Trainingsauftakt in Magdeburg Die neue Bescheidenheit beim FCM

Oliver Leiste
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Der FCM startet in die Saisonvorbereitung – und gibt Bescheidenheit als neue Marschroute aus. Vorgelebt von Trainer Thomas Hoßmang, soll das auch die Mannschaft aufnehmen und eine erneute Zittersaison vermeiden.

Trainer Thomas Hoßmang
Mit Bescheidenheit und klarer Ansprache will Thomas Hoßmang versuchen, alle Spieler beim FCM mitzunehmen. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Auf der Pressekonferenz zum Saisonauftakt beim 1. FC Magdeburg war die Frage nach den Zielen noch gar nicht gestellt worden, da ergriff Sportchef Mario Kallnik schon selbst die Initiative: "Als erstes wollen wir 46 Punkte holen. Solange wir die nicht haben, brauchen wir auch nichts anderes diskutieren." Der Klassenerhalt als oberstes Saisonziel also – so wie in den Drittligajahren unter Jens Härtel, in denen der FCM dann doch immer wesentlich erfolgreicher war. Es ist eine Lehre aus der vergangenen Saison, in der der Club die eigenen Ansprüche allzu offensiv formulierte und am Ende fast abgestiegen wäre.

Glaubhaft und bodenständig

Stattdessen ist nun Bescheidenheit die neue Devise beim 1. FC Magdeburg. Und kaum jemand verkörpert die so wie Trainer Thomas Hoßmang. Der 53-Jährige hatte die Blau-Weißen im Saisonendspurt übernommen und zum Klassenerhalt geführt. Zuvor war er sechs Jahre lang als Trainer der U19 und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums tätig. Wenn er gefragt wird, lächelt er oft etwas verschmitzt. Er nimmt sich Zeit, Dinge zu erklären, verzichtet aber auf große Sprüche. Der Fußball-Lehrer wirkt glaubhaft und bodenständig.

Sein Credo: "Wir müssen alle mitnehmen, wenn wir Erfolg haben wollen." Um das zu erreichen, will er offen und ehrlich kommunizieren. Mit den Spielern, aber auch mit seinem Trainerteam und mit Sportchef Kallnik. Es waren genau diese Eigenschaften, mit denen Hoßmang das Team im Juni für sich gewann. Und die ihn von einer Interims- zur Dauerlösung machten.

Mario Kallnik vor dem FCM-Logo 98 min
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Bedenkzeit aus gesundheitlichen Gründen

Dennoch brauchte der 53-Jährige Bedenkzeit, bevor er sich entschied, den Trainerposten beim FCM dauerhaft zu übernehmen. Schließlich hatte er 2017 einen leichten Schlaganfall – während er im Auto saß. Und als Drittligatrainer ist das Stresslevel ungleich höher als im Nachwuchsbereich. Aber mit viel Sport und gesunder Ernährung versucht Hoßmang auf sich zu achten. Von seiner Familie holte er sich die Zustimmung, bevor er zusagte. Und erklärt: "Ich habe hier ein sehr gutes Trainerteam. Da kann ich viele Aufgaben delegieren. Auch das hat zu der Entscheidung beigetragen."

Hoßmang will hohe Durchlässigkeit

Seine Motivation ist dabei durchaus bemerkenswert. Denn die unterscheidet sich bei einem Thema spürbar von der seiner Vorgänger: dem Nachwuchs. "Mit Petrik Sander, Sören Osterland und Mario Winkler haben wir auch für das Nachwuchsleistungszentrum ein gutes Team. Wir wollen alle zusammen eine hohe Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis hinbekommen" sagt Hoßmang und ergänzt: "Jungs mitzunehmen und zu entwickeln, das ist das Spannende. Und vielleicht können wir in dem Bereich mehr installieren als vorher da war. Deswegen habe ich diese Aufgabe übernommen. Und jetzt gehen wir es an."

Gerade von seinem Freund Sander, unter dem Hoßmang in Cottbus und Jena als Co-Trainer arbeitete, erhofft sich der FCM-Trainer viel. Mit seiner Erfahrung soll der neue Chef der U19-Junioren auch die jüngeren Trainer im Nachwuchsleistungszentrum unterstützen. Zudem sind zusätzliche Trainingseinheiten geplant, um die jungen Spieler des Profiteams sowie die Toptalente der U19 und U17 gezielt zu fördern. Damit noch mehr von ihnen dauerhaft den Sprung in die erste Mannschaft schaffen.

Größe und Geschwindigkeit sind wichtige Faktoren

Auch beim aktuellen Kader spielt das Thema Entwicklung eine wichtige Rolle. Zehn Spieler wurden bislang geholt, hinzu kommen die Nachwuchskräfte Julian Weigel und Tom Schlitter, die vorher schon sporadisch zum Profiteam gehörten. Der aus Halberstadt zurückgekehrte Marvin Temp soll noch abgegeben werden. "Bei den Jungs, die jetzt gekommen sind, haben wir darauf geachtet, dass sie Größe und Geschwindigkeit mitbringen. Und das wir sie noch entwickeln können", erläutert Thomas Hoßmang.

Der Trainer hofft auf eine hohe Identifikation seiner Spieler mit dem Club. "Mit viel Aggressivität wollen wir die Dinge auf dem Platz selbst bestimmen, anstatt hinterherzulaufen." Die vielzitierte Magdeburger DNA, die Leidenschaft und Einsatzwillen mit Zusammenhalt paart, sie soll künftig wieder auf dem Platz zu sehen sein. Aber auch Fleiß und Demut sollen fortan das Auftreten der Magdeburger prägen. Mario Kallnik hat das offensiv eingefordert. Hoßmang lebt diese Grundtugenden vor. Nun ist es an den Spielern,  sie zu übernehmen – um dann vielleicht doch ein paar mehr als die besagten 46 Punkte zu holen.  

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 beim MDR - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. August 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

August vor 11 Wochen

14 Tage Coronapause soweit zum vermeindlichen Neustart. Eine völlig neu zusammengestellte Manschaft muß eingearbeitet werden und die Saison ist in Greifbarer Nähe. Und wie es aussieht werden die Spiele im Leeren Stadion geführt es kann nur Besser werden es müssen nur Toore fallen für den 1FCM.

Kampfbahn1 vor 11 Wochen

Grundsätzlich ein gute Richtung den Nachwuchs stärker in den Fokus zu rücken. Neben der sportlichen individuellen Klasse kommt der sportliche Erfolg auch über mannschaftliche Geschlossenheit. Da kommt ein ehemaliger Nachwuchstrainer gerade recht. Viel läuft auch über die Identifikation mit der gesamten Region, da ist also PR Arbeit angesagt um das sportliche Potential der Region perspektivisch zu binden und die Vereine und deren Nachwuchsspieler zusammen mit den Eltern für den Fcm zu interessieren. Denn warum sollte sonst ein 12jähriger Perspektivspieler aus dem Harz oder Altmark nach Magdeburg wechseln und nicht nach Wolfsburg oder Leipzig? Der Fcm lebt nicht nur von den Magdeburgern selbst sondern der gesamten Region. Das ist manchmal in Vergessen geraten und der einzige Weg für den Verein ohne sich finanziell zu ruinieren sportlich erfolgreich zu sein.

MLink-Berlin vor 11 Wochen

Kann man so unterschreiben 👍😜

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