NSU-Prozess War Zschäpe in Dortmund oder nicht?

Das Oberlandesgericht München ist im NSU-Prozess einer möglichen Verwechslung nachgegangen. Eine Zeugin hatte Ende September vor dem Oberlandesgericht München erklärt, sie habe im April 2006 die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in Dortmund auf einem Nachbargrundstück gesehen – zusammen mit ihrem mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

Am Dienstag nun war die Besitzerin des Nachbargrundstücks geladen, um zu prüfen, ob möglicherweise eine Verwechslung vorliegt. Prozessbeobachter berichteten, die 36-jährige geladene Frau sehe Zschäpe nur vage ähnlich, wenngleich Körpergröße und Haarfarbe übereingestimmt hätten.

Zeugin will Trio beobachtet haben

Die Zeugin hatte Ende September vor Gericht ausgesagt, die mutmaßliche NSU-Terrorgruppe von einem Dachfenster aus beobachtet zu haben. Sie habe dabei auch direkten Blickkontakt mit Zschäpe gehabt. Sollten die Angaben stimmen, wäre das ein Anhaltspunkt, dass auch Zschäpe möglicherweise in der Nähe der Mordanschläge war. Wenige Tage später war am 4. April 2006 in Dortmund der Kioskbesitzer Mehmet Kubasik getötet worden. Die Ermordung wird dem NSU angelastet. Zschäpe muss sich vor dem Münchner Gericht verantworten, weil sie für die legale Fassade des Terror-Trios gesorgt haben soll.

Neue Indizien für Verwicklung von André E.

Zudem ging am Dienstag auch um die Verbindungen des Mitangeklagten André E. zum untergetauchten Trio. In der Zwickauer Wohnung, in der die NSU-Gruppe jahrelang lebte, fanden sich im Brandschutt Privatfotos, die die Ehefrau von E. und dessen Bruder zeigte. Eine BKA-Beamtin hatte die Indizien am Dienstag vor Gericht präsentiert. E. ist unter anderem wegen Beihilfe zum versuchten Mord und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt.