NSU-Prozess Carsten S. schwieg über Kontakte zu Trio

Der frühere Kontaktmann zu den untergetauchten mutmaßlichen NSU-Terroristen Carsten S. hat nach seinem Ausstieg aus der rechtsextremen Szene im Jahr 2000 nicht über seine Kontakte zu dem Trio gesprochen. "Für mich war klar, dass ich nichts sage", sagte der 33-Jährige am Dienstag im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München. Während seiner aktiven Zeit habe er aber unter anderem mit dem führenden Thüringer Neonazi Tino Brandt über den Kontakt gesprochen.

Brandt war bis zum Jahr 2001 V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. Laut dem Untersuchungsbericht der Schäfer-Kommission an die Thüringer Landesregierung gab es 1999 ein Gespräch zwischen S. und Brandt, in dem S. von telefonischen Kontakten zum Trio gesprochen habe. Brandt hatte diese Information dem Bericht zufolge auch an den Verfassungsschutz weitergegeben. Eine Observation von S. blieb aber ohne Ergebnis.

S. wird Beihilfe zu neunfachem Mord vorgeworfen. Er hat vor Gericht ausgesagt, dem Trio eine Pistole beschafft zu haben. Mit dieser Waffe waren in den Jahren 2000 bis 2006 neun Männer türkischer und griechischer Herkunft ermordet worden.

Weiteres Ermittlungsverfahren gegen Zschäpe

Unterdessen hat die Bundesanwaltschaft nun offiziell Ermittlungen zu einem Bombenanschlag in einer Gaststätte in Nürnberg im Jahr 1999 aufgenommen. Das Verfahren richtet sich nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" gegen die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes. Bei dem Anschlag war eine als Taschenlampe getarnte Rohrbombe explodiert und hatten einen jungen Mann leicht verletzt. Carsten S. hatte vergangene Woche vor Gericht ausgesagt, die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten ihm im Jahr 2000 Hinweise auf den Anschlag gegeben.

Dem Zeitungsbericht zufolge liegen Teile der Bombe noch in der Asservatenkammer. Sie würden nun auf DNA und Fingerabdrücke von Zschäpe und ihren beiden mutmaßlichen, mittlerweile toten Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt untersucht.