NSU-Prozess Ermittler prüfen möglichen weiteren NSU-Anschlag

Die Bundesanwaltschaft prüft einen möglichen weiteren Anschlag der rechten Terrorzelle NSU. Hintergrund ist die Aussage des Angeklagten Carsten S. am Dienstag im Münchner NSU-Prozess.

S. hatte erklärt, dass die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos Andeutungen über ein Sprengstoffattentat in Nürnberg gemacht hätten. Tatsächlich hatte es 1999 in einer türkischen Kneipe in Nürnberg eine Rohrbomben-Explosion gegeben, die bis heute nicht aufgeklärt ist. Damals war ein 18-Jähriger durch eine umgebaute Taschenlampe verletzt worden. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl sagte am Mittwoch, er habe nach der Aussage von S. die Bundesanwaltschaft gebeten, die Umstände zu klären, gegebenenfalls Vernehmungen durchzuführen und dem Gericht die nötigen Akten zur Verfügung zu stellen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wurde der Anschlag in Nürnberg bei einer bundesweiten Prüfung möglicher NSU-Verbrechen nicht mit einbezogen. Das Bayerische Landeskriminalamt prüft nach eigenen Angaben den damaligen Fall. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg gab ihre Akten zu dem Fall inzwischen an die Bundesanwaltschaft weiter.

Vernehmung fortgesetzt

Derweil wurde vor dem Oberlandesgericht am Mittwoch die Vernehmung von Carsten S. fortgesetzt. In der stundenlangen Vernehmung belastete der 33-jährige Ex-Neonazi den Mitangeklagten Ralf Wohlleben. Der Ex-NPD-Funktionär ist ebenfalls wie Carsten S wegen Beihilfe zu neun Morden an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft angeklagt. Carsten S. hat zugegeben, die Waffe besorgt zu haben, mit der diese Morde wahrscheinlich verübt wurden. Wohlleben soll an dem Waffenkauf beteiligt gewesen sein.

S. sagte unter anderem aus, dass Böhnhardt oder Mundlos in einem Telefonat gegenüber Wohlleben berichtet hätten, einen Mann angeschossen zu haben. Auf Nachfrage des Richters, weshalb S. erst vor Gericht und nicht bereits bei seinen Vernehmungen über die möglichen Taten berichtet habe, erklärte S., dass er Wohlleben habe schützen wollen, damit dessen Kinder ihren Vater nicht verlieren. Nach dem Richter konnte S. von anderen Prozessbeteiligten befragt werden.