Ombudsfrau John kritisiert Thüringens Umgang mit NSU-Opfern

Die Ombudsfrau für die NSU-Opfer und deren Angehörige, Barbara John, kritisiert den Umgang Thüringens mit den Verletzten und Hinterbliebenen. Das Land habe bisher öffentlich keine Verbundenheit mit den Hinterbliebenen-Familien demonstriert, sagte John MDR THÜRINGEN. Auch sei aus Thüringen bisher kein Cent an Entschädigung für die Opfer gekommen. "Offensichtlich hat sich Thüringen darauf verlassen, dass der Bund hier eine Zuständigkeit hat aufgrund dieses Gesetzes gegen Terrorismus und die Schäden, die dadurch entstehen können."

John sagte weiter, sie sei verwundert, "dass das Land Thüringen, in dem diese Täter ja aufgewachsen sind, keinerlei Verbundenheit mit den Hinterbliebenen-Familien gesucht hat". Diese Aufgabe müsse das Land "unbedingt anfassen". Möglicherweise habe die Regierung des Freistaats die Dimension des Falls durchaus begriffen. "Aber sie haben wenig getan, um deutlich zu machen, dass sie es verstanden haben".

Barbara John ist Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin. Sie war im Jahr 2012 von der Bundesregierung als Ombudsfrau für die Opfer und Hinterbliebenen jener Anschlagsserie berufen worden, die dem rechtsextremen Terrortrio NSU zugeschrieben wird. Die Bundesregierung hat den Familien der neun ermordeten Männer türkischer und griechischer Herkunft sowie den Opfern von zwei Bombenanschlägen insgesamt 900.000 Euro Entschädigung gezahlt. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die aus Jena stammenden Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe als Gründer und Mitglieder der terroristischen Vereinigung NSU die Morde und Anschläge aus Fremdenhass begangen haben.