NSU-Untersuchungsausschuss Thüringen Polizei sah Führungsrolle bei Zschäpe

Die Polizei in Gotha hatte offenbar frühzeitig Hinweise, dass Beate Zschäpe der Kopf des rechtsextremen Terrortrios NSU gewesen sein könnte. Das hat eine Polizeibeamtin am Donnerstag im NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages ausgesagt. Nach ihren Angaben kam diese Information von einem Zielfahnder des Thüringer Landeskriminalamtes. Er war einen Tag nach dem Auffliegen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 in der Polizei in Gotha bei einer ersten Lagebesprechung dabei gewesen. Dort habe der Beamte gesagt, dass er Zschäpe kenne und sie aus seiner Sicht eine Führungsrolle innerhalb der Gruppe gehabt habe.

Die Beamtin sagte aus, dass sie bereits am Morgen nach dem 4. November die Vermisstenakte von Uwe Mundlos ausgewertete habe. Dort hätten sich die Namen von Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe befunden. Deshalb sei man davon ausgegangen, dass der zweite Tote im Wohnmobil Uwe Böhnhardt gewesen sein könnte. Zudem sei über eine schnelle Fahndung nach Zschäpe nachgedacht worden. Die Vermisstenakte von Mundlos existierte, weil sein Vater Jahre nach dem Abtauchen des Trios im Jahr 1998 eine entsprechende Anzeige bei der Polizei in Jena gestellt hatte. Aus diesem Grund konnte Uwe Mundlos als Erster an Hand seiner Fingerabdrücke identifiziert werden.

Neue Details zum Bankraub von Arnstadt

Im Untersuchungsausschuss wurde auch die Rolle der Polizei beim Bankraub von Arnstadt klarer. Der Überfall vom 7. September 2011 wird Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zugeordnet. Er wurde zwei Monate vor Auffliegen des NSU begangen. Die Polizei ahnte damals, dass die beiden Täter wieder kommen würden. Ein Kripo-Beamter der Polizei Gotha sagte im NSU-Untersuchungsausschuss, die vergleichsweise geringe Beute von 15.000 Euro sei der Grund dafür gewesen. 

Bereits in Chemnitz, Zwickau und Stralsund hatte es eine Serie von Bankrauben gegeben. Diese sei von den mutmaßlichen Tätern von Arnstadt begangen worden. Jedes Mal wenn die Täter eine geringe Beute gemacht hätten, seien sie in der Region wieder zu einem Bankraub aufgetaucht. Deshalb sei der Beamte davon ausgegangen, dass die Täter wieder zugeschlagen würden. Mit ähnlicher Vorgehensweise raubten Mundlos und Böhnhardt dann am 4. November 2011 eine Sparkasse in Eisenach aus. Nach diesem Überfall kam die Polizei dem NSU-Trio auf die Schliche.

Der Kripo-Beamte habe seine Erkenntnisse in einem Bericht verfasst. Dieser sei seinen Vorgesetzten und auch dem damaligen Polizeichef Michael Menzel zugegangen. Menzel galt immer als der Ermittler mit dem "richtigen Riecher", der wusste, dass die Bankräuber noch einmal auftauchen würden. Woher Menzel diese Informationen hatte, war seit dem Auffliegen des NSU-Trios mehrfach Gegenstand von Spekulationen. Nicht bekannt war bisher, dass einer seiner Kripo-Spezialisten für Raubüberfälle der Urheber der entscheidenden Information war.  

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2016, 19:03 Uhr