Mit Stehplätzen und Gästefans Wie der HFC die Rückkehr der Fans plant

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Beim Trainingsauftakt am Dienstag will der Hallesche FC erstmals seit der Coronapause wieder Zuschauer ins Stadion lassen. Es ist ein erster Testlauf für die anstehende Saison. So plant der Club die Rückkehr der Fans.

Fans des Halleschen FC zeigen eine Choreographie zu Spielbeginn - Egal wer unser Gegner ist, das Spiel verlier n wir nie -.
Die HFC-Fans wollen ihre Mannschaft wieder im Stadion unterstützen. (Archivbild) Bildrechte: imago/Picture Point

Seit dem Re-Start nach der Corona-Unterbrechung haben es die HFC-Fans immer wieder gefordert. Und auch der Verein hat sich klar dazu bekannt: Der Hallesche FC will, dass zur neuen Drittligasaison die Fans wieder ins Stadion zurückkehren. Nun hat der Verein dazu die ersten Schritte auf den Weg gebracht.

Bereits am Dienstag sollen zum Trainingsauftakt erstmals seit März wieder Zuschauerinnen und Zuschauer dabei sein. Dabei würden auch die drei Neuzugänge des Klubs und die Trikots für die neue Spielzeit präsentiert, hieß es in einer Mitteilung des Clubs. Fans können nach Angaben des Vereins ab Freitag im Internet Karten für den Trainingsauftakt buchen. Insgesamt stünden 700 Tickets zur Verfügung.

Testlauf für den Saisonstart

Das ganze dient als erster Testlauf für den Saisonstart Mitte September. "Unser Ziel ist, dass wir in Abstimmung mit den örtlichen Gesundheitsbehörden die unter den Bedingungen der Pandemie-Lage in Halle maximal mögliche Zuschauerzahl zulassen können", sagt HFC-Präsident Jens Rauschenbach. "Dies schließt für uns auch Stehplätze oder Gästefans ein. Daran arbeiten wir seit Wochen." Bei seinen Planungen bezieht sich der HFC auf Aussagen des DFB, wonach die Vereine eigene, regionale Hygienekonzepte erstellen sollen. Zudem gab es eine Anweisung, dass auch die Fans selbst mit in die Planungen einbezogen werden sollen. Dem kam der HFC bei zwei Terminen mit dem eigenen Anhang nach.

Ohne Stehplätze könnten nach dem Konzept des Vereins mit den aktuellen Kontaktbeschränkungen etwa 3.000 Fans die HFC-Heimspiele verfolgen. Sind Stehplätze erlaubt, sind einige hundert mehr möglich. Und selbst eine niedrige dreistellige Zahl an Gästefans könnte wohl ins Stadion.

DFL-Konzept auch für die 3. Liga?

Diesem Vorhaben entgegen stehen die aktuellen Pläne der DFL – also der 1. und 2. Bundesliga. Die Mitgliederversammlung der Vereine einigte sich am Dienstag darauf, zunächst auf Stehplätze und Gästefans zu verzichten. Zudem sollen in den Stadien kein Alkohol ausgeschenkt und die Kontaktdaten der Zuschauenden erfasst werden. Der DFB, der den Spielbetrieb in der 3. Liga organisiert, hat sich dazu noch nicht positioniert. Allerdings war es schon im Frühjahr so, dass der Verband das DFL-Hygienekonzept übernahm, um die Saison fortsetzen zu können. Ein ähnliches Vorgehen erscheint deshalb auch diesmal möglich.

In der kommenden Woche wollen DFB und die Drittliga-Vereine darüber beraten. Rauschenbach hofft, dass dort die regionalen Regelungen unterstützt werden, von denen bislang die Rede war. Ein einheitliches Vorgehen wie in der DFL lehnen er und der Club ab:

Als HFC werden wir dies klar gegenüber dem DFB vertreten, da sich das jeweilige Infektionsgeschehen an den Standorten der 3. Liga stark unterscheidet. Eine einheitliche, zentrale Regelung halten wir daher für den falschen Weg.

Jens Rauschenbach

Kein neuer Streit mit dem DFB

Doch auf einen neuerlichen Streit mit dem Verband – wie im Frühjahr beim Thema Saisonfortsetzung – hat der HFC-Präsident keine Lust. "Die Vereine können ein Stimmungsbild abgeben. Die Entscheidung trifft aber letztendlich das DFB-Präsidium. Die werden wir natürlich respektieren", so Rauschenbach.

Fans behalten ihre Dauerkarten

Beim HFC, so scheint es, regiert in der aktuellen Situation eine gewisse Gelassenheit. Die Beteiligten konzentrieren sich auf das, was sie selbst beeinflussen können. Umbaumaßnahmen, etwa um zusätzliche Sitzplätze in der Fankurve zu schaffen, sind nicht geplant. Wirtschaftlich ist der Verein bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen, betont der Präsident. Was auch daran liegt, dass das Sponsoren-Engagement im Vergleich zum Vorjahr nicht zurückgegangen ist. Zudem haben die allermeisten der knapp 2.200 Dauerkarteninhaberinnen und -inhaber auf eine Erstattung für die Spiele ohne Zuschauer verzichtet.

Leeres Stadion 44 min
Bildrechte: MDR/Julian Mengler

Von der ursprünglich geplanten Etat-Erhöhung nimmt der Verein dennoch Abstand, so Rauschenbach: "Unsere Planung berücksichtigt verminderte Zuschauerzahlen und zusätzliche Kosten für das Hygienekonzept wie z.B. für Testungen bis mindestens zum Jahresende. Natürlich musste der HFC den vor der Corona-Krise kalkulierten und eingereichten Etat an die aktuellen Bedingungen anpassen." Zudem hofft der Verein auf die angekündigten Bundesprogramme zum Ausgleich der Verluste bei fehlenden Zuschauereinnahmen bei Vereinen. Details dazu lassen aber weiter auf sich warten.

Vorkaufsrecht für Mitglieder

Und auch die Fans müssen sich weiter gedulden, bis sie erfahren, wie viele von ihnen tatsächlich ins Stadion können. Doch Rauschenbach verspricht: "Wir werden sicher unseren Mitgliedern ein Vorkaufsrecht einräumen. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Und natürlich wollen wir, dass insbesondere die sehr treuen Fans, die den Verein jede Woche unterstützen, die Chance erhalten, den HFC wieder live zu erleben."

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 beim MDR - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. August 2020 | 07:30 Uhr

0 Kommentare