NSU-Prozess München "Der Uwe kommt nicht mehr"

Eine "dünne und zittrige" Stimme teilte vor mehr als zwei Jahren Brigitte Böhnhardt mit, dass ihr Sohn - der mutmaßliche NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt - tot ist. Am anderen Ende der Leitung: Beate Zschäpe. Die Beschreibung lieferte die pensionierte Lehrerin jetzt bei ihrer Vernehmung vor dem Gericht in München.

Die Mutter des mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt hat vom Tod ihres Sohnes zuallererst durch Beate Zschäpe erfahren. Am zweiten Anhörungstag sagte Brigitte Böhnhardt vor dem Münchner Oberlandesgericht, Zschäpes Stimme habe am Telefon "ganz dünn und zittrig" geklungen. Es sei ihr sicher schwer gefallen, die Eltern zu informieren. Sie danke ihr, dass sie es dennoch gemacht habe.

Besser als die Polizei informiert

Die beiden Männer Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich am Mittag des 4. November 2011 auf der Flucht nach einem Banküberfall erschossen, um sich der Festnahme der Polizei zu entziehen. Die Beamten hatten die Leichen zunächst nicht identifizieren müssen.

Die Mutter von Böhnhardt war nach eigenen Angaben am nächsten Morgen bereits gegen sieben Uhr von Zschäpe angerufen worden. Sie hätte wörtlich gesagt: "Der Uwe kommt nicht mehr." Damit hatte die pensionierte Lehrerin schon vor der Polizei gewusst, was passiert war. Woher Zschäpe die Informationen vom Tod der beiden Männer hatte, erwähnte Böhnhardt vor Gericht nicht. Am 5. November 2011 hatten Polizeibeamte die Mutter um DNA-Material gebeten, um bei der Identifizierung der Leiche vollständig sicher zu gehen. Am Nachmittag jenes Tages gaben die Beamten schließlich öffentlich bekannt, dass es sich bei den beiden Toten um Mundlos und Böhnhardt handelte.

Beschreibung geht Zschäpe nahe

Der Prozesstag vom Mittwoch könnte einer der bislang emotionalsten für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe gewesen sein. Die Mutter beschrieb die einstige Freundin ihres Sohnes vor Gericht als "höflich und nett". Sie habe sich gefreut, dass ihr Sohn sie Mitte der 1990er- Jahre mit nach Hause brachte.

Zu Uwe Mundlos habe ihr Junge hingegen aufgesehen, der sei intelligenter gewesen. Sie wolle aber nicht die Schuld an der Entwicklung ihres Sohnes Mundlos geben. "Unser Uwe hätte jederzeit Nein sagen können", sagte Böhnhardt vor Gericht.

Mutter sieht Zschäpe als "gleichberechtigtes" Mitglied

Bei Zschäpe hingegen habe äußerlich nie etwas auf die rechte Gesinnung der jungen Frau hingedeutet. Bei der Schilderung war die Hauptangeklagte laut MDR-INFO-Reporter "fast zu Tränen gerührt". Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios, dem zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt werden. Die Richterschaft erhoffte sich durch die Anhörung der Mutter Hinweise darauf, dass Beate Zschäpe gleichrangiges Mitglied im Trio war und somit auch zur Verantwortung gezogen werden könnte.

Hinweise dieser Art lieferte Brigitte Böhnhardt am Mittwoch dann auch. Sie könne nicht sagen, wer in der Dreiergruppe dominant war und wer Mitläufer war. Sie können nur sagen, dass sie alle drei gleichberechtigt waren. Das Trio hatte, nachdem es 1998 untergetaucht war, noch bis 2002 Kontakt mit der Mutter – für diesen Zeitraum wird die Gruppe für vier Morde verantwortlich gemacht.

Mitgefühl auf Nachfrage

Für die Angehörigen der Opfer fand Brigitte Böhnhardt vor Gericht erst auf Nachfrage Worte des Bedauerns. Sie habe Mitleid und Mitgefühl mit den Familien, sagte sie vor Gericht. Sie sei dankbar, dass sich die Angehörigen nicht an ihnen gerächt hätten. Am Mittwoch war Böhnhardt auch von den Anwälten der Nebenkläger befragt worden.