NSU-Prozess Nachbarin: Zschäpe lief von Tatort weg

Mit der Anhörung mehrerer Zeugen aus der Nachbarschaft des Zwickauer Terrortrios ist am Dienstag der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München fortgesetzt worden. Eine Nachbarin berichtete, sie habe die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in schnellem Laufschritt mit zwei Katzenkörben weglaufen sehen. Die Zeugin erklärte, sie sei durch einen Knall aufmerksam geworden, zum Fenster gelaufen und habe gegenüber das brennende Haus gesehen. Sie habe daraufhin die Feuerwehr gerufen, sagte die 18-Jährige.  

Zschäpe muss sich auch wegen schwerer Brandstiftung verantworten

Zschäpe soll nach dem Tod ihrer mutmaßlichen Terror-Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die gemeinsame Wohnung in Zwickau angezündet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft der 38-Jährigen besonders schwere Brandstiftung mit Mordversuch vor, weil sie den Tod einer 89-jährigen Frau in der Nachbarwohnung sowie zweier Handwerker im Haus in Kauf genommen haben soll. Die betagte Frau soll zunächst nichts von der Explosion mitbekommen und schließlich von einer Nichte aus dem Haus gebracht worden sein. Laut einer Zeugin wusste aber Zschäpe vom schlechten Gesundheitszustand der Frau. Das könnte ein wichtiger Beweis für die Richter sein, die prüfen müssen, ob der Hauptangeklagten klar war, dass sie die Nachbarin in akute Lebensgefahr gebracht hatte.

Eine andere Nachbarin berichtete, wegen einer blinkenden roten Leuchte im Fenster der Zwickauer Wohnung habe man Zschäpe für eine Prostituierte gehalten. Man habe sich auch Gedanken gemacht, warum sie mit zwei Männern zusammengelebt habe. Zschäpe habe den Nachbarn aber vorgegaukelt, dass es sich um ihren Freund und dessen  Bruder handle.

Sorgte Zschäpe für bürgerliche Fassade?

Dem NSU-Trio werden zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge, außerdem zahlreiche Banküberfälle zu Last gelegt. Beim Prozess muss nun geklärt, welche Rolle Zschäpe im Trio spielte. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 38-Jährige der "terroristischen Vereinigung" eine "unauffällige Fassade" gegeben habe, damit das Trio unentdeckt bleiben konnte. Der NSU-Prozess ist ein gewaltiges Verfahren: Vier weitere Beschuldigte sind als Unterstützer oder Gehilfen angeklagt. Etwa 60 Nebenklageanwälte nehmen am Prozess teil, der bereits seit drei Monaten läuft. Das Münchner Oberlandesgericht hat inzwischen das Verfahren um ein weiteres Jahr verlängert und Termine bis zum 18. Dezember 2014 bestimmt.