NSU-Prozess Carsten S. verweigert sich Wohlleben-Anwälten

Im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht ist der Angeklagte Carsten S. am Donnerstag zum inzwischen vierten Mal befragt worden. Nach der Staatsanwaltschaft nutzten die Nebenklage-Vertreter und die Verteidiger der Mitangeklagten ihr Fragrecht.

Den Verteidigern des früheren NPD-Funktionärs Ralf WohllebenDabei verweigerte Carsten S. dabei die Antwort. Er ließ seinen Anwalt erklären, sich den Fragen nur stellen zu wollen, wenn Wohlleben ebenfalls "umfassend zur Person und zur Sache" aussage. Es gehe ihm um Waffengleichheit. "Ich habe mich hier nackig gemacht und er schweigt" sagte Carsten S. über Wohlleben, den er an den Verhanbdlungstagen zuvor schwer belastet hatte.

Die Wohlleben-Verteidiger wiesen die Forderung zurück, sie ließen sich nicht erpressen. Wohlleben hatte bislang im gesamten Prozess geschwiegen.

Anschließend stellte sich Carsten S. den Nachfragen der Nebenklage-Vertreter, ohne Neues zu berichten. An seine Zeit als Funktionär der rechten Szene habe er keine konkreten Erinnerungen mehr.

Spätere Erklärung angekündigt

Auf den Wunsch der Opfer-Anwälte nach einem Wort des Bedauerns und der Reue kündigte er eine spätere Erklärung an. Der aus Jena stammende und inzwischen in Nordrhein-Westfalen lebende Mann ist wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen angeklagt. In seinem Geständnis hatte er erklärt, er habe im Auftrag Wohllebens für das NSU-Trio eine Pistole mit Schalldämpfer besorgt und diese übergeben. Mit eben dieser Waffe sollen die mutmaßlichen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos neun Migranten ermordet haben.