Olympische Spiele 2020 Zwingt das Coronavirus das IOC zur Absage?

Vom 24. Juli bis 9. August sollen die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden. IOC-Präsident Thomas Bach will am Fahrplan für das Spektakel mit allen Mitteln festhalten. Im Athletenlager sind die Meinungen jedoch gespalten. Virologen sehen indes nur einen Weg.

Thomas Bach
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"Die Absage würde den Olympischen Traum von 11.000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und dem IOC-Flüchtlingsteam zerstören. Eine solche Absage wäre die am wenigsten faire Lösung. Für die aktuelle Situation gibt es keine idealen Lösungen. Olympische Spiele können Sie nicht verschieben wie ein Fußballspiel am nächsten Samstag", erklärte Bach.

Roleder hat Tokio im Fokus

Auch Hürdensprinterin Cindy Roleder schließt einen Start in Japan nicht aus. "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich auf gar keinen Fall hinfahren würde", sagte die Leichtathletin vom SV Halle der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. "Dann würde ich nicht auf Biegen und Brechen versuchen, irgendwie weiter zu trainieren und fit zu bleiben." Sie wünsche sich einfach eine baldige Entscheidung über die Austragung der Spiele, damit man Planungssicherheit habe.

Cindy Roleder
Cindy Roleder Bildrechte: IMAGO/Chai v.d. Laage

Hängepartie beenden  

Auch den zweifache Kanuslalom-Weltmeister Franz Anton plagt die Ungewissheit, ob Tokio 2020 stattfinden wird. Der Leipziger, der sich noch für Tokio qualifizieren will,  musste unter der Woche die Nachricht verkraften, dass die EM vom 15. bis 17. Mai in London abgesagt wurde. Die kontinentalen Titelkämpfe sollten als letzte Qualifikationsmöglichkeit der Slalom-Kanuten dienen. "Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, wie die Wettkampfgestaltung in diesem Jahr überhaupt noch stattfindet. Vielleicht verschiebt man alles nach hinten oder es gibt aufgrund der ganzen Situation, weil sie sich nicht bessert, eben gar keine Wettkämpfe in diesem Jahr, womit wir wohl alle leben könnten", sagte Anton.

Säbelfechter Hartung sagt Teilnahme ab

Säbelfechter und Athleten-Aktivist Max Hartung hat für sich bereits eine klare Entscheidung gefällt und einen Start bei den Olympischen Spielen in Tokio ausgeschlossen. Mit diesem Schritt wolle er in der Diskussion um eine Verlegung der Sommerspiele angesichts der Coronavirus-Pandemie ein Zeichen setzen, betonte der 30-Jährige am Samstagabend im ZDF-"Sportstudio". Der 30-Jährige, der sich gerade in häuslicher Quarantäne befindet, macht sich vor allem Gedanken, "wie ich als Sportler mit meinem Verhalten dazu beitragen kann, dass diese Krise schnell vorbeigeht", sagte Hartung. Dies könne er am besten, wenn er in diesem Moment Haltung zeige und versuche, das Richtige zu tun. "Das kann ich nicht, wenn ich versuche auf Teufel komm raus zu trainieren. Deswegen ist der Termin in meinen Augen nicht haltbar", betonte Hartung.

Max Hartung
Max Hartung Bildrechte: IMAGO

Wie Hartung sprachen sich in der Sendung auch Spitzenradfahrer Maximilian Schachmann, Boxerin Nadine Apetz und der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Jürgen Kessing, für eine Olympia-Verlegung aus.

Pflieger: "Verschiebung wäre das Beste"

Ebenfalls Marathonläufer Philipp Pflieger sieht trotz des Sehnens nach einem Start bei Olympia für sich die Notwendigkeit zu erkennen, dass die Tokio-Spiele nicht wie geplant am 24. Juli eröffnet werden sollten: "Ich halte eine Verschiebung um ein bis zwei Jahre inzwischen nicht nur für realistisch, sondern für das Beste."

Virologe Kekule: "Spiele für Viren ein tolles Fest"

Alexander Kekule
Virologe Alexander Kekule Bildrechte: imago images/Future Image

Auch Virologe Alexander Kekule hält die Durchführung der Olympischen Spiele in diesem Jahr für ausgeschlossen. "Es gibt für Viren quasi kein tolleres Fest als so eine Veranstaltung". Die Situation könnte sich seiner Meinung nach "im September irgendwann" bessern, "vorher höchstwahrscheinlich nicht".

red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 22. März 2020 | 16:30 Uhr