Ski Nordisch | Junioren-WM in Oberwiesenthal Kombinierer-Chef Buchner: "Weltcupniveau bei der Junioren-WM"

Die deutschen Nordischen Kombinierer sind seit Jahren in der Weltspitze vorn dabei. Gilt das, wenige Tage vor der Junioren-WM in Oberwiesenthal, auch für den Nachwuchs. Wir sprachen mit Sepp Buchner, dem Sportlichen Leiter der Kombinierer im Deutschen Skiverband, u.a. über einen nicht vorhandenen Heimvorteil und deutsche Medaillenchancen bei der JWM.

Josef "Sepp" Buchner, Sportlicher Leiter Skispringen/Nordische Kombination
Josef "Sepp" Buchner Bildrechte: Deutscher Skiverband

Frage: Wenn Sie der anstehenden Junioren-WM eine Überschrift geben müssten – Welche wäre das?

Männer in einer Gondel
Die Liftanlage an der Schanze bereitet Probleme. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sepp Buchner: "Das fällt schwer, weil wir ja in den vergangenen anderthalb Jahren einige Probleme mit der Infrastruktur vor Ort hatten. Wir haben viel investiert, aber gerade bei der Technik der Liftanlage an der Schanze hat noch nicht alles funktioniert. Die Skisprunganlage konnten wir noch nicht so nutzen. Daher haben wir hier keinen richtigen Heimvorteil. Insgesamt sind wir aber sehr offen und zuversichtlich."

Ist denn sichergestellt, dass die Liftanlage, die die Skispringer auf die Schanze bringt, während der WM funktioniert?

Sepp Buchner: "Ich kann nur hoffen. Jetzt hat Oberwiesenthal nochmal einen Gutachter eingesetzt, das hat gut funktioniert. Ich bin optimistisch."

Sie haben ein durchaus erfahrendes Team mit der Jugend-Olympia-Dritten Jenny Nowak und Weltcupstartern wie David Mach und Luis Lehnert. Auf wen in Ihrem Team sollten wir Zuschauer besonders achten?

Jenny Nowak beim Wettkampf
"Jenny Nowak ist im Damen-Breich unser heißestes Eisen". Bildrechte: imago images/Xinhua

Sepp Buchner: "Definitiv auf Jenny Nowak mit ihrer Bronzemedaille von den Jugend-Spielen. Sie ist im Damen-Bereich unser heißestes Eisen. Im Männer-Bereich haben wir ein paar Probleme gehabt. David Mach hatte einen schweren Sturz zum Weltcupauftakt in Kuusamo und sich dann so um Platz 30 im Weltcup platzieren können. Zuletzt konnten wir ihn aber wieder etwas aufbauen. Nick Siegemund hatte gute Ergebnisse im Continentalcup und erlebt ein echtes Heimspiel. Das wird ihn sicher richtig beflügeln. Bei den Männern ist die internationale Konkurrenz aber extrem groß. Doch hier sind wir Titelverteidiger in der Mannschaft. Gespannt bin ich, was uns das Mixed-Team bringen wird. Mal sehen, wer zwei Jungs und zwei Mädels mit gleichem Niveau an den Start bringen kann. Da sind wir sehr gut aufgestellt."

Sie haben die starke internationale Konkurrenz schon angesprochen. Wen sollten die Zuschauer da im Blick haben?

Sepp Buchner: "Im Männer-Bereich sind da echte Hochkaräter am Start. Mit dem Norweger Jens Luraas Oftebro ist der Viertplatzierte des Gesamt-Weltcups dabei, mit Johannes Lamparter einer der starken Österreicher, der schon Top-15-Platzierungen im Weltcup hatte. Zu nennen ist vielleicht noch der Österreicher Stefan Rettenegger, der im Alpen Cup für Furore gesorgt und die Olympischen Jugendspiele gewonnen hat.

Bei den Damen sollte man die Jugend-Olympiasiegerin Lisa Hirner und die Zweitplatzierte Japanerin Ayane Miyazaki im Blick haben. Dazu kommen starke Norwegerinnen, Österreicherinnen und Italienerinnen."

Wo erwarten Sie am ehesten eine Medaille für das deutsche Team?

David Mach
David Mach - einer der deutschen Medaillenfavoriten. Bildrechte: imago images/GEPA pictures

Sepp Buchner:  "Mit Jenny Nowak sind wir heiß auf eine Einzel-Medaille. Im vergangenen Jahr war sie schon eine der Favoritinnen. Wegen Erkrankungen war sie in Lahti aber nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Dieses Jahr schaut es anders aus. Bei den Männern sind David Mach und Luis Lehnert unsere heißesten Eisen. Eine Einzelmedaille ist immer unser Ziel. Aber wenn die Männer eine Top-6-Platzierung holen, nehmen wir sie auch. Momentan muss alles passen, um ganz nach vorn reinzukommen."

Im Weltcup haben die Deutschen vor allem an der Schanze so ihre Probleme gegen die starke internationale Konkurrenz. Ist das auch schon im Juniorenbereich so deutlich zu spüren?

Sepp Buchner: "Ja, die Tendenz gibt es. Die Norweger geben das Niveau im Springen an. Mit Luuras Oftebro wird das Sprungniveau so hoch sein wie im Weltcup. Aber wir haben bereits im vergangenen Jahr bei der JWM gezeigt, dass wir über gute Vorbereitung und gutes Material selbst die besten Springer sein können."

Auch wenn Sie den Heimvorteil der Schanze bisher noch nicht richtig austesten konnten. Was ist denn das besondere an einer Heim-WM für Ihre Sportler?

Sepp Buchner: "Das ist ein zweischneidiges Schwert. Im hohen Norden in Lahti sind nur die engsten Familienangehörigen dabei. Bei einer Heim-WM werden viele begeisterte Anhänger da sein. Das wird teilweise Kräfte freisetzen, wird aber teilweise auch nicht einfach sein. Da liegt es an uns Coaches, dafür zu sorgen, dass die Heim-WM nicht zur Last wird sondern beflügelt."

Was sollte bei der JWM passieren, damit Sie nach der WM sagen: Das war eine gute JWM in Oberwiesenthal?

Sepp Buchner: "Da geht es nicht um Medaillen. Da geht es um die Verbesserung der individuellen Leistungsfähigkeit, dass wir Hebel umlegen, dass wir Leistungsreserven herauskitzeln. Die Junioren-Weltmeisterschaft ist nicht der Höhepunkt einer Karriere, sondern der Beginn. Wenn es uns gelingt, Höchstleistungen abrufen zu können, dann war es eine super WM. Und wenn wir Höchstleistungen abrufen können, wird es auch Medaillen geben."

Vielen Dank für vdas Gespräch

Das Interview führte Dirk Hofmeister

Über dieses Thema berichtet der MDR ab 29. Februar 2020 täglich bei MDR Aktuell und MDR Aktuell - Das Nachrichtenradio. MDR | täglich 29.02. bis 08.03.2020 |

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 01. März 2020 | 16:30 Uhr

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