Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt am 12.09.2017 im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München (Bayern) neben ihrem Anwalt Mathias Grasel.
Beate Zschäpe sitzt im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München neben ihrem Anwalt Mathias Grasel (Archivfoto) Bildrechte: dpa

NSU-Prozess Richter wirft Anwälten Verschleppungstaktik vor

Volle Sitzreihen und hohe Erwartungen gab es am Dienstag im NSU Prozess in München. Es war vorgesehen, dass die Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe mit ihren Plädoyers beginnen. Stattdessen gab es am 414.Verhandlungstag wieder neue Anträge.

Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt am 12.09.2017 im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München (Bayern) neben ihrem Anwalt Mathias Grasel.
Beate Zschäpe sitzt im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München neben ihrem Anwalt Mathias Grasel (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Die Anwälte von Ralf Wohlleben legten am Dienstag erneut einen Beweisantrag vor, mit dem der Handels-Weg der Mordwaffe Ceska infrage gestellt werden soll, weil andere ehemalige Mitglieder der Thüringer Neonazi-Szene in die Beschaffung involviert gewesen sein sollen. Das Gericht lehnte den Antrag zum wiederholten Male ab, da die Beweisaufnahme schon seit Sommer 2017 beendet ist. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl begründete den Schritt umfassend und warf den Wohlleben-Verteidigern vor, ihre Anträge ausschließlich in Verschleppungsabsicht gestellt zu haben. Die Verhandlung wurde mittags unterbrochen und soll am Mittwoch fortgesetzt werden.

Die Antragsteller waren sich bewusst, dass die Anträge nichts sachdienliches ergeben würden.

Richter Manfred Götzl

Erwartungsgemäß hat das Oberlandesgericht auch einen erneuten Antrag der Alt-Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe abgelehnt, sie von ihrem Mandat zu entbinden. Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wofgang Heer werden die Jenaerin auch weiterhin verteidigen müssen, obwohl diese seit Sommer 2015 kein Wort mehr mit ihnen wechselt. Damit will das Oberlandesgericht gewährleisten, dass die Rechte der Angeklagten gewahrt bleiben. Zschäpes Wunschverteidiger Matthias Grasel ist erst seit dem 215. Verhandlungstag dabei.

Prozess lässt viele Fragen offen

Geplant war, dass die zwei neuen Anwälte der Hauptangeklagten Beate Zschäpe den Anfang machen. Danach wären Sturm, Stahl und Heer an der Reihe gewesen. Die Verteidiger der anderen Angeklagten wollen mit eintägigen Schlussvorträgen auskommen und zwar in der Reihenfolge André E., Holger G., Ralf Wohlleben und Carsten S..

Der NSU-Prozess hatte vor knapp fünf Jahren, am 6. Mai 2013, begonnen. Den Angeklagten wird vorgeworfen, am Mord von neun türkisch- und griechischstämmige Menschen sowie einer Thüringer Polizistin beteiligt gewesen zu sein oder davon gewusst zu haben. In dem Verfahren wurden mehrere hundert Zeugen gehört. Im Februar endeten die Plädoyers der Nebenklage. Als letzte Hinterbliebene eines Mordopfers hatte die Ehefrau des in München erschossenen Griechen Theodoros Boulgarides gesprochen. Sie äußerte sich - ähnlich wie viele der zuvor gehörten betroffenen Angehörigen - tief enttäuscht über den Prozess, der viele Fragen offen gelassen habe.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. März 2018 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 14:10 Uhr

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