reisst Deine Klappe ja mächtig auf. Aber warum?
Wegen eines Waltwerkes?
Ansonsten viel Grün herum und ein paar künstliche Hügel drumherum.
Einer Kaiser- und Domstadt mit historischer Bedeutung reicht Dein Städtchen nie das Wasser.

Was ist denn Halle für ne Parzelle, denkst Du Dir Neustadt weg. Wurde doch nur zu einem Zweck vereinigt.
Hat aber nüscht jebracht. Es grüßt ein Europapokalsieger 💙🤍✌️

hettstedt vor 49 Wochen

Lediglich eine Reaktion auf den herablassenden Beitrag von SoldatenN.

Was den Sport betrifft, zieh ich den Hut vor den aktuellen Erfolgen. Gratulation dafür!

Sag mal bitte was bedeutendes in Magdeburg außer dem Dom!