NSU-Prozess "Ich habe die Scheiß-Knarre besorgt"

Das Oberlandesgericht München hat sich im NSU-Prozess bereits wiederholt mit der Herkunft der Tatwaffe - einer Česká 83 - befasst. Die Richter befragten am Dienstag einen Polizeibeamten, der einen rechten Szeneladen im Jena durchsucht hatte. Laut Anklage soll über den Laden die Waffe für die mutmaßlichen NSU-Terroristen besorgt worden sein.

Hier ging es nicht um eine "Spielzeugwaffe"

Der Polizeibeamte zitierte vor Gericht den Laden-Mitarbeiter Andreas S. mit den Worten: "Ich habe ihm die Scheiß-Knarre besorgt." Das habe dieser bei der Vernehmung zu Protokoll gegeben. Bestellt worden sei ausdrücklich eine "scharfe Waffe" und keine "Spielzeugwaffe". Die Pistole sei in ein Handtuch gewickelt und in einem Auto übergeben worden. Ralf Wohlleben habe den Auftrag gegeben, Carsten S. habe 2.500 Euro dafür bezahlt. Beide Männer stehen deshalb wegen Beihilfe zum Mord vor dem Münchner Oberlandesgericht. Vor Wochen hatten die Münchner Richter bereits den Besitzer des rechten Szeneladens aus Jena vernommen. Der gab damals an, sich nicht mehr genau zu erinnern. Sein Mitarbeiter Andreas S. verweigerte ganz und gar die Aussage.

Vermieterin erinnert sich an "schüchternen" Mann

Das Gericht beschäftigte sich am Dienstag auch mit einem Wohnmobil der NSU-Terrorzelle. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Uwe Böhnhardt das Fahrzeug bei einer Chemnitzer Firma gemietet hat. Die Inhaberin sagte vor Gericht, sie erinnere sich an einen "völlig unauffälligen, schüchternen jungen Mann". Sie habe nie vermutet, "dass der so einen Hintergrund" hat. Böhnhardt soll sich beim Kauf als Holger G. ausgegeben haben, der mit als Angeklagter vor Gericht steht. Die Anklage vermutet, das Böhnhardt und Mundlos das Fahrzeug im April 2007 genutzt hatten, als die Thüringer Polizistin Michèle Kieswetter getötet wurde. Der Mord in Heilbronn wird dem NSU-Trio zur Last gelegt.

In dem Wohnmobil sollen beiden Männer im November 2011 Selbstmord begangen haben, das Fahrzeug brannte damals aus. Ihre mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe steht als Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor Gericht. Das NSU-Trio wird für die Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmer verantwortlich gemacht - Tatwaffe war die Česká. Auch der Mord an der Polizistin Michèle Kieswetter soll auf das Konto des Trios gehen.