18. Prozesstag im NSU-Prozess Beamter: Zschäpe wollte aussagen, Anwälte rieten ab

Die NSU-Hauptangeklagte Beate Zschäpe wollte nach dem Auffliegen der mutmaßlichen Terror-Zelle auspacken. Ein Ermittler des Bundeskriminalamts berichtete vor dem Oberlandesgericht München, dass habe ihm Zschäpe während eines Gefangenentransports erzählt.

Die Aussage sollte vollständig und umfassend sein. Auf Anraten ihres Anwaltes habe sie aber ihre ursprüngliche Aussagebereitschaft zurückgezogen. Als Grund für ihre Aussagebereitschaft habe Zschäpe ihre kranke Großmutter genannt, bei der sie sich entschuldigen wollte. Der Beamte hatte Zschäpe im Sommer 2012 auf einem Transport nach Thüringen begleitet, damit sie dort ihre Mutter und ihre Großmutter sehen konnte. Zschäpe schweigt bislang vor Gericht.

Nach Angaben des Beamten sprach Zschäpe während der zwei Mal vierstündigen Autofahrt auch über ihre Verteidiger. Dabei habe sie sich "sehr, sehr unzufrieden" über ihren Verteidiger Wolfgang Heer geäußert. Dieser mache sehr wenig. Außerdem beschwerte sich Zschäpe darüber, dass sie ständig Details aus den Ermittlungsakten in der Presse lese. Ihr Anwalt habe ihr aber gesagt, dass er nichts an die Presse gegeben hätte.

Vor Gericht fragte Verteidiger Stahl, ob das Gespräch zwischen seiner Mandantin und dem Beamten dazu dienen sollte, gezielt in das Vertrauensverhältnis zwischen Mandantin und Verteidigung einzugreifen. Der Beamte erwiderte, dass es ein solches Vertrauensverhältnis zum Zeitpunkt des Transports nicht gegeben habe.

Zschäpe-Brieffreund soll nicht vernommen werden

Am Rande des Prozesses gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass sie einer Vernehmung des Brieffreundes von Zschäpe im NSU-Prozess widerspricht. Der bekanntgewordene Briefwechsel sei für die konkrete Schuld- und Straffrage ohne Bedeutung. Es gebe auch keine Hinweise, dass es bereits vor dem Auffliegen der mutmaßlichen Terror-Zelle einen Kontakt gegeben habe. Zschäpe hatte aus der Haft einen 26 Seiten langen Brief an einen Strafgefangenen aus Bielefeld geschrieben. Dieser gehörte der Neonazi-Szene in Dortmund an.

Zschäpe wird Mittäterschaft an allen Terroranschlägen des NSU vorgeworfen, darunter zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge.