NSU-Prozess in München Brandt: Ich war Geldbote für den Verfassungsschutz

Im NSU-Prozess hat das Oberlandesgericht München hat am Mittwoch die Vernehmung des einstmals führenden Thüringer Neonazis und V-Manns des Verfassungsschutzes Tino Brandt fortgesetzt.

Der 39-Jährige war in den 1990er-Jahren einer der führenden Köpfe der rechtsextremen Organisation "Thüringer Heimatschutz" und hatte damals enge Kontakte zu den späteren mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.

Brandt berichtete, dass sich die rechtsextreme Szene bemühte, dem Trio eine Rückkehr zu ermöglichen, nachdem die Drei 1998 in den Untergrund abgetaucht waren. Der damals zum NPD-Bundesvorstand zählende Anwalt Hans Günther Eisenecker sollte demnach prüfen, ob mit der Aussicht auf eine geringe Strafe eine Rückkehr der drei möglich wäre. Dazu habe er sogar eine Vollmacht zur Vertretung Zschäpes gehabt, so Brandt.

In seiner Vernehmung schilderte Brandt, wie er Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe damals in Jena kennenlernte. Die Drei hätten regelmäßig an Treffen des "Heimatschutzes" teilgenommen. Er habe sie bei Stammtischen und Schulungen der Rechtsextremen wiederholt getroffen. Mundlos sei dort als "nationaler Sozialist" aufgetreten. "Er hat sich für die damaligen Ideale der NSDAP durchaus eingesetzt", sagte Brandt. Böhnhardt sei etwas schweigsamer gewesen. Zschäpe sei zwar ebenfalls eher zurückhaltend, aber "keine dumme Hausfrau" gewesen.

Verfassungsschutz wollte über Brandt an NSU herankommen

Nachdem das Trio im Januar 1998 abtauchte, habe der Thüringer Verfassungsschutz über ihn mehrfach Geld in den Untergrund geschickt, sagte Brandt vor Gericht. Er habe es selbst in Empfang genommen und über einen weiteren Mittelsmann weitergeleitet. Der Freistaat Thüringen habe sechs oder sieben Mal für das mutmaßliche Terrortrio "gespendet". Gemeint seien Zahlungen des Verfassungsschutzes. Um welche Summen es sich handelte, könne er nicht mehr sagen. Genauso wenig, an wen er das Geld weitergeben habe.

Die Vernehmung Brandts soll bis Donnerstag fortgesetzt werden. Mit der Befragung will das Gericht klären, ob und in welchem Umfang er die untergetauchten Neonazis Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe unterstützt hat. Im Jahr 2001 war Brandt als V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes enttarnt worden. Der Verfassungsschutz hatte nach 1998 versucht, über Brandt an die drei Untergetauchten heranzukommen, was aber nicht gelang.

In den Gerichtssaal wurde Brandt in Handschellen geführt, weil er seit einigen Wochen wegen des Verdachts auf Zuhälterei und sexuellen Missbrauch Minderjähriger in Untersuchungshaft sitzt. Jugendliche und junge Männer sollen für ihn in Rudolstadt und Umgebung angeschafft haben. Die Vorwürfe: Ausbeutung und Ausnutzung von Zwangslagen. Die aktuellen Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs und Zuhälterei sind aus schon länger laufenden Betrugsermittlungen hervorgegangen. 2012 gab es bei Brandt, Verwandten und Bekannten Durchsuchungen. Der Verdacht lautete damals Versicherungsbetrug in großem Stil.