Themengrätsche Schiedsrichter Sather über Geisterspiele: "Das ganze Theater im Stadion fehlt uns"

Er ist der ranghöchste Schiedsrichter Mitteldeutschlands: Alexander Sather vom FC Grimma. Der 33-Jährige pfeift in der 2. Fußball-Bundesliga und ist Videoschiedsrichter in der Bundesliga. In der "Themengrätsche", dem Sport-im-Osten-Podcast, sprechen wir mit ihm unter anderem darüber, wie sich seine Arbeit als Referee durch die Geisterspiele verändert hat.

Wir erreichen Alexander Sather telefonisch im Auto. Er ist auf dem Weg zu einer Corona-Testung vor einem Bundesligaspiel an diesem Wochenende. Diese Testungen sind für alle Schiedsrichter obligatorisch. "Das Hygienekonzept ist gradlinig", sagt Sather. "Wir werden der Sache gerecht und wir sind dankbar, dass wir unsere Arbeit wieder ausüben dürfen."

Druck durch die Zuschauer fehlt

Am vergangenen Wochenende ging Sather zum Beispiel seiner Arbeit im leeren Leipziger Stadion nach. Er war Vierter Offizieller bei der Bundesliga-Partie zwischen RB und dem SC Paderborn. Und natürlich ist jetzt durch Corona alles anders: "Die Arbeit hat sich verändert", sagt Sather. "Der Druck der Zuschauer, das Theater im Stadion – das alles ist nicht mehr da und das fehlt uns. Inzwischen hat man sich aber dran gewöhnt". Und trotzdem gibt Sather auch zu: Anhand der Lautstärke der Fans habe man auch immer gemerkt, ob man richtig gepfiffen hat oder eher nicht. "Jetzt muss man sich andere Indikatoren suchen, um zu merken, wie sicher komme ich durch das Spiel."

Alexander Sather
In der Bundesliga ist Sather auch als Vierter Offizielller am Spielfeldrand tätig. Bildrechte: imago images / Poolfoto

Sather auch als VAR im Kölner Keller tätig

Aber wie kommen die ganzen Entscheidungen eigentlich zustande? Zum Beispiel, wenn Sather an der Seitenlinie steht, wie zuletzt in Leipzig und Paderborns Coach Steffen Baumgart verhält sich nicht so, wie er sollte. Inwieweit berücksichtigt Sather einen Faktor wie Emotionalität, der doch zum Fußball gehört, und gerade bei einer Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpft wie Paderborn? Sather bewertet das nüchtern: "Es wäre falsch zu sagen, bei dem einen toleriere ich ein gewisses Verhalten, weil die gegen den Abstieg kämpfen – und bei den anderen nicht, weil es bei denen nur um Tabellenrang zehn geht."

Sather ist auch regelmäßig in Köln im "Keller" im Einsatz als Videoschiedsrichter. Bei Trainern, Spielern und Fans ist das Hilfsmittel ja auch im dritten Bundesliga-Jahr immer noch umstritten. Eingriffe sind teils nicht nachvollziehbar, Entscheidungen trotz klarer Bilder falsch. Einzige Ausnahme: Abseits. "Da haben sich die Diskussionen komplett geglättet", sagt Sather. Bei den anderen Punkten – Elfmeter, persönliche Strafen – da werde es noch dauern mit der Akzeptanz: "Der Prozess hat begonnen", so Sather, "aber die Leute wollen ja auch diskutieren".

Alexander Sather
Alexander Sather Bildrechte: imago images / Poolfoto

Videobeweis ist wie ein Airbag

Sather möchte den Videobeweis jeden falls nicht missen: "Wir nennen es mal Airbag. Der Airbag verhindert den Unfall nicht, aber er mildert ihn. Und so ist das sinnbildlich bei dem Videobeweis auch. So kann man den Schaden von anderen abhalten." Welche Herangehensweise hat Sather, wenn er als Videoschiri die Szenen am Bildschirm bewertet und wann entscheidet er sich einzugreifen? Wie bewertet er die aktuelle Handspiel-Regel und gibt es bei Schiedsrichtern eigentlich das oft zitierte Fingerspitzengefühl? Das und mehr besprechen wir mit Alexander Sather in unserem Podcast.

Themengrätsche - Der "Sport im Osten"-Fußballpodcast

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Dieses Thema im Programm: MDR+ | "Themengrätsche" - der "Sport im Osten"-Podcast | 12. Juni 2020 | 12:45 Uhr

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