Pistole der Marke Ceska Waffenhändler entlastet Carsten S.

Die Pistole der Marke Ceska, mit der die NSU-Terroristen neun Morde verübt haben sollen, war bereits mit Schalldämpfer geliefert worden. Das sagte ein ehemaliger Waffenhändler aus der Schweiz beim NSU-Prozess in München aus. "Das hat man so im Paket gekauft", erklärte er. Bislang war offen, ob der wegen Beihilfe angeklagte Carsten S. den Schalldämpfer extra bestellt hatte. Das wäre ein Indiz dafür gewesen, dass der Angeklagte mehr über den Verwendungszweck gewusst haben könnte, als er bislang ausgesagt hatte.

Der 45-jährige Schweizer Zeuge sprach im Prozess von einem ganz normalen Waffenhandel. Er hatte die Pistole aus tschechischer Produktion schon 1996 an einen Landsmann verkauft. Über den zweiten Schweizer gelangte die Waffe über weitere Mittelsmänner 1999 oder erst 2000 in einen Szeneladen in Jena. Bestellt hatte sie Carsten S., der seiner Aussage nach von dem ebenfalls angeklagten Neonazi Ralf Wohlleben dazu aufgefordert worden war. Carsten S. hatte bereits früher gestanden, dass er die Waffe dann an die untergetauchten NSU-Terroristen, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, übergeben hatte.

Zschäpe nicht in Köln gefilmt

Darüber hinaus scheint nun auch die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in einem Punkt entlastet. Bilder einer Überwachungskamera, die im Prozess gezeigt wurden, konnten nicht beweisen, dass sich Zschäpe 2004 in Köln aufgehalten hatte, wo die Terroristen eine Nagelbombe zündeten. Bislang gibt es damit keine belastbaren Hinweise, dass Zschäpe bei einem der Anschläge des NSU in der Nähe der Tatorte war. Sie ist als Mittäterin angeklagt.

Dem NSU-Trio, Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe, werden neun Morde im Zeitraum von 2000 bis 2007 zur Last gelegt. Die beiden Männer hatten sich bei Auffliegen der Tarnung 2011 in einem Wohnwagen selbst getötet. Dort wurden dann auch mehrere Waffen, darunter auch die Ceska, gefunden.