Sport | Coronavirus-Pandemie Wie laufen die Impfungen in mitteldeutschen Profiklubs ab?

Nach über einem Jahr mit Dauertestreihen und in Corona-"Blasen" können Impfungen von Athleten die Rückkehr in den Alltag ebnen. Doch wie organisieren mitteldeutsche Profiklubs diesen Schritt? "Sport im Osten" hat bei einigen nachgefragt.

SC-DHfK-pROFI Lucas Krzikalla bei seinem Covid-Impftermin (mi.). Mit dabei: Geschäftsführer Karsten Günther.
SC-DHfK-Profi Lucas Krzikalla (mi.) bei seiner Covid-Erstimpfung vor wenigen Wochen. Bildrechte: SC DHfK Leipzig

Die Sehnsucht nach Normalität ist groß. Nur mit aufwendigen und kostspieligen Hygienekonzepten konnten Profivereine in der vergangenen Saison den Spielbetrieb durchführen. Nun winkt mit der aufgehobenen Impfpriorisierung die Chance, die eigenen Spieler und Klubangestellten noch besser zu schützen, Erleichterungen im Umgang untereinander zu schaffen und nebenbei auch die zwischenzeitlich so zahlreichen coronabedingten Spielabsagen zu reduzieren. Dafür nutzen viele mitteldeutsche Spitzenklubs nun die Saisonvorbereitung. "Sport im Osten" hat sich umgehört, entdeckte Vorbilder und durchaus auch Unterschiede.

DHfK-Handballer und MBC-Basketballer machten den Anfang

Geschäftsführer Karsten Günther, SC DHfK Leipzig
Karsten Günther, Geschäftsführer des SC DHfK Leipzig. Bildrechte: imago images/Picture Point LE

Zu den ersten Ostvereinen, die alle Spieler geimpft haben, gehören Handball-Bundesligist SC DHfK Leipzig und Basketball-Erstligist Syntainics MBC. Während bei den Weißenfelsern alle zugelassenen Vakzine zum Einsatz kamen und die Impfungen bereits vollständig absolviert sind, nutzte der SC DHfK fast ausschließlich AstraZeneca. Nur Nationalspieler Philipp Weber bekam den Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson. Die erste Spritze für die Leipziger gab es am 11. Mai, die zweite ist pünktlich vorm Start in die Sommervorbereitung Mitte Juli geplant. Dieser Zeitpunkt ist für viele Klubs sinnvoll, weil anschließend drei Tage kein Leistungssport empfohlen wird.

"Gerade unsere Sportler, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle treffen in ihrem Berufsalltag auf viele Kontakte. Es gibt uns ein gutes Gefühl, dass wir durch diese Maßnahme bestens geschützt sind und von uns kein Übertragungsrisiko mehr ausgehen kann", sagt DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther. Er verrät im Gespräch mit dem MDR: "Die Spieler hätten den Impfstoff selbstverständlich auch ablehnen können, aber es haben alle unser Angebot genutzt. Die Folgen wären aktuell noch unklar gewesen, aber sicherlich würde es ohne Impfungen ein erhöhtes Testaufkommen während der neuen Saison brauchen." Der MBC hofft ebenfalls, dass die nächste Spielzeit so "möglichst reibungslos" durchführbar ist.

Dynamo Dresden plant Impfungen ab Mitte Juni

Trainer Alexander Schmidt, gestrikulierend am Spielfeldrand
Dynamo-Trainer Alexander Schmidt. Bildrechte: imago images/Eibner

Von den Fußballklubs geht Dynamo Dresden mit einem konkreten Impfangebot voran. Trainer Alexander Schmidt kündigt an: "Nach drei Wochen Urlaub starten wir um den 14. Juni mit Leistungsdiagnostik und Impfen. Da geht es nur noch um die einzelnen Termine." Erzgebirge Aue gibt wohl eine Impfempfehlung für die Profis ab, will sich wie RB Leipzig aber sonst nicht äußern.

HFC will Profis unterstützen

Bei Drittligist Hallescher FC können sich die Spieler selbst in individueller Absprache mit und über Teamarzt Dr. Thomas Bartels um Impftermine bemühen. Sollten zum Trainingsauftakt nicht alle an ein Vakzin gekommen sein, würde der Klub die betreffenden Profis dann einzeln unterstützen. "Die Impfung ist eine sehr persönliche Entscheidung jedes einzelnen", betont der Verein: "Der Hallesche FC berät und begleitet alle Spieler beim Thema Corona-Impfung durch seine medizinische Abteilung."

Dr.Thomas Bartels, Mannschaftsarzt Hallescher FC
HFC-Mannschaftsarzt Dr. Thomas Bartels. Bildrechte: imago images/Fotostand

Auch Regionalligist Chemnitzer FC ist bemüht: "Nach der nun aufgehobenen Impfpriorisierung prüfen wir derzeit die Möglichkeit eines zentralen, freiwilligen Impftermins für unsere Mannschaft. Alternativ können sich die Spieler auch privat um einen Impftermin bemühen. Eine Vorschrift für bestimmte Impfstoffe oder eine generelle Impfpflicht planen wir nicht", teilten die "Himmelblauen" mit.

Keine zentrale Teamimpfung bei den Dresdner Eislöwen

Im Eishockey ist der Stand der Vereine bisher verschieden. Die Dresdner Eislöwen geben an, dass ein Termin zur Impfung der Profitruppe "derzeit nicht geplant ist", stattdessen liege die Entscheidung wie bei allen anderen Bürgern auch in privaten Händen. Bei DEL2-Konkurrent Crimmitschau sind bereits einige Spieler immunisiert.

Spielvorbereitung der Dresdner Eislöwen
Die Dresdner Eislöwen vor einer DEL2-Partie in der heimischen Arena. Bildrechte: imago images/Hentschel

"Weitere Planungen und Ausführungen von Impfungen folgen dann gegen Ende Juli, quasi einen guten halben Monat vor dem Start der Vorbereitung in die neue Spielzeit", teilen die Eispiraten mit. Den Puckjägern steht dort Biontech und Moderna zur Verfügung, wobei ein bestimmter Impfstoff abgelehnt werden kann.

Finanzieller Aspekt kann auch eine Rolle spielen

Neben dem Gesundheitsschutz entlasten Impfungen die Vereine auch wirtschaftlich. Durch wöchentlich notwendige PCR-Testreihen entstanden einigen Klubs in der letzten Saison Kosten, die teils im unteren sechsstelligen Bereich lagen. Gerade für Fußball-Drittligisten oder auch bei höherklassigen Profiklubs anderer Sportarten sind das einige Monatsgehälter von Spielern. Die Reduzierung oder Aufhebung von Testpflichten würde gerade diesen Vereinen wieder mehr Luft zum Atmen schaffen.

Dieses Thema im Programm: Sport im MDR AKTUELL Nachrichtenradio | 11. Juni 2021 | 11:40 Uhr

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