NSU-Prozess Böhnhardts Vater: "Wir haben nichts gewusst"

Beim NSU-Prozess in München hat der Vater des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt ausgesagt. Jürgen Böhnhardt erklärte bei der Befragung, seine Frau und er hätten von der Radikalisierung ihres Sohnes nichts mitbekommen. Auf Fotos habe man zwar gesehen, dass Uwe Böhnhardt bei rechten Demonstrationen mittendrin gewesen sei und dass er Bomberjacke und Springerstiefel getragen habe. Das sei in den 1990er-Jahren aber normal gewesen. Jürgen Böhnhardt betonte, seine Frau und er hätten ihren Sohn zur Rede gestellt. Alle Gespräche über seine politische Haltung habe ihr Sohn aber immer abgeblockt. Auch Uwes Freunde Uwe Mundlos und Beate Zschäpe hätten lediglich erklärt, man dürfe doch seine Meinung sagen. Sie würden nichts Ungesetzliches tun. Jürgen Böhnhardt räumte ein, den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben.

Treffen mit untergetauchtem Trio

Zugleich schilderte er, dass er und seine Frau auch Kontakt zu dem Trio hatten, nachdem es abgetaucht war. Zunächst habe man telefoniert. Dann seien er und seine Frau auch dreimal nach Chemnitz gefahren. 2002 habe es das letzte Treffen gegeben.

Dann hätten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe erklärt, dass sie weggehen würden. Seitdem habe man nichts mehr von ihnen gehört. Jürgen Böhnhardt sprach den Familien der NSU-Opfer außerdem sein Mitgefühl aus. Er sagte, es tue ihm unendlich leid, was da passiert sei.

Zschäpe als Mittäterin angeklagt

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe waren 1998 untergetaucht. Zusammen sollen sie die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gebildet haben. Die beiden Männer sollen insgesamt zehn Menschen ermordet haben. Neun Opfer waren Migranten und sollen aus Ausländerhass ermordet worden sein.

Als einzige Überlebende des Trios steht Zschäpe in München vor Gericht. Sie ist vom Oberlandesgericht als Mittäterin angeklagt. Uwe Mundlos soll nach einem missglückten Banküberfall im November 2011 zunächst Uwe Böhnhardt erschossen und sich dann selbst getötet haben.