"SpiO"-Talk Coronavirus: Biathlet Erik Lesser sieht "existenzbedrohende Lage"

Die Coronakrise hat nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Sportwelt in ihren Grundfesten erschüttert. Viele Vereine und Athleten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Auch die Austragung der Olympischen Spiele im Sommer in Tokio steht im Zuge der Krise zur Diskussion. Im "SpiO“-Talk" haben wir mit Biathlet Erik Lesser und MDR-Reporter Thomas Kunze über die aktuelle Situation gesprochen.

"SpiO-Talk" mit Linda Striebing und Thomas Kunze - am Handy Erik Lesser 18 min
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Fr 20.03.2020 12:08Uhr 18:26 min

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Ob die Olympischen Spiele 2020 wie geplant stattfinden können, steht derzeit noch in den Sternen. Bis jetzt halten die Organisatoren aber an ihren Plänen fest. Geht es nach MDR-Reporter Thomas Kunze, kann es nur eine Entscheidung geben: "Niemand kann sich im Weltsport aktuell vorstellen, dass die Spiele im Sommer stattfinden", so der ehemalige Volleyball-Profi, der vor allem die organisatorische Komponente betonte: "Die ’Olympia-Maschine’ ist so groß. Es musste bereits im Vorfeld der Spiele einiges abgesagt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das IOC das alles aufholen kann."

"Muss bald eine finale Entscheidung geben"

Vor allem für die Athleten gestaltet sich die derzeitige Situation schwierig. Schließlich haben viele Sportler ihre Qualifikation für die Spiele noch nicht sicher und sind durch die Coronakrise in ihrem Training massiv eingeschränkt. "Jeder muss irgendwie auf seine Art und Weise auf die Situation reagieren", benennt Kunze die Problematik: "Deshalb braucht man erst einmal einen aktuellen Fahrplan. Es muss bald eine finale Entscheidung geben".

Ähnlich sieht es auch Biathlet Erik Lesser, der per Videoschalte aus der Reha am Tegernsee zugeschaltet war: "Ich will mich aktuell nicht in die Lage der Sommersportler hineinversetzen", so der 31-Jährige: "Wenn deine Qualifikation für die Olympischen Spiele noch nicht durch ist, ist es natürlich besonders bitter und vor allem existenzbedrohend."

Lesser gibt sich optimistisch

Auch für den zweifachen Biathlon-Weltmeister hat sich einiges geändert. So gibt es in der Reha Essen nur noch auf’s Zimmer und auch im Kraftraum ist nur noch eine begrenzte Anzahl an Athleten erlaubt. Das im Mai startende Training für die anstehende Biathlon-Saison sieht Lesser aktuell aber nicht gefährdet: "Wir sind ja in der guten Lage, dass man alleine Fahrrad fahren oder Joggen gehen kann. Vor allem in Oberhof ist das gut möglich, da es am Schießstand kein Problem ist, drei Meter Abstand zu halten." Nicht nur aus diesem Grund ist der gebürtige Thüringer zuversichtlich, was die Zukunft angeht: "Ich bin optimistisch, dass die ganzen Einschränkungen im Sommer wieder abgebaut werden und Normalität einkehrt."    

Wie sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Fakt ist aber, dass die Krise den Sport auch zukünftig weiter belasten wird, wie Kunze festhält: "Da werden weiterhin ganze Mannschaften und Vereine in Quarantäne gehen. Deshalb wird es auch länger keinen Wettbewerb mehr geben." Dabei stehen vor allem finanzielle Aspekte der Vereine im Vordergrund, durch die "es ganz schwer für die Vereine wird".

Sächsische Topvereine schließen sich zusammen

Um der aktuellen Situation entgegenzuwirken, haben sich am Donnerstag (20.03.2020) 21 Topvereine des Freistaates Sachsen in der Initiative "Teamsport Sachsen" zusammengeschlossen. Damit soll kurzfristig das Know-how ausgetauscht werden, um die Interessen des Sports effektiv zu bündeln und die Behörden und Entscheidungsträger als Ansprechpartner zu entlasten. Dabei geht es laut Kunze letztlich darum, "als organisierter Sport mit einer Stimme zu sprechen". Schließlich könnten einzelnen Vereine nicht einfach so einen Termin bei der Regierung bekommen.

Dass die aktuelle Gesamtlage eine Vielzahl an Unsicherheiten mit sich bringt, steht fest. Wohl auch die Tatsache, dass die Veranstalter der Olympischen Spiele vorerst weiterhin an ihren Planungen für das Mega-Event festhalten werden. Fakt ist aber auch, dass sich die Stimmen gegen eine Austragung der Spiele bei den Profi-Sportlern von Tag zu Tag mehren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 20. März 2020 | 17:45 Uhr