NSU-Prozess Von Wohlleben zum Verbindungsmann bestimmt

Der ehemalige Neonazi und Angeklagte im Münchner NSU-Prozess Carsten S. ist nach eigenen Angaben von dem früheren NPD-Funktionär Ralf Wohlleben zum Verbindungsmann zu dem untergetauchten Terrortrio NSU gemacht worden. S. sagte am Mittwoch im NSU-Verfahren vor dem Oberlandesgericht München aus, er habe zu Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe vor deren Untertauchen im Januar 1998 kaum Kontakt gehabt. Erst später habe Wohlleben ihn zum Verbindungsmann gemacht, weil dieser davon ausging, selbst überwacht zu werden.

Am Dienstag hatte S. ausgesagt, er habe wiederholt telefonischen Kontakt vor allem zu den untergetauchten Böhnhardt und Mundlos gehabt und von diesen unter anderem den Auftrag bekommen, eine Waffe zu beschaffen. Das Geld für die Pistole habe er von Wohlleben erhalten, sagte der 33-Jährige. Bei den Telefonaten sei gelegentlich auch Zschäpe zu hören gewesen. Einen näheren Einblick in das Leben des Trios habe er aber nicht gehabt.

In seiner Befragung am Mittwoch schilderte S. auch Details aus seiner rechtsextremen Vergangenheit in den neunziger Jahren in Thüringen. Seine Neonazi-Clique habe geprügelt und an Döner-Ständen Scheiben eingeworfen. Einmal habe die Gruppe zwei Männer zusammengeschlagen. Er erinnere sich, "dass ich auch einmal zugetreten habe oder zweimal - ich weiß es nicht mehr". Hinterher habe er in der Zeitung gelesen, dass die Opfer schwer verletzt gewesen seien.

Dönerbude als Feindbild

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl nach Motiven für solche Taten sagte S.: "Ich weiß nur, dass einer die Idee hatte - und da sind wir losgegangen." Genaue Erinnerungen habe er aber nicht mehr. "Ich gehe natürlich davon aus, dass es ein gewisses Feindbild auch war, diese Dönerbude." Es sei gegen die multikulturelle Gesellschaft gegangen und gegen das Finanzkapital. Sein damaliges Weltbild schilderte S. als "einfach" und "schwarz-weiß". "Dass wir unsere Heimat einbüßen, dass wir regiert werden vom Finanzjudentum."

Wie schon am Dienstag begründete S. seine Aktivitäten in der Neonazi-Szene mit dem Gefühl von Anerkennung, die er dort erhielt. Entscheidend sei für ihn gewesen, dass es ihm in der rechten Gruppe besser ging als zuvor. "Da hatte ich Respekt, da ging's mir gut. Ich habe mich stark gefühlt." Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt hätten damals nicht zu seiner Gruppe gehört. "Das waren halt drei von den Älteren."