NSU Ermittlungen zu Aktenvernichtung eingestellt

Dem NSU-Trio wird der Mord an zehn Menschen zur Last gelegt. Zudem wird es mit einer Reihe von Raubüberfällen im Chemnitzer Raum in Verbindung gebracht. Akten zu einem möglichen Fall sind schon vor Jahren geschreddert worden. Die Staatsanwaltschaft Görlitz stellte jetzt die Ermittlungen dazu ein. Ein strafbares Verhalten sei nicht feststellbar.

"Es war nicht zu ermitteln, wer die Anordnung der Vernichtung getroffen und wer die Akte vernichtet hat", begründete die Görlitzer Staatsanwaltschaft die Einstellung ihres Verfahrens. Zudem wäre ein strafrechtlich relevantes Verhalten in diesem Fall spätestens seit 2011 verjährt. Fest steht allerdings, dass 2006 Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Chemnitz zu einem Raubüberfall von 1998 in den Reißwolf kamen.

Hintergrund der Ermittlungen war Überfall auf Supermarkt

Rechter Terror - Spezial zum NSU-Prozess
Die Frage, ob die Rechts-Terroristen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt für den Überfall auf einen Supermarkt in Chemnitz verantwortlich waren, bleibt unklar. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die aktuellen Ermittlungen gingen auf die Anzeige eines Rechtsanwaltes zurück und wurden wegen Verdachts auf Urkundenunterdrückung und versuchter Strafvereitelung im Amt geführt. Die Staatsanwaltschaft Görlitz war zuständig, weil die Kollegen in Chemnitz nicht gegen sich selbst ermitteln konnten. Der Überfall wäre der erste Beleg dafür, dass sich das Trio, zu dem auch Beate Zschäpe gehörte, bereits im Jahr 1998 Schusswaffen besorgt haben könnte. Mundlos und Böhnhardt stehen bei dem jetzt untersuchten Fall im Verdacht, am 18. Dezember 1998 einen Supermarkt in Chemnitz überfallen und auf der Flucht geschossen zu haben. Es könnte der erste Raubüberfall der beiden gewesen sein. Nach dem damaligen Polizeibericht erbeuteten die Täter mehrere tausend Mark. Zwei Männer hatten die Kassiererin mit einer Waffe bedroht und ihr eine Tasche mit den Tageseinnahmen entrissen. Dabei schossen sie auch auf einen 16-Jährigen, der die Flüchtenden verfolgte. Allerdings trafen sie den Jugendlichen nicht. Unklar bleibt nun, was genau die Ermittler damals herausfanden.

Böhnhardt und Mundlos hatten zusammen mit Zschäpe den Nationalsozialistischen Untergrund ( NSU ) gegründet und waren später in Zwickau untergetaucht. Auch in Chemnitz sollen sie sich aufgehalten haben. Der NSU wird für den Mord an neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und einer deutschen Polizistin verantwortlich gemacht. Böhnhardt und Mundlos töteten sich im November 2011 mutmaßlich selbst. Zschäpe steht derzeit in München vor Gericht.