Ski Nordisch | Junioren-WM in Oberwiesenthal Junioren-Weltmeisterin Jenny Nowak, Eric Frenzel und der Druck

Bei der Junioren-Heim-WM in Oberwiesenthal hat Kombiniererin Jenny Nowak das erste Gold für die deutsche Mannschaft geholt. Der Sächsin steht eine große Karriere in einer noch ganz jugen Sportart bevor – auch wegen ihrer mentalen Stärke.

Jenny Nowak
Jenny Nowak Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Es war alles angerichtet, um diesem Rennen und der neuen Junioren-Weltmeisterin in der Nordischen Kombination die angemessene Aufmerksamkeit zu geben - im Langlauf wurde die nach NoKo-Ikone Eric Frenzel benannte 2,5-Kilometer-Schleife gelaufen, der sechsfache Olympia-Medaillengewinner himself war im Stadion, ebenso wie Ulrich Wehling, dreifacher Olympiasieger und 67-jährige Kombinierer-Legende aus Oberwiesenthal.

Nowak lieferte ab – und wie!

Alles war angerichtet - und alle Augen ruhten auf ihr: Jenny Nowak. 17 Jahre, Kombinierer-Ausnahmetalent vom Skiinternat Klingenthal. Nach Mannschafts-Silber bei der Junioren-WM-Premiere 2019 und Bronze bei Junioren-Olympia im Januar diesen Jahres sollte bei der Heim-WM der erste große Titel her.

Und Nowak lieferte ab. Lieferte beeindruckend ab. Beim Skispringen landete sie den wohl besten Sprung der Saison und ging schon mit 26 Sekunden Vorsprung in die Loipe. Dort vergrößerte die laufstarke Sächsin die Lücke zur Konkurrenz sogar und siegte überlegen. "Die letzten 1,5 Kilometer konnte ich das Rennen sogar genießen", berichtete Nowak im Ziel und jubelte: "Es freut mich mega. Ich wusste, dass es die Chance, zu Hause in Sachsen bei einer Junioren-WM zu laufen, vermutlich nie wieder geben wird. Dass ich es heute auf den Punkt gebracht habe, macht mich sehr glücklich."

Heimtrainer Schuricht: „Sie kann sich top konzentrieren“

"Sie hat heute Nervenstärke gezeigt. Mit der besten Leistung der ganzen Saison. Das zeugt von Klasse". Etwas abseits vom Trubel der Siegerehrung steht Nowaks Heimtrainer Uwe Schuricht und kämpft immer wieder mit den Tränen. Schuricht betreut Nowak seit fünf Jahren in Klingenthal und ist jetzt, kurz nach dem Zieleinlauf überwältigt. "Sie ist ein ganz feines Mädel. Und, dass sie sich bei wichtigen Wettkämpfen auf den Punkt top konzentrieren kann, ist ein Merkmal von ihr."

Durchwachsene Saison

Dabei lief es in dieser Saison eigentlich nicht so richtig für die dreifache deutsche Meisterin. Vor allem mit dem Springen hatte Nowak so ihre Probleme. Im Continentalcup lief die erfolgsverwöhnte Nowak in diesem Winter nur einmal aufs Podest, bei der JWM-Generalprobe in Eisenerz lief sie nur auf Platz elf. Dass sie wie von Schuricht beschrieben auf den Punkt vorn dabei sein kann, zeigte sie dann im Januar bei den Olympischen Jugendspielen in Lausanne mit Rang drei. "Der WM-Titel ist aber noch höher einzustufen", so Schuricht.

Eric Frenzel: "Ich bin begeistert"

Lobeshymnen auf Nowak, in die auch Eric Frenzel einstimmt: "Ich bin begeistert. Bei einer Heim-Junioren-WM, bei der sie auch noch WM-Botschafterin ist, dem Druck standzuhalten und zu gewinnen. Das zeugt von großer Klasse." Nowak selbst, die seit sechs Jahren Skispringen und Langlauf betreibt und in Klingenthal mit den Jungs von der Schanze geht, ganz cool: "Alle haben gesagt, ich solle ganz locker bleiben. Da habe ich mir einfach keinen Druck gemacht. Die WM hat mich eher beflügelt."

Frenzel und Nowak – Treffen der Generationen bei der WM 2021?

Wenn sich Nowak durch Heim-Weltmeisterschaften beflügeln lässt, können sich die deutschen Kombinierer-Fans nochmal mehr auf das Jahr 2021 freuen. Dann steht in Oberstdorf die Nordische Ski-WM an. Und in der Nordischen Kombination könnte es zum "Treffen der Generationen" kommen. Die Chancen stehen gut, dass der dann 32-jährige Frenzel und die 18-jährige Nowak gemeinsam bei der WM-Premiere des Mixed-Wettkampfes am Start stehen.

Frenzel: "Der richtige Schritt"

Frenzel freut sich schon auf das Szenario: "Wir waren die letzte Männer-Domäne. Es ist aber der richtige Schritt, dass die Frauen bei Großereignissen dabei sind. Das Rennen der Frauen heute hat gezeigt, dass die Frauen in der kurzen Zeit eine tolle Entwicklung gemacht haben." Für Frenzel könnte das WM-Mixed das Ende einer großen Sportlerkarriere sein - bis zur WM 2021 will er auf jeden Fall weitermachen. Für Nowak könnte das Rennen der Beginn einer glanzvollen Karriere sein. Dass sie mit dem Druck umgehen kann, hat sie ja bereits jetzt in Oberwiesenthal gezeigt.

Über dieses Thema berichtet der MDR ab 29. Februar 2020 täglich bei MDR Aktuell und MDR Aktuell - Das Nachrichtenradio. MDR | täglich 29.02. bis 08.03.2020 |

Dieses Thema im Programm: 04. März 2020 | 15:00 Uhr

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