Ermittlungen in Bayern Zweifel an NSU-Aussage von Kripo-Kommissar

Nach seiner Zeugenaussage im NSU-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags ist ein Kriminalhauptkommissar ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Der Beamte der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim hatte vor knapp drei Wochen behauptet, der Name der rechtsextremen Terrorgruppe NSU sei bereits im Jahr 2007 bekannt gewesen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München I deckt sich diese Aussage allerdings weder mit der Aktenlage noch mit den Ergebnissen des Untersuchungsausschusses. Behörden-Sprecher Thomas Steinkraus-Koch sagte: "Wir haben Vorermittlungen aufgenommen." Geprüft werde, ob eine mögliche uneidliche Falschaussage des Kriminalbeamten vorliege.

Angeblich Hinweise aus Sachsen oder Thüringen

Eine Kombo zeigt Fahndungsbilder von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos
War die Existenz der rechten Terrorzelle NSU um Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bereits 2007 bekannt? Bildrechte: dpa

Der Kripo-Beamte hatte bei seiner Zeugenaussage am 18. Juni erklärt, bei einer internen Besprechung einer Sonderkommission zur Mordserie an ausländisch-stämmigen Kleinunternehmern etwas von einem Hinweis des sächsischen oder thüringischen Verfassungsschutzes zum NSU gehört zu haben. Dieser habe gelautet, dass eine rechtsterroristische Vereinigung dieses Namens etwas mit der bis dahin ungeklärten Mordserie zu tun haben könnte. Auch die Bedeutung NSU – "Nationalsozialistischer Untergrund" - sei erklärt worden. Der Hinweis sei von einer Person aus der "Führungsebene" weitergegeben worden.

Nürnberger Ermittler widerspricht vehement

Nach der spektakulären Aussage des Rosenheimer Kommissars hatte der Untersuchungssausschuss des bayerischen Landtages noch einen Nürnberger Ermittler gehört, der seinen oberbayerischen Kollegen allerdings vehement widersprach. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin das Protokoll der Sitzung angefordert und die Aussage des Rosenheimer Beamten überprüft.

Dem NSU werden Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern sowie an einer Polizistin aus Thüringen angelastet. Außerdem sollen zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle auf das Konto der rechtsextremen Terrorzelle gehen. Die mutmaßlichen Haupttäter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sind tot. Ihre mutmaßliche Mittäterin Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer stehen seit Anfang Mai in München vor Gericht.