NSU-Prozess in München V-Mann soll NSU-Trio geholfen haben

Ein V-Mann des Verfassungsschutzes soll den mutmaßlichen NSU-Terroristen geholfen haben. Das hat der Jenaer Neonazi André K. als Zeuge beim NSU-Prozess in München ausgesagt. Nach Angaben von K. spielte der später als V-Mann enttarnte Neonazi Tino Brandt eine Hauptrolle, als 1998 nach dem Abtauchen von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe eine Bleibe für die drei gesucht wurde. Brandt war seinerzeit eine zentrale Figur in der rechtsextremen Szene Thüringens.

Tino Brandt
Welche Rolle spielte V-Mann Tino Brandt? Bildrechte: Rainer Fromm

K. sagte aus, Tino Brandt habe ihn damals unter anderem zu dem stellvertretenden NPD-Vorsitzenden Frank Schwerdt geschickt: "Hier, kriegst mein Auto, fährst da hin. Der sollte mehr als genug Auslandskontakte haben", habe Brandt ihm gesagt. Außerdem habe Brandt ihm eine Kontaktperson vermittelt, die gefälschte Pässe besorgen sollte. Dieser habe jedoch schließlich nur drei leere Pässe besorgt, mit denen er nicht viel habe anfangen können. Zum Besuch bei NPD-Vize Schwerdt sagte K. zunächst nichts. Schwerdt selbst hatte 2012 in einem Interview ein Treffen mit K. bestätigt, aber Hilfe für das Trio bestritten.

K., Böhnhardt und Mundlos leiteten Kameradschaft

K. war in den 90er-Jahren in der Jenaer Neonazi-Szene aktiv - ebenso wie die späteren Mitglieder des NSU-Trios Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Er galt als einer der führenden Neonazis Thüringens und Chef der "Kameradschaft Jena". Innerhalb der Kameradschaft sollen Böhnhardt und Mundlos seine Stellvertreter gewesen sein.

Auf die Frage nach den Inhalten, die in der "Kameradschaft" diskutiert wurden, kam K. auf die Ausländerpolitik zu sprechen. "Die Grundstimmung war natürlich gegen Ausländer, gerade in Mitteldeutschland." Feindbild sei aber nicht der "einzelne Ausländer" gewesen, sondern die Politik, die den Zuzug ermögliche. An dieser Stelle wählte K. einen Vergleich, der möglicherweise doch einiges aussagt über seine Meinung: "Sie fangen ja nicht an, wenn Sie was gegen Unkraut machen, und zupfen da ein, zwei Blätter. Sie müssen schon an der Wurzel anfangen."

André K. nur als Zeuge geladen

André K. wird vorgeworfen, den NSU-Mitgliedern geholfen zu haben. Dass er nicht wie seine früheren Mitstreiter Holger G. und Carsten S. mit auf der Anklagebank sitzt, liegt offenbar daran, dass er mit den Ermittlungsbehörden kooperiert.

Die Anklage rechnet dem Trio zehn Morde zu. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben sich nach bisherigen Erkenntnissen am 4. November 2011 bei Eisenach selbst getötet, um der Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, außerdem sitzen vier mutmaßliche Helfer auf der Anklagebank.

Tino Brandt Tino Brandt gehörte in den 1990er-Jahren zu den bekanntesten Neo-Nazis Thüringens. Er war einer der führenden Köpfe des "Thüringer Heimatschutzes", einer rechten Kameradschaft, die sich vor allem in Ostthüringen organisierte. Mitglieder der Gruppierung waren auch Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Nach dem Untertauchen des Trios stand Brandt zeitweise im Telefonkontakt mit den Flüchtigen. Außerdem war er zeitweise in der NPD aktiv. Brandt arbeitete gleichzeitig für den Thüringer Verfassungsschutz, Deckname: Otto. Offenbar im Jahr 2000 wurde er als Spitzel abgeschaltet, da er sich weigerte, sich aus Führungspositionen der rechtsextremen Szene zurückzuziehen. Später wurde er wieder aktiviert. Im Jahr 2001 wurde er durch einen Zeitungsbericht enttarnt. Für seine Spitzeldienste soll Brandt insgesamt rund 200.000 D-Mark erhalten haben. Nach eigenen Angaben investierte er einen Großteil des Geldes in der rechten Szene.