Kommentar Corona-Quarantäne: Über Sonderregeln für König Fußball

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Obwohl ein Spieler positiv getestet wurde, müssen seine Mitspieler nicht in Quarantäne. In der Fußball-Bundesliga gab es schon einige solcher Fälle. Komisch, schreibt unser Autor. Denn: Für andere Sportarten sind die Regeln offensichtlich strenger.

Fußball Corona
Das Coronavirus wirbelt auch die Sportwelt mächtig durcheinander. Bildrechte: imago images / Vitalii Kliuiev

Manchmal wären Basketballspieler gerne Fußballprofis. Am besten auch noch beim FC Bayern München. Warum? Unter normalen Umständen besonders des Geldes wegen. Wobei: Dass Fußballer generell und Angestellte des deutschen Rekordmeisters ganz speziell wahnwitzig mehr verdienen als so gut wie alle anderen Leistungssportler, daran haben sich alle Beteiligten mittlerweile gewöhnt, was es gewiss nicht besser macht, aber die Empörung flach hält.

Nur in der Corona-Krise, wo es den einen schlechter, den anderen besser, aber uns allen doch anders als sonst geht, da sind doch alle gleich. Da werden Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Sport verdienen, doch genau so behandelt wie ihre Berufskollegen. Oder? Irgendwie überrascht die Antwort – irgendwie aber auch nicht.

Wo sind die gleichen Spielregeln?

König Fußball steht auch in dieser so schweren Zeit mit offensichtlichen Sonderregeln bezüglich der Corona-Quarantäne über allen anderen Sportarten. Obwohl ein Spieler positiv getestet wurde, mussten seine Mitspieler nicht in Quarantäne – in der Bundesliga gab es bereits einige solcher Fälle.

Serge Gnabry
Bayern-Profi Serge Gnabry wurde Ende Oktober positiv auf das Coronavirus getestet. Er musste in Quarantäne – seine Mitspieler nicht. Bildrechte: imago images/Xinhua

Natürlich: Insbesondere das Premiumprodukt des deutschen Fußballs ist ein so großer Wirtschaftsfaktor für das Land wie keine andere nationale Liga oder sportlicher Wettbewerb. Die Bundesliga bewegt sich in finanziellen Sphären, von denen die höchsten Spielklassen im Basketball oder Handball oder Eishockey nur fantasieren können.

Doch sollten gerade dann in der Corona-Krise, wo immer wieder Solidarität und Zusammenhalt gefordert wird, nicht zumindest die gleichen Spielregeln gelten?

"Es wird mit zweierlei Maß gemessen"

Der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) aus Weißenfels hätte am vergangenen Sonnabend in die neue Bundesliga-Saison starten sollen. Doch das Auftaktspiel wurde abgesagt. Zwei Tage zuvor war ein Spieler des Gegners aus Gießen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Team, Trainer und Betreuer begaben sich daraufhin umgehend in freiwillige Quarantäne. Später ordnete das Gesundheitsamt eine 14-tägige Quarantäne an.

So sieht ein verantwortungsbewusster Umgang mit einer solchen Situation aus. Gießens Geschäftsführer Michael Koch störte jedoch ein Punkt: Im Sport werde mit zweierlei Maß gemessen. "Denn auch im Fußball gab es positive Coronafälle. Auch bei Bayern München", sagte Koch im Deutschlandfunk. "Die Mannschaft wurde dort nicht aus dem Verkehr gezogen, es wurde keine 14-tägige Quarantäne der Mannschaft vorgeschrieben."

Gleich am ersten Spieltag der Basketball-Bundesliga mussten mehrere Partien aufgrund von Coronafällen und verordneter Quarantäne abgesagt werden – unter anderem die von Aufsteiger Chemnitz. Bereits im Pokalwettbewerb vor der Saison hatte es den Deutschen Meister Alba Berlin nach mehreren Fällen getroffen.

Auch aus dem Handball gibt es Beispiele, bei denen die Regeln strenger ausgelegt wurden: Die Rhein-Neckar Löwen durften in der Champions League daheim nicht gegen den slowenischen Klub RK Trimo Trebnje antreten, weil ein Teammitglied von Trebnje sich mit dem Virus infiziert hatte – Entscheidung des Gesundheitsamtes. Partien des SC DHfK Leipzig mussten nach einer Vielzahl von Coronafällen ebenfalls verlegt werden. Auch in der zweiten und dritten Handballliga gab es Spielabsagen.

Ermessensspielraum für Gesundheitsämter

Die FAZ startete im Oktober den Versuch zu verstehen, warum für die Fußballer des FC Bayern München offensichtlich andere Regeln gelten. Serge Gnabry war da positiv getestet worden. Seine Mitspieler mussten nicht in Quarantäne. Nach negativen Tests am Mittwochvormittag durften sie am Mittwochabend in der Champions League gegen Atletico Madrid spielen.

Erklärungsversuch: Der FC Bayern nutze zwei Kabinen, trainiere an der frischen Luft und die Spieler seien aufgefordert, abseits des Platzes stets Abstand zu ihren Teamkollgen zu halten und Masken zu tragen. Doch wer sich vor und auch während der Corona-Zeit als Teil einer Sportmannschaft bewegt hat, weiß, dass Abstandsregeln bei allem Willen und funktionierender Theorie in der Praxis immer wieder nicht eingehalten werden.

Fest steht: Über die letztendlichen Quarantäne-Maßnahmen entscheiden die jeweiligen Gesundheitsämter, die bei der Beurteilung einen Ermessensspielraum haben. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts lassen einen Interpretationsspielraum zu. Und eine Betrachtung von Fall zu Fall erscheint so richtig wie wichtig.

Fair ist das alles nicht

Nun kann den Bundesliga-Klubs niemand vorwerfen, dass sie alles probieren, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Nichts anderes versuchen alle anderen professionellen Vereine und Organisationen aller Sportarten.

Und auch kann ihnen niemand vorwerfen, bessere finanzielle und strukturelle Bedingungen zu haben wie beispielsweise Drittliga-Fußballvereine und so Hygienekonzepte besser umsetzen zu können. In der dritten Liga mussten schließlich bereits ganze Teams in Quarantäne und Spiele verschoben werden. Fußball ist also nicht gleich Fußball.

Wirklich fair ist das alles aber nicht. Was bleibt, ist das Gefühl, dass König Fußball – zumindest mit seiner Bundesliga – wieder einmal über allem steht.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. November 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Denkschnecke vor 45 Wochen

Das stimmt doch hinten und vorne nicht. Erstens sind ziemlich viele Klagen gegen Maßnahmen (ohne selber zuverlässige Zahlen zu haben, schätze ich mal: die meisten) von Gerichten bestätigt worden.
Zweitens gibt es nicht "fast jeden Tag", sondern es gab in einer Woche Ende Oktober einige falsch positive Befunde. Die waren ganz offensichtlich, drittens, auf eine unprofessionelle Probennahme zurückzuführen. (Dazu kann man sich in der Tat einige Gedanken machen, wie da für die Volksbelustigung öffentliche Ressourcen in Laboren vergeudet werden.) Dass der PCR-Test unzuverlässig sei, ist eine Legende, die schon seit mindestens drei Monaten widerlegt ist.

Hans I vor 45 Wochen

Auch hier gilt scheinbar wer das Geld hat schafft an. Diese Sonderregeln spaltet nicht nur die Sportwelt sondern auch die Gesellschaft. Dieser Loppyismus des Fussballs muß aufhören. Die Fussballfans sind hier gefordert und müßen dem Fussball die rote Karte zeigen. Die Fussball-Globalisten müßen wissen das Sie sich nicht außerhalb der Gesellschaft stellen können. Sie können sich Museen bauen, sich in einem Götzenkult in der Hall of Fame verewigen aber man sollte es nicht zulassen das die Sonderprivilegierten auch noch über Gesundheitsregeln hinwegsetzen.

jackblack vor 45 Wochen

Fussball und GELD gehören zusammen - Sport als solcher ist doch UNWICHTIG.
Da sieht man DEUTLICH , dass Fussball IMMER bevorzugt wird.