In Eisenach

Anwohner sollen sich an Wohnmobil gewöhnen

Am Donnerstag, 3. November 2011 - einen Tag vor dem letzten Bankraub des NSU - erhält die Schwester des Chefs der Caravan-Vermietung einen Anruf. Kurz nach der Mittagspause meldet sich "Holger G." und bittet um eine Verlängerung des Mietzeitraums für das Wohnmobil. Bis mindestens Montag bräuchte er es, vielleicht auch die ganze nächste Woche, erklärt G. alias Böhnhardt. Beide einigen sich erst einmal für den Montag, 7. November 2011, für die Rückgabe es Fahrzeugs. Am Abend des 3. November taucht das Wohnmobil in Eisenach-Stregda auf. Es parkt dort. Offenbar sollen sich die Anwohner an den Anblick des Fahrzeugs in ihrer Straße gewöhnen, denn einige sagen später aus, es schon zwei Tage lang gesehen zu haben.

Mehrere Männer verladen ein teilweise mit Planen zugedecktes Wohnmobil auf einen Lkw.
Das Wohnmobil wird nach den Ereignissen am 4.11.11 abtransportiert. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Der Countdown läuft. Freitag - kurz nach 9:00 Uhr: Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos stellen ihre Mountainbikes vor dem ehemaligen "Cafe Costa" ab, setzen ihre Masken auf, greifen nach den Waffen und stürmen um 9:15 Uhr in die Sparkassenfiliale am Nordplatz. Die Bank liegt mitten in einem Wohngebiet - hunderte Fenster. Wieder prügeln die Bankräuber auf einen Angestellten ein, als der nicht schnell genug das Geld zusammenklaubt. Etwas mehr als 75.000 Euro erbeuten sie und verschwinden. Böhnhardt und Mundlos halten sich an ihren Plan, schnell und präzise. Das hat bisher immer bestens funktioniert, doch jetzt ist genau das ihr letzter schwerer Fehler. Denn die Polizei ist vorbereitet, sensibilisiert. Schon um 10:25 Uhr - keine Stunde nach dem Überfall - meldet sich der Sachbearbeiter des Arnstädter Sparkassenraubes bei den Kollegen in Eisenach. Er warnt: Die Täter könnten mit Fahrrädern geflüchtet sein und sie haben ein entsprechend großes Transport- und Fluchtfahrzeug.

Jetzt sucht die Polizei erstmals gezielt - nach Fahrrädern und Transportern im nahen Umfeld des Tatorts. Sogar eine mögliche Fluchtrichtung hat sie: Richtung Sachsen, dort wo es die meisten Raubstraftaten des Duos gab. Die Polizei ist auf der richtigen Fährte - zum ersten Mal seit 13 Jahren.

Im näheren Umfeld der Bank werden die Beamten fündig: Ein Mann hat zwei Männer beobachtet, wie sie ihre Mountainbikes in einem Wohnmobil verstauten und eilig davonfuhren. Es ist 11:04 Uhr. Jetzt kennt die Polizei das Fluchtfahrzeug - sogar mit einem Teil des Nummernschildes: ein "V". Jetzt ist alles nur noch eine Frage der Zeit. Die Ringfahndung ist längst ausgelöst, Streifenwagen suchen das Stadtgebiet ab. Kurz nach 12:00 Uhr finden zwei Beamte der Eisenacher Polizeiinspektion das Wohnmobil in Eisenach-Stregda - einen knappen Kilometer nördlich von der Bank entfernt. Als sie sich dem Fahrzeug nähern, knallt es. Kurz darauf schlagen Flammen aus dem Dach des Wohnmobils: das Ende des NSU.