Kommentar Warum Christian Beck einen anderen Abschied vom FCM verdient gehabt hätte

Daniel George
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Die Trennung des 1. FC Magdeburg von Christian Beck verlief fair und ist sportlich nachvollziehbar. Trotzdem schmerzt sie die meisten Fans sehr. Und der Klub hat wieder eine Chance verpasst, anders zu sein. Ein Kommentar.

Christian Beck FCM
Sagt leise Servus: FCM-Stürmer Christian Beck. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Am Ende waren es sieben Worte, die den Abschied der Ikone bedeuteten: "Vertrag von Christian Beck wird nicht verlängert." Das erklärte der 1. FC Magdeburg am Mittwoch im Internet – und löste damit heftige Diskussionen unter seinen Anhängern aus.

Nach achteinhalb Jahren und 148 Toren ist Schluss für Christian Beck beim FCM. Nicht, weil er gehen will, sondern weil er gehen muss. Der Drittligist will seine Zukunft ohne den Stürmer gestalten – und deshalb zählen für die Bosse bezüglich der Kaderplanung auch seine Dienste in der Vergangenheit nicht.

Die Trennung: fair und sportlich nachvollziehbar

Trainer Christian Titz mit Christian Beck
Fallen gelassen: FCM-Cheftrainer Christian Titz setzt nicht mehr auf Christian Beck. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Vorab: Die Trennung lief augenscheinlich fair ab. Sie wurde frühzeitig kommuniziert, was Beck und den Fans – im Rahmen der Corona-Pandemie – die Chance gibt, Abschied zu nehmen. Außerdem wurde dem 33-Jährigen eine Anstellung im Klub für die Zeit nach seiner Profi-Laufbahn in Aussicht gestellt.

Sportlich gab es Argumente für eine Trennung. Denn auf dem Rasen konnte Beck in dieser Saison nicht überzeugen. Lediglich ein Treffer in 24 Partien steht auf seinem Konto. Dabei hatte der Angreifer vor allem in der ersten Saisonhälfte ausreichend Chancen, sich zu zeigen.

Cheftrainer Christian Titz, der nach seinem Amtsantritt einen unvergleichlichen Höhenflug aus dem Tabellenkeller organisiert hat, setzte kaum auf Beck – und sah in seinen Planungen nun offensichtlich gar keinen Platz mehr für den Routinier. Auch das muss respektiert werden. Schließlich lag Titz beim FCM bislang fast immer richtig.

Beck blieb, weil Beck immer blieb

Doch im Fußball geht es manchmal um mehr als um Fakten. Zumindest bei den Fans – und damit bei denen, die den Verein hauptverantwortlich mit Leben erfüllen. Es geht um Gefühle. Es geht um Tradition. Und damit auch um Vergangenheit. Gerade beim 1. FC Magdeburg.

Christian Beck hat den FCM zu zwei Aufstiegen geführt: von der vierten in die dritte Liga und von der dritten in die zweite Liga. Er war dabei nie Mitläufer, sondern immer Leistungsträger. Nicht nur einmal hätte er den Verein verlassen können. Nach dem Abstieg aus der zweiten Bundesliga zum Beispiel. Zehn Tore und sechs Vorlagen waren ein prima Bewerbungsschreiben.

Doch Beck blieb, weil Beck immer blieb. Weil ihm die Ligazugehörigkeit des FCM ziemlich egal war. Es ist nicht gewagt, zu behaupten: Hätte sich der Klub in dieser Saison nicht mehr vor dem Abstieg gerettet, wäre Christian Beck mit ihm in die Regionalliga gegangen.

Christian Beck (Mi.,1. FC Magdeburg)
Von den Fans umjubelt: Christian Beck nach dem Zweitliga-Aufstieg 2018. Bildrechte: IMAGO

Wird der FCM den Beck-Abgang noch bereuen?

Doch Treue auf der einen zieht nicht immer auch Treue auf der anderen Seite nach sich. Deshalb muss Christian Beck nach einer schlechten Saison gehen – und mit ihm der letzte Aufstiegsheld einer so erfolgreichen Zeit. Neue Helden müssen geboren werden. Wie schnell das gehen kann, zeigt der Hype um Baris Atik.

Für den FCM bedeutet der Abschied von Christian Beck einen endgültigen Neuanfang, der funktionieren kann. Nur: Es kann auch gut sein, dass der FCM den stillen Abgang der Vereinsikone noch bereuen wird. Zwar gab Beck sein Kapitänsamt im Laufe dieser Saison ab. Und trotzdem war der 33-Jährige immer ein wichtiger Bezugspunkt für seine Mitspieler. Bestes Beispiel: sein einwandfreies Verhältnis zu seinem designierten Nachfolger Kai Brünker. Es sah zuletzt so aus, als hätte Christian Beck seine neue Rolle akzeptiert.

So hätte er als Fels des Zusammenhalts auch in der kommenden Saison noch sehr wichtig für den FCM werden können. Wie sehr solch ein Spieler einer Mannschaft fehlen kann, zeigte sich beim FCM nach dem Abschied von Ex-Kapitän Marius Sowislo. Der war noch einmal ein anderer Typ als Beck. Doch auch der Stürmer hätte solch eine Rolle ausfüllen können.

Auch sportlich hätte Beck mit Sicherheit gerne den Beweis angetreten, dass er als Joker funktionieren kann. Er hätte der Claudio Pizzaro des FCM werden können.

Manchmal fragt man sich, was manche Vereine in dieser abgehobenen Fußballwelt von anderen unterscheidet, obwohl sie Teil davon sind – oder eben nicht unterscheidet. Es sind am Ende auch Entscheidungen in einem Fall wie diesem von Christian Beck. Beim FCM kommt einem da gleich auch die Entlassung von Trainer-Ikone Jens Härtel vor zweieinhalb Jahren in den Sinn.

Christian Beck (1. FC Magdeburg) am Fanblock
Auf einen Abschied ganz nah bei den Fans muss Christian Beck aufgrund der Corona-Pandemie verzichten. Bildrechte: IMAGO

Tausende Fans, die seinen Namen rufen

Und dann wäre da noch die Art des Abschieds. Den wird Christian Beck am 22. Mai im Heimspiel gegen Unterhaching nehmen. Trainer Titz wird ihn einsetzen, das erscheint gewiss. Aller Voraussicht nach werden es sich auch die Anhänger nicht nehmen lassen, ihren "Beckus" außerhalb des Stadions zu verabschieden.

Doch Christian Beck hätte mehr verdient gehabt. Er hätte ein volles Stadion verdient gehabt, tausende Fans, die seinen Namen rufen, Mitspieler, die bei seiner letzten Auswechslung für ihn Spalier stehen. Eine Verlängerung um ein weiteres Jahr hätte ihm das ermöglicht.

Dass es nicht so kommt, dafür kann niemand etwas – außer die Corona-Pandemie. Und dass der Verein darauf keine Rücksicht nimmt, ist auch verständlich im knallharten Fußballgeschäft. Doch als Fußball-Romantiker wünschte man sich manchmal, dass es anders wäre.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt. Bei MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet er seitdem als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Mai 2021 | 19:00 Uhr

53 Kommentare

Tradition1974 vor 4 Wochen

Danke Beckus für alles. Ja, er hat den FCM in den letzten Jahren geprägt und er war nicht zufällig Kapitän. Er war eben ganz gewiss alles andere als ein Söldner. Ich würde ihm und uns wünschen, dass er dem FCM in anderer Funktion erhalten bleibt. Alles Gute Dir und Deiner Familie!
BWG in den Fußballosten

Altmagdeburger vor 4 Wochen

Dieser Artikel hat es auf den Punkt gebracht bet den Abgang von Christian Beck.
Er hat es verdient auf den Breiten Weg als dritt bester Störmer in der Vereinsgeschichte des 1FCM seinen Platz dort zu finden. Ich wünsche es für Ihn sehr, das er dort seinen Platz findet.

Blau-Weisses Herz vor 4 Wochen

Der Artikel war gut und die Beiträge haben alles beinhaltet. Wir können da nichts mehr ändern..... Aber eines können und müssen wir wenn wir wieder dürfen: Egal mit welchem Verein CB im HKS aufläuft. Wir müssen uns von den Plätzen erheben, ihm und seiner Treue und Verdienste huldigen und ihn hoch leben lassen, ihm auf ewig dankbar sein. Damit zeigen wir was uns ausmacht, was den Club ausmacht und uns Fans von einem Teil der Verantwortlichen unterscheidet. Geld ist nicht alles und lieber Regionalliga als in Liga 2 nur reinen Söldnern huldigen.
BECKUS hau Dich rein für den neuen Verein und nimm einige unfaire Kommentare zu Deinem Leistungsstand oder Alter nicht so ernst. Du bist noch nicht am Ende Deiner Karriere und Du wirst noch viele Tolle Tore machen. Du bist ein toller Typ!!!

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