Gespräch mit Fußballhistoriker Waffen-SS-Vergangenheit von FCM-Legende: "Sportliche Lebensleistung von Heinz Krügel bleibt erstmal unberührt"

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Medienberichte über seine Vergangenheit bei der Waffen-SS rücken FCM-Erfolgstrainer Heinz Krügel in ein neues Licht. Filmemacher und Fußballhistoriker Uwe Karte sagt: "Das Erstaunen in Magdeburg über die Vergangenheit von Heinz Krügel bei der Waffen-SS ist ein bisschen erstaunlich." Warum, erklärt der 54-Jährige im Interview – und rät dem Klub zur gründlichen Aufarbeitung. Vom FCM wurde dafür bereits eine Arbeitsgruppe gegründet.

Trainer Heinz Krügel Mitte nimmt einen Schluck aus dem Europapokal der Pokalsieger
Der größte Triumph des 1. FC Magdeburg: Heinz Krügel mit dem Europapokal 1974. Bildrechte: imago images/Werner Schulze

Er wird von den Fans des 1. FC Magdeburg verehrt wie kein Zweiter: Heinz Krügel steuerte den Klub zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte – dem Europapokalsieg 1974. Im April dieses Jahres wäre Krügel 100 Jahre alt geworden. Vor der Arena steht eine Statue von ihm. Die Anhänger hätten es am liebsten, wenn das Stadion offiziell nach ihm benannt werden würde.

Doch Veröffentlichungen über Krügels Vergangenheit bei der Waffen-SS werfen nun einen Schatten auf sein Denkmal. Die Hintergründe von seiner Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Organisation sind allerdings noch unklar. Der 1. FC Magdeburg hat bereits eine Arbeitsgruppe gegründet, um das Thema mit Hilfe von Historikern aufzuarbeiten.

Die Mitglieder des Arbeitskreises "Heinz Krügel"

Peter Fechner – Präsident des 1. FC Magdeburg und Leiter des Arbeitskreises

Bernd Tiedge – Leiter des Arbeitskreises Tradition des 1. FC Magdeburg

Dr. phil. Michael Thomas – Dozent Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Schwerpunkt Sport- und Landesgeschichte

Kerstin Kinszorra – Mitglied AG Vereinskultur des 1. FC Magdeburg

Jens Janeck – Fanprojekt Magdeburg

Thomas Hennigs – Fan-Rat e.V. Magdeburg

Martin Stange – Block U 1. FC Magdeburg

"Heinz von der Waffen-SS"

Anlass für die Diskussionen war ein Artikel in der Chemnitzer Freien Presse in der vergangenen Wochen. Der Titel: "Heinz von der Waffen-SS". Tippgeber für die Geschichte: Uwe Karte. Der Filmemacher und Fußballhistoriker aus Dresden, der auch für den MDR tätig ist, schreibt derzeit an einem Buch über Walter Fritzsch.

Fritzsch war neben Heinz Krügel der zweite große Vereinstrainer in der DDR, feierte seine größten Erfolge in den 1970er Jahren mit Dynamo Dresden. Fritzsch und Krügel wuchsen beide in Planitz bei Zwickau auf. Beide waren Kumpel, pflegten einen regen Briefwechsel. Die Vergangenheit von Krügel bei der Waffen-SS war bereits 2014 in einer wissenschaftlichen Arbeit des verstorbenen Wissenschaftlers Otto Altendorfer thematisiert worden.

Uwe Karte sagt deshalb: "Das Erstaunen in Magdeburg ist ein bisschen erstaunlich. Wer Interesse daran gehabt hätte, hatte seit sechs Jahren die Chance, sich zu belesen." Im Interview spricht der 54-Jährige über die Hintergründe.

Hier können Sie das Gespräch anhören:

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt. Bei MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet er seitdem als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur arbeitet, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Recherche und Redaktion: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. Januar 2021 | 19:00 Uhr

59 Kommentare

Soldaten Norbert vor 12 Wochen

Gut gesprochen. Aber die Radikalen Denkmal-Stürmer begreifen das nicht. Sie wollen nur sehen, was sie sehen wollen und interpretieren jeden Blödsinn in alle Dinge hinein.

skydiver-sr vor 12 Wochen

So...werte Redakteure.Bitte verabschieden sie sich von dem Gedanken, das jeder der bei der Waffen SS war dort freiwillig hinging.Wenn man Pech hatte konnte man in der Endphase ab 44 auch dorthin als Wehrpflichtiger eingezogen werden.
So erging es meinem Opa, er hatte die Wahl entweder freiwillig zur Wehrmacht oder als Wehrpflichtiger zur Waffen SS.
Also wenn Krügel dort war, ja...mein Lehrmeister damals war auch bei der Waffen SS-als Wehrpflichtiger!
Es ist ein Unterschied ob man sich 1939 freiwillig dorthin meldete oder 1943 dorthin eingezogen wurde.
Siebe Leistung für den FCM bleibt wohl unantastbat.

Thoralf vor 12 Wochen

Lieber Hettstedt, mal angenommen Sie haben recht. Die Rechten legen Kränze und Blumensträuße des Gedenkens, an diesem Denkmal ab!? Was würde geschehen? Erstens, der U Block und die überwiegende Mehrheit der Magdeburger Fußballanhänger, würde diese verschwinden lassen, noch bevor die die Schleife glatt streichen könnten! Zweitens, das Problem wäre ja nicht das Denkmal. Ihr immer mit Denkmälern! Was ist mit den Köpfen? Das Denkmal steht vor der "MDCC Hustensaft" Arena. Jeder nennt es aber HKS! Das "Heinz Krügel Stadion"! Wollen Sie das Stadion abbrennen? Wollen Sie den Platz umbenennen? So was wie : Platz der Opfer der Nazi Tyrannei? Aufarbeitung geht anders! Denkmäler gibt es viele, es ist entscheidend, was Sie, Ich oder andere darin sehen. Nennt man auch Standpunkt! Ich bin froh, das die Fußballfans, die Leute, die ich kenne, einen toleranten Standpunkt haben.