Neues vom Krügel-Platz | Folge 28 Taktik-Experte erklärt: So jagt der FCM seine Gegner

Daniel George
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Der 1. FC Magdeburg steht nicht nur in der Drittliga-Tabelle ganz oben: Von allen Klubs im deutschen Profi-Fußball weist der FCM auch die höchste Pressingintensität auf. Wie das einzuordnen ist, erklärt Taktik-Experte Jeremy Buß im Podcast.

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MDR SACHSEN-ANHALT Mo 14.02.2022 17:00Uhr 36:23 min

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Fans des 1. FC Magdeburg kennen ihn längst als den Taktik-Experten im Umfeld des Drittligisten: Jeremy Buß veröffentlicht unter dem Namen "Virtualfootball Magdeburg" regelmäßig Statistiken und Taktikanalysen rund um den Spitzenreiter der 3. Liga.

Im MDR-Podcast "Neues vom Krügel-Platz" widmet er sich mit Moderator Daniel George einem zentralen Faktor des Spiels: dem Pressing. Denn in dieser Kategorie spielt der FCM statistisch gesehen im deutschen Profifußball ganz oben mit.

Folge 28 von "Neues vom Krügel-Platz" in der Übersicht:

Das Spitzenspiel gegen Kaiserslautern in der Analyse – ab Minute 02:00

Mit 2:2 trennte sich der 1. FC Magdeburg im Drittliga-Spitzenspiel von seinem ärgsten Verfolger im Aufstiegskampf, dem 1. FC Kaiserslautern. Im Podcast analysieren Buß und George die Partie. Außerdem wirft der Taktik-Experte einen Blick voraus auf taktische Änderungen, die im Falle eines Zweitliga-Aufstiegs womöglich notwendig wären.

Wie der FCM seine Gegner jagt – ab Minute 06:30

Pressing – das ist ein im Fußball gerne genutzter Begriff, der jedoch nur selten vergleichbar dargestellt wird.

In der Folge erklärt Taktik-Experte Jeremy Buß die wichtigsten Parameter:

"Der PPDA-Wert gibt an, wie viele Pässe der Gegner durchschnittlich spielen kann, bevor man eine Verteidigungsaktion wie eine Grätsche oder einen Zweikampf startet.

Desto niedriger der PPDA, umso höher die Presseingintensität. Dieser Wert wird nur im Mittelfeld und dem gegnerischen Drittel gemessen, da im eigenen Defensivdrittel sowieso attackiert wird.

Die Challenge Intensity gibt die Anzahl an Defensivaktionen pro Minute des gegnerischen Ballbesitzes an. Desto höher der Wert, umso höher die Pressingintensität. Wichtig: Hier wird noch kein Pressingerfolg, sondern lediglich die Intensität angegeben."

Grafik zur Pressingintensität der mitteldeutschen Profi-Klubs
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Balleroberungen – ab Minute 10:30

"Setzt Pressingaktivität mit offensiven Balleroberungen ins Verhältnis. Desto weiter ein Team in der Grafik rechts steht, umso mehr offensive Balleroberungen pro Spiel gibt es.

Bereich A bedeutet also: geringes Pressing, wenige Balleroberungen. Die Teams lassen den Gegner gewähren und ziehen sich weit zurück.

Bereich B bedeutet: Geringes Pressing, viele Balleroberungen. Durchschnittlich tief stehend bei gegnerischem Ballbesitz, aber situatives Gegenpressing beispielsweise bei Standards mit hoher Erfolgsquote. Das ist eine große Stärke von Union Berlin.

Bereich C bedeutet: starkes Pressing, wenige Balleroberungen. Mangelnder Erfolg trotz starkem Pressings.

Und Bereich D bedeutet: starkes Pressing, viele Balleroberungen. Teams wie RB Leipzig sind zum Beispiel enorm stark in der Effektivität des Pressings."

Grafik zur Pressingintensität der mitteldeutschen Profi-Klubs
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Lange Bälle – ab Minute 16:30

"Darstellung des Anteils an langen Bällen am gesamten Passspiel. Zwickau spielt beispielsweise fast jeden fünften Pass hoch und weit, während der FCM weitgehend auf lange hohe Bälle verzichtet und diese nur für diagonale Seitenverlagerungen verwendet.

Teams mit großgewachsenem Mittelstürmer wie Rostock greifen eher zu langen Bällen. Außerdem lässt sich ableiten, dass geringeres Pressing durchschnittlich dazu führt, dass mehr hohe Bälle gespielt werden."

Grafik zur Pressingintensität der mitteldeutschen Profi-Klubs
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Druckverhältnisse – ab Minute 19:30

"Vergleich, wie stark Teams pressen und welches Pressing sie von den Gegnern erhalten. (PPDA against) Der FCM presst beispielsweise stark, aber die Gegner agieren zurückhaltender auf den Ballbesitz des Clubs und ziehen sich eher zurück. Aue und Zwickau zählen zu den Teams, die Gegner am liebsten unter Druck setzen und hoch anlaufen."

Grafik zur Pressingintensität der mitteldeutschen Profi-Klubs
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Spielfeldominanz – ab Minute 21:30

"Hohes Pressing plus viel Ballbesitz sorgt für eine hohe empfundene Raumdominanz und Druck auf dem Spielfeld. Der FCM ist eines von nur drei Teams im Profifußball mit über 60 Prozent Ballbesitz und spielt von diesen Teams auch noch das intensivste Pressing.

Union Berlin neigt dazu, dem Gegner das Spielgerät zu überlassen und zieht sich tiefer in die eigene Hälfte zurück. Zwickau und RB Leipzig pressen ähnlich stark, jedoch hat RB wesentlich mehr Ballbesitz. Das ist darauf zurückzuführen, dass der FSV schlechtere Erfolgsquoten bei offensiven Ballgewinnen hat und wesentlich mehr hohe lange Bälle spielt, die traditionell ungenauer sind als kurze Pässe."

Grafik zur Pressingintensität der mitteldeutschen Profi-Klubs
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Systemstabilität – ab Minute 27:30

"Die Kennzahlen expected goals (xG) und expected points (xPts) sind sinnvolle Hilfsmittel um die Performance von Teams auf dem Platz unabhängig des Spielergebnisses zu untersuchen. Bei den xG wird vor jedem Schuss auf das Gegnertor eine Trefferwahrscheinlichkeit in dieser Spielsituation zugeordnet, der Wert liegt also zwischen 0 und 1. Einbezogen werden dabei Parameter wie die Position, der Winkel, die Geschwindigkeit oder der Gegnerdruck.

Auf einzelne Spiele haben derartige Werte eher eine geringere Aussagekraft, über einen längeren Zeitraum betrachtet ist der Stellenwert deutlich größer. Schießt ein Team beispielsweise deutlich mehr Tore als es der aufsummierte xG-Wert aussagt, so können das Hinweise auf eine überdurchschnittliche Chancenverwertung, aber auch auf Spielglück und die damit verbundene 'Überperformance' sein.

Das bedeutet, dass man erwarten kann, dass das Team bisher verhältnismäßig 'zu viele' Tore geschossen hat und sich dieser Wert in den kommenden Saisonphasen senken könnte. Man sieht: Einzelne Daten geben fast nie Aufschluss darüber, wie erfolgreich ein Team spielt, sondern sie stellen in erster Linie Anreizpotenziale zur Analyse und Verbesserung der Leistungen dar.

Grafik zur Pressingintensität der mitteldeutschen Profi-Klubs
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Wenn die Differenz aus erwarteten Toren und erwarteten Gegentoren größer als 0 ist, zeigt es, dass sich eine Mannschaft bessere Abschlusssituationen erarbeitet als es dem Gegner zulässt.

Auch hier bietet sich der Vergleich von Teams mit ähnlichem PPDA-Wert an, um analysieren zu können, was diese Teams mit ähnlicher Herangehensweise unter Umständen besser machen. Beispielsweise hat Dynamo Dresden von allen Teams mit einem PPDA-Wert von ca. 9 das schlechteste Verhältnis bei der Chancenauswertung im Profifußball."

Wo der Podcast zu hören ist

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MDR (Daniel George)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. Februar 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

HKS Dauerkarte vor 26 Wochen

Noch eine 2. Sache für Dome am Mittwoch: mir ist aufgefallen, dass beim "Tor des Monats" in letzter Zeit viele Tore vorgeschlagen werden die aus dem Bereich der Mittel-Linie erzielt wurden. Was kann man tun? Viele Grüße an Dome. Er ist ein Top Torwart. Danke.

HKS Dauerkarte vor 26 Wochen

Demnach steht Dünnemo in der Tabelle zu gut da. Wir werden sehen.

Meiner Meinung nach, spielt der FCM eine Art "Pressingfalle". Das hinten Herumgespiele unter Einbeziehung des Lieberotorwarts soll den Gegner in das Pressing locken. Dadurch schiebt der Gegner nach vorn und hinten entstehen Räume für unseren schnellen Tempogegenstöße. Klappt nicht immer, aber oft. Viktoria Köln war die erste Mannschaft in der Saison, die unsere letzte Abwehrreihe nicht attackiert hat. Dadurch war Tobi Müller meiner Meinung nach irritiert, was zur roten Karte führte. Saarbrücken hat das genauso gemacht. Nur jetzt haben wir auch dafür schon Lösungen.

Passt jetzt nicht ganz zum Thema, aber woanders passt es gar nicht hin.

Schonmal den Begriff "Pressingfalle" oder habe ich den gerade erfunden?



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