NSU-Prozess "Frau Zschäpe hat die beiden bemuttert"

Sie machten Urlaub mit den mutmaßlichen Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" - ohne zu ahnen, mit wem sie es in Wirklichkeit zu tun hatten: Am Dienstag hat das Oberlandesgericht München mehrere Urlaubsbekanntschaften von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe als Zeugen vernommen.

Das Handout des Bundeskriminalamtes zeigt das mutmaßliche Mitglied der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), Uwe Mundlos.
Bildrechte: BKA

Im NSU-Prozess haben am Dienstag Urlaubsbekanntschaften der drei mutmaßlichen NSU-Terroristen vor dem Oberlandesgericht München ausgesagt. Sie beschrieben die Hauptangeklagte Beate Zschäpe als "Hauswirtschafterin" des Trios. Für die Bundesanwaltschaft ist dies ein weiteres Indiz für die wichtige Rolle Zschäpes innerhalb der Gruppe.

"Max, Gerry und Lise waren sehr kinderlieb"

Die Zeugin Karin M. berichtete, dass sie die drei 2007 bei einem Campingurlaub auf der Ostseeinsel Fehmarn kennengelernt habe. "Wir haben nebeneinander gewohnt, Wohnwagen an Wohnwagen" berichtete die Frau. Dadurch habe sich eine rege Bekanntschaft entwickelt. Ihr Mann fügte hinzu, dass man nahezu jeden Tag etwas zusammen gemacht habe. In den Jahren darauf hätten sie Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe - die sich "Gerry", "Max" und "Lise" nannten - immer wieder auf dem Zeltplatz getroffen. Auch ihre Kinder hätten sich sehr gut mit den dreien verstanden. Überhaupt sei das Trio sehr kinderlieb gewesen und habe mit Kindern jeden Alters "unheimlich gut umgehen können".

Das einzig Auffällige sei gewesen, dass die drei immer bar bezahlt hätten. So habe sich Mundlos für mehrere hundert Euro ein Surfbrett und ein Segel gekauft. Ihr sei das in Erinnerung geblieben, "weil ich das mit Karte bezahlt hätte", erklärte die Zeugin. Sie sagte zudem aus, dass Zschäpe das Geld verwaltet habe. Zudem soll Zschäpe sich um den Haushalt der Gruppe gekümmert und die beiden Männer regelrecht bemuttert haben.

Frau Zschäpe war immer die Hauswirtschafterin, hat Essen bereitet, Salat geschnibbelt, Schaschlik aufgespießt. Sie hat die beiden bemuttert.

Urlaubsbekanntschaft Karin M. als Zeugin im NSU-Prozess

Auf Nachfrage des psychiatrischen Sachverständigen Henning Saß, wer in der Gruppe den Ton angegeben habe, sagte M., dass die Rollen ausgeglichen verteilt gewesen wären. So hätte "Gerry" bei Handwerklichem, "Max" beim Sport und "Lise" beim Essen und Kochen das Sagen gehabt. Das Auffliegen der Gruppe im November 2011 hat das Ehepaar nach eigner Aussage geschockt. Karin M. erklärte, sie könne es immer noch nicht glauben, dass man sich so täuschen könne.

Streit um Sitzplatz von Psychologen

Vor der Befragung der Zeugin hatte es einen Streit um den Sitzplatz des Sachverständigen Saß gegeben. Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer beantragte, dass der Psychologe von der Angeklagten weiter entfernt sitzen müsse, weil er sonst vertrauliche Gespräche zwischen ihr und ihren Anwälten hören könnte. Der Gutachter saß etwa zwei Meter von Zschäpe entfernt und rückte nach dem Antrag einen Platz weiter. Er soll unter anderem begutachten, ob Zschäpe möglicherweise in Sicherungsverwahrung muss.

Auch Mutter von Zschäpe als Zeugin geladen

Neben den Urlaubsbekanntschaften will das Gericht in dieser Woche auch die Mutter von Beate Zschäpe vernehmen. In der vergangenen Woche war zwei Tage lang die Mutter von Uwe Böhnhardt angehört und befragt worden. Sie erklärte vor Gericht, dass Zschäpe gleichberechtigt in dem Trio gewirkt habe. Das untermauert die Sichtweise der Anklage.

Den mutmaßlichen NSU-Terroristen werden zehn Morde und zwei Sprengstoffattentate zur Last gelegt. Zschäpe ist als Mittäterin an allen Anschlägen angeklagt. Sie soll für die legale Fassade des Trios gesorgt haben. Sie ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Böhnhardt und sein Komplize Mundlos waren im November 2011 in einem Wohnwagen in Eisenach tot aufgefunden worden. Sie sollen sich getötet haben, als ihre Verhaftung drohte.