NSU-Prozess in München Nebenkläger fordern Einstellung von König-Prozess

Mehrere Nebenkläger im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München haben sich mit dem Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König solidarisiert. In einer gemeinsamen Erklärung fordern die Familien Boulgarides und Kubasik sowie die Anwälte weiterer Nebenkläger die Einstellung des Verfahrens gegen König wegen Landfriedensbruch am Amtsgericht Dresden.

Anlass der am Montag veröffentlichten Erklärung ist die Aussage des Angeklagten im NSU-Prozess Carsten S., dass König und die von ihm betreute Junge Gemeinde in Jena wiederholt Opfer gezielter Attacken der rechtsextremen Kameradschaft Jena gewesen seien. Der Kameradschaft Jena gehörten früher auch die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos an, die sich am 4. November 2011 in Eisenach nach einem Banküberfall umgebracht hatten. Ihre Komplizin Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess in München.

In der Erklärung der Nebenkläger heißt es, König habe "zu einer Zeit, zu der die Mehrheit noch weggesehen hat, wenn rassistische und rechtsextremistische Übergriffe stattgefunden haben, hingesehen, seine Stimme erhoben und Widerstand gegen die erstarkende neonazistische Szene geleistet". Die Junge Gemeinde sei immer ein Zufluchtsort für diejenigen gewesen, "die nicht in das Weltbild der Neonazis passen und die jederzeit mit gewalttätigen bis mörderischen Übergriffen rechnnen mussten". Nun werde König von der Staatsanwaltschaft Dresden aufwieglerischer Landfriedensbruch vorgeworfen. "Alles, was wir über das Verfahren bisher wissen, ist, dass die Anklage auf Unwahrheiten und Unterstellungen seitens der Polizei und Staatsanwaltschaft basiert." Deshalb habe es den Anschein, "dass Lothar König eigentlich sein antifaschistisches Engagement vorgeworfen wird".

König wird von der Staatsanwaltschaft Dresden vorgeworfen, im Februar 2011 bei Protestaktionen gegen einen Neonazi-Aufmarsch in der sächsischen Landeshauptstadt zu Gewalt aufgerufen zu haben. Der Pfarrer bestreitet das. Am Sonntag wurde König in Kahla mit dem Thüringer Demokratiepreis ausgezeichnet.